SAARBRÜCKEN
CHRISTIAN SPIELMANN/DPA

Das Filmfestival „Max Ophüls Preis“ ehrt Produzent Peter Rommel

Am Montagabend drängten sich viele Filmschaffende in den Saal 11 des „CineStar“-Filmkomplexes in Saarbrücken, wo die Eröffnungszeremonie des 38. Filmfestival „Max Ophüls Preis“ (MOP) stattfand. Tanja Carlin moderierte den Abend und begrüßte die neue künstlerische Leiterin des Festivals, die Berliner Medienwissenschaftlerin Svenja Böttger, auf der Bühne, die sich dem Publikum vorstellte und sich bei allen Beteiligten bedankte. Alsdann hielt Produzent Alfred Holighaus eine Laudatio an den Produzenten Peter Rommel, der dieses Jahr mit dem Ehrenpreis des Festivals geehrt wurde, dies für seine Verdienste um den jungen deutschsprachigen Film.

Der König der kleinen Dinge

Alfred Holighaus erhielt 2012 den ersten Ehrenpreis des Festivals aus den Händen von Peter Rommel. Nun sollte die Überreichung umgekehrt verlaufen. Holighaus nannte seinen Kollegen und Freund Rommel den „König der kleinen Dinge“, da er sich stets Drehbücher heraussucht, die andere Geschichten erzählen, wie das Mainstream-Kino. Er entdeckte zum Beispiel Andreas Dresen und produzierte dessen Filme, unter anderem „Nachtgestalten“, „Halbe Treppe“ und „Wolke 9“. Rommel bewies auch Mut und produzierte „Feuchtgebiete“ nach dem Roman von Charlotte Roche. Mit einer emotionalen Dankesrede wandte sich Rommel anschließend ans Publikum. So habe er unter anderem seiner Mutter viel zu verdanken, sagte der 61-Jährige: „Sie hat mir trotz Notendurchschnitt 3,8 bei der Mittleren Reife das Gefühl gegeben, dass aus mir etwas wird.“ Dem Publikum versicherte der Produzent, dass er nicht vorhabe, sich zur Ruhe zu setzen: „Ich werde weiter Dinge für mich und Sie zu entdecken versuchen.“

Dann stellte die Moderatorin die Jury „Wettbewerb Spielfilm“ vor. Neben dem Gewinner des „Max Ophüls Preis 2016“ Stephan Richter tagen in dieser Jury die Schauspielerin Andrea Sawatzki, Produzent Florian Koerner von Gustorf, Cutterin Karina Ressler und Regisseur Sven Taddicken, der allerdings noch nicht in der saarländischen Hauptstadt angekommen war.

Von den Toten auferstanden

Der Eröffnungsfilm war die österreichisch-holländisch-luxemburgische Koproduktion von „Amour Fou“ „Die Nacht der tausend Stunden“ von Virgil Widrich, der 2000 in Saarbrücken mit „Heller als der Mond“ im Wettbewerb war und 2002 mit seinem Kurzfilm „Copy Shop“ für den Oscar nominiert war. Erzählt wird die originelle und genauso skurrile Geschichte der Familie Ullich. Philip soll den Wiener Familienbetrieb übernehmen, und Tante Erika ist bereit, die Übergabe ihrer Anteile an ihn zu unterschreiben, als sie nach dem ersten Strich stirbt. Komischerweise taucht sie ein paar Momente später wieder lebend auf. Kurz darauf sind Mutter und Vater sowie die erste und zweite Frau von Philipps Opa Herrmann, Gertrude und Renate, unter den Lebenden. Überhaupt taucht eine ganze Horde von Verstorbenen auf, die das Haus bevölkern, und ein kaiserlicher Gendarm, der einen möglichen Mord untersuchen soll. Regisseur Widrich war mit einem Teil des Filmteams anwesend, unter anderem die Schauspieler Laurence Rupp (Philip), Amira Casar (Renate), Pierre Bodry (er spielt einen Toten) und Brigitte Urhausen (sie spielt eine Nonne), die Bühnenbildnerin Christina Schaffer und Cutterin Pia Dumont. Der Film wird im Rahmen des Luxembourg City Film Festival (2. - 12. März) in Luxemburg starten. Danach wurde im Schein der blauen Herzen, dem Symbol des Festivals, gebührend gefeiert.

40.000 Besucher erwartet

Das Festival dauert noch bis zum 29. Januar. Die Veranstalter rechnen bei der 38. Auflage mit 40.000 Besuchern. Sie haben die Auswahl unter knapp 160 Filmen. Schwerpunkte sind die Themen persönliche Freiheit und Selbstverwirklichung, Eltern und Familie, Flucht und Migration und Frauenfiguren. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 111.500 Euro verliehen.

Weitere Informationen unter www.max-ophuels-preis.de