LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Wohnungen, Kino, Shopping, Busbahnhof und Tram: Urbanistisches Konzept für die „Place de l’Etoile“ vorgestellt

Seit Jahrzehnten gibt die „Place de l’Etoile“ ein Bild ab, das nicht in das Bild der Stadt passt, wie wir es gerne hätten“, sagte Bürgermeisterin Lydie Polfer gestern bei der Vorstellung des urbanistischen Konzepts für den Platz, der in der Mobilitätspolitik eine sehr wichtige Rolle spielt. Aber später mehr dazu. Tatsächlich gab es über die Jahrzehnte eine Menge Projekte, um, wie die Bürgermeisterin sagt, „einen schönen Eingang“ in die Hauptstadt zu errichten. Allerdings gab es auch Dutzende juristische Streitigkeiten mit und zwischen Grundstückseignern, die ein großes urbanistisches Gesamtprojekt auf dem rund drei Hektar großen Areal unmöglich machten, das seit 2016 zum allergrößten Teil der Abu Dhabi Investment Authority gehört, die in Luxemburg durch die Vermögensverwaltungsgesellschaft Firce Capital agiert. Nun scheint es aber so weit zu sein. Vor einem Jahr hätten sich die Probleme zwischen den Besitzern - ADIA, Staat und Stadt verbleiben heute - gelöst, so die Bürgermeisterin und sofort habe man sich mit dem Mobilitäts- und Infrastrukturministerium an einen Tisch gesetzt, um ein Projekt zu entwickeln, das „einen Mehrwert für den Platz, aber auch für die umliegenden Viertel bieten soll“.

„Shared Space“ und „Tunnel“

„Das Detail muss noch ausgearbeitet werden, aber jetzt ist der richtige Moment gekommen, um das Projekt vorzustellen“, sagte Lydie Polfer ferner. Dem konnte François Bausch, der ehemalige erste Schöffe der Hauptstadt und heutige Mobilitäts- und Bautenminister nur beipflichten. „Dieses Projet integriert sich in die Mobilitätsziele der Regierung“, sagte der Grünen-Politiker. Hier soll nämlich ein kapitaler Verkehrs-Dreh- und Angelpunkt entstehen. Nicht nur ist ein unterirdischer Busbahnhof vorgesehen, sondern von hier aus wird die Tram, für die bekanntlich bereits eine provisorische Haltestelle „Place de l’Etoile“ eingerichtet wurde, auch nach Westen geführt werden, über die Route d’Arlon – längs des ebenfalls in der Entstehung befindlichen neuen Viertels „Stade“ – bis zum „Centre Hospitalier“. Dort soll langfristig ein weiterer Verkehrsknotenpunkt entstehen, von dem aus die Tram weiter nach Westen geführt werden soll, aber auch nach Süden, in Richtung Hollerich und Cloche d’Or.  Aber nicht nur Tram und Busse werden sich an der „Place de l’Etoile“ treffen, auch mehrere  Rad- und Fusswege.

Kern des Projekts ist ein „Shared Space“ über einem unterirdischen Busbahnhof. Um das zu ermöglichen, wird das Teilstück der Route d’Arlon zwischen dem Boulevard de la Foire und der Rue de Rollingergrund durch einen „Tunnel“ – eher eine überdachte Strasse - umgeleitet. So sollen öffentlicher Transport und „sanfte Mobilität“ gefördert werden.

600 Wohnungen

Eine andere Priorität ist allerdings auch die Schaffung von Wohnraum am Sternenplatz. 600 Wohnungen sollen so hier entstehen – rund dreimal mehr als im bislang letzten Teilbebauungsplan von 2011 vorgesehen - und etwa 47 Prozent des ganzen Projekts von insgesamt 102.745 Quadratmeter Fläche belegen. Über die Preislage der Wohnungen gab es gestern keine Auskunft, darunter sollen auf jeden Fall aber auch erschwingliche Wohnungen sein. Gesetzlich müssen derzeit mindestens 10 Prozent der Fläche eines Wohnungsbauprojekts mit mehr als 25 Wohnungen für Wohnraum „à coût modéré“ zur Verfügung gestellt werden.  

45 Prozent der Fläche des Konzepts für den Sternenplatz werden dann Bürofläche, der Rest ist für Geschäfte, Fitness, eine „Foodhall“ von 1.500 Quadratmetern mit Terrassen und Gärten sowie ein Multiplex-Kino mit fünf Sälen geplant. „Es soll ein Platz voller Leben sein“, sagte Promotor Marc Giorgetti. Seine Firma Felix Giorgetti entwickelt das Projekt gemeinsam mit BC Partners, einem Private Equity-Spezialisten, der auch im Immobiliengeschäft tätig ist. Mit dabei ist wie gesagt der Vermögensverwalter Firce Capital.  Die Architekturbüros Kohn Pedersen Fox und a+a sind für Urbanismus und Architektur zuständig. Sie arbeiten mit dem Ingenieurbüro Schroeder & Associés zusammen. Wann die Arbeiten konkret in Angriff genommen werden, hängt von den Prozeduren und hauptsächlich von möglichen juristischen Vorgehen ab. Auf jeden Fall soll noch im ersten Trimester 2021 ein Antrag für eine Abänderung des Allgemeinen Bebauungsplans der Hauptstadt eingereicht werden und die Teilbebauungspläne in die Prozedur gehen. Läuft alles glatt, könnte dieser Teil bis Ende 2021 abgeschlossen sein und der Gemeinderat über die Änderungen bestimmen, wie Lydie Polfer erklärte.

Erteilt der Rat grünes Licht, bleiben anschließend drei Monate für Einsprüche. Verfahren vor Gericht können sich natürlich hinziehen. Im Idealfall könnten aber bereits im Laufe des Jahres 2022 die Bagger an der „Place de l‘Etoile“ rollen Minister Bausch möchte seinerseits jedenfalls bis Ende 2022 den Entwurf eines Finanzierungsgesetzes für den Ausbau der Tram nach Westen. Wieviel  das Projekt „Stäreplaz“ kosten soll, war gestern noch nicht zu erfahren.