LUXEMBURG
MARCO MENG

Digitale Transformation macht auch vor Fondsbranche nicht halt

Die Digitalisierung ändert auch die Fondsbranche. Themen wie Blockchain und Fintech standen darum gestern bei der jährlich stattfindenden „TA and Distribution“-Konferenz des luxemburgischen Fondsverbands ALFI auf der Tagesordnung. Insbesondere die Art und Weise, wie Fonds in Zukunft vertrieben werden, könnte sich, ja wird sich ändern. Welche Produkte werden in Zukunft angeboten, wie sind die regulatorischen Anforderungen und wie sieht die Distribution aus?

„Die Transformation ist im Gange“, sagt Josée-Lynda Denis, Vorsitzende des „ALFI TA Forum Steering Committee“. Die Transformation wird angetrieben durch technologische Änderung und durch Gewohnheiten und Ansprüche der neuen Investoren-Generation.

Olivier Carré, Partner, PwC Luxembourg, erklärt, dass global gesehen das Vermögen wächst, Alternative Fonds wachsen und auch die Pensionsassets wachsen, doch hier wird es große Änderungen geben. Es braucht komplementäre Lösungen. „Wir leben inmitten eines Trends, wo mehr Investmentmöglichen gebraucht werden“, so Carré. Festzustellen sei, dass sich ebenso die Art der bevorzugten Investmenttypen ändere: Von aktiv gemanagten Fonds geht es mehr hin zu passiven und alternativen Fonds. „Die technologischen Änderungen bieten auch viele Möglichkeiten“, meint Carré. Es werde komplexer werden - das bedeute aber auch, mehr Lösungen würden gebraucht, darum sei auch der „Transfer Agent“, der die Übertragung von Fondsanteilen verwaltet, in Zukunft weiterhin notwendig.

Branche und Regulatoren müssen aktiv werden

Carré macht auf die neue Generation aufmerksam: Diese „Digital natives“ ändern die Art, wie investiert wird. „Kaufen und verkaufen von Fondsanteilen, warum ist das heute nicht in Echtzeit mit dem Smartphone möglich?“, fragt er. Der Vertrieb von heute sei nicht bequem für den Kunden. „Junge Leute verstehen gar nicht, warum man Fonds nicht per Smartphone kaufen kann. Sie wollen auf einer Plattfom vergleichen und mit einem Knopfdruck kaufen, und dann auch sofort und nicht erst in drei Tagen das Geld gutgeschrieben haben.“ Das fordere auch die Regulatoren: Sie müssten schneller sein als sie es heute sind. Allerdings seien bei der EU-Wertpapier-Aufsichtsbehörde Esma oder in der EU-Kommission clevere Leute - doch keiner von denen habe jemals in der Fondsindustrie gearbeitet. „Was werden die Regulatoren mit Blockchain tun?“, fragt Carré.

Kenneth Herzog, Head of Distribution & TA Oversight, HSBC Investment Funds, pflichtet dem bei: „Die Technologie ist da, aber die Branche benutzt heute noch Fax. Ich kann heute schon Wertpapiere mit dem Smartphone kaufen, warum nicht UCITS-Fondsanteile?“ Regulatoren müssen sich kümmern, die technologische Entwicklung auch für den Fondsvertrieb nutzbar zu machen. Dass das in Zukunft nicht nur den Vertrieb, sondern auch das gesamte Gebührenmodell der Branche ändern wird, darüber herrscht Einigkeit.

AUSNAHME VON DER REGEL

Luxemburgische Fonds für Australien

Um Finanzdienstleistungen in Australien anbieten zu können bedarf es einer Lizenz der australischen Behörden. Wie ALFI gestern bekannt gab, hat der Fondsverband „Down Under“ erfolgreich eine Ausnahme von dieser Regel verhandelt: Demnach können nun Management Companies und UCITS-Fondsgesellschaften „SICAV“, die von der luxemburgischen Finanzaufsicht CSSF überwacht werden, auf dem fünften Kontinent ihre Dienste anbieten: Institutionelle australische Investoren haben so einen einfacheren Zugang zu regulierten luxemburgischen Fonds (UCITS). Asien, vor allem China, wären für die Fondsgesellschaften ebenfalls ein Riesenmarkt - wenn ein direkter Marktzugang möglich wäre.