LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Mordprozess „Schléiwenhaff“: Staatsanwaltschaft will besondere Schwere der Schuld festgestellt wissen

Im Prozess um den Mord am nigerianischen Drogendealer und an der rumänischen Prostituierten sind am Mittwoch vor der Kriminalkammer Luxemburg die Plädoyers der Staatsanwaltschaft gehalten worden.

Lee K. und Alden S. sind des gemeinschaftlichen Mordes an dem Nigerianer O. angeklagt. Für Lee K. plädierte Staatsanwalt David Lentz auf eine lebenslange Haftstrafe unter Berücksichtigung der besonderen Schwere der Schuld. Für Alden S. forderte Lentz eine Freiheitsstrafe von 22 Jahren.

Keine Nebenklage für die beiden Opfer

„‚Was ihr begrabt, ist nur mein Körper‘, sagte Sokrates“, mit diesem Satz führte David Lentz in sein Plädoyer ein. Es sei traurig, sagte Lentz, dass im Prozess niemand für die beiden Opfer juristisch eingetreten ist: Keine Nebenklage für die beiden Opfer. „Wir haben in die nötige Zeit investiert, um hinter die Affäre zu kommen“, sagte Lentz und zitierte im ersten Akt die Fakten, vier weitere sollten folgen. Fakt sei, dass beide Opfer eine Kugel in den Kopf bekamen, Fakt sei weiter, dass beide mit derselben Waffe umgebracht wurden. Fakt sei auch, dass die Opfer auf demselben Fahrersitz erschossen wurden und dass die Opfer bestohlen wurden. Darüber hinaus sei Fakt, dass die zwei Opfer keine Papiere bei sich hatten und „dass die Leute, die hier auf der Anklagebank sitzen, die Täter sind.“ Staatsanwalt Lentz führte in seiner Rede aus, dass K. hohe Schulden hatte. Seine finanzielle Situation sei katastrophal gewesen. Geldprobleme hätten ihn kaputt gemacht, auch weil er immer mehr Kokain brauchte.

Lentz stellte die Frage: „Was ging in seinem Kopf vor?“ Er verwies auf die im Prozess deutlich gewordene schwere seelische Abartigkeit von K.. Der Angeklagte habe weiterhin Tötungsfantasien und ihm fehle jegliche Empathie. S. sei egozentrisch, er habe eine Aggressivität, die latent sei. „Wir haben zwei Personen, eine Person ist aggressiv, die andere ist depressiv.“ Die Täter seien mit großer Brutalität vorgegangen. Es sei ihnen darum gegangen, einen Menschen sterben zu sehen. Sie hätten den Tod des Nigerianers vorsätzlich herbeigeführt. Nach der SMS „Hues de haut Loscht een ëmzebrengen“ wurde der nigerianische Drogendealer O. kontaktiert. S. und K. treffen O. und es wurde über Rauschgift verhandelt. Beide hatten kein Geld dabei, dann bekam O. eine Kugel in den Kopf. Die Waffe wäre von vornherein präpariert gewesen, sagte Lentz. Ja alles sei geplant gewesen: Die Tat von langer Hand präpariert.

Von langer Hand geplant

Lentz folgerte: „Alden S. ist der Fahrer. Lee K. sitzt hinten im Wagen und schießt. Ich habe absolut keine Zweifel, dass es so war.“ Bei beiden Morden seien den Opfern etwas entwendet worden. Das Ziel war Diebstahl. Um den Diebstahl auszuführen, wurden zwei Menschen ermordet.

Laut Lentz sei Lee K. nach Artikel 475 des „Code pénal“ auch für den Mord an der rumänischen Prostituierten voll schuldfähig. Lebenslänglich für K. - das ist die Forderung der Staatsanwalts auch für das begangene brutale Verbrechen an der Rumänin. Im Fall der ermordeten Rumänin folgte der Staatsanwalt seinem Gewissen, wonach er K. als sehr gefährlich einschätzt. Nach Artikel 475 stellte der Staatsanwalt auch für Alden S. die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld fest. Ohne die Hilfe von Alden S. wäre die Tat nicht zustande gekommen, sagte Lentz. Für S. forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von 22 Jahren.

S. sagte in seinem letzten Wort: „Ech hu nët geschoss. Hien huet mech an d’Affaire eragezunn.“ K. möchte mildernde Umstände geltend machen.

Das Urteil soll am 8. Januar 2020 gesprochen werden.