LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Grüne Lunge, Wasserspeicher, Naherholungsgebiet - der Wald spielt in unserem Alltag eine vielseitige Rolle, die man zu den genannten Funktionen auch noch um diejenige des Klimaindikators ergänzen könnte. War das Waldsterben in den 80er Jahren noch ein vordringliches Thema, so war es eher ruhig geworden um diese Thematik, die im Hintergrund weiter schwelte und angesichts der auf internationaler Ebene immer bedeutungsvolleren Klimaproblematik erneut in den Vordergrund gerückt wurde. Nur den wenigsten Menschen ist allerdings bewusst, wie lebensnotwendig im wahrsten Sinne des Wortes der weltweite Waldbestand ist sowohl für den Artenreichtum als auch für die allgemeinen Lebensbedingungen.

So selbstverständlich wie die Schutz- und Versorgungsfunktion des Waldes angesehen wird, ist sie jedoch keineswegs und leider muss man feststellen, dass der Wald im Ranking der gesellschaftlichen Prioritäten sehr oft weit hinten rangiert. Das gilt nicht nur für die tropischen Regenwälder in Südamerika oder Südostasien, wo kurzsichtiges Profitstreben zur Rodung riesiger Waldflächen führt, die zum Anbau von scheinbar marktgerechteren Monokulturen wie Palmölplantagen oder fragwürdigem Weideland umfunktioniert werden. Das gilt mittlerweile auch für zahllose Bergwälder in Europa und Nordamerika, die allen vorgeblichen Schutzmaßnahmen zum Trotz weiterhin einem ungebremsten Drang zu Wintersport und anderen touristischen Verlockungen geopfert werden.

Während die Auswirkungen der Regenwaldrodung auf das Weltklima wohl erst langfristig spürbar werden, dann aber umso schlimmer empfunden werden dürften, werden uns bei jeder extremen Wetterlage die Folgen in der Bergwelt, beispielsweise der Alpen, nachdrücklich in Erinnerung gerufen. Bergrutsche, Schlammlawinen und Überschwemmungen suchen mit fast schon beängstigender Regelmäßigkeit ganze Bergregionen heim und sorgen für immer größere Zerstörungswellen, deren Ausmaß wohl nur über einen sehr langen Zeitraum von der touristischen Nutzung wieder ausgeglichen werden kann. Der Rückgang der Waldflächen, der die Berghänge weitgehend stabilisierte, hat neben dem Wintersport auch der natürlichen Erosion neue Dimensionen verschafft.

Die jüngst veröffentlichten Zahlen über den Zustand des luxemburgischen Waldes zeigen, in welchem Maße der Klimawandel in Kombination mit dem nach wie vor anhaltenden sauren Regen auch den vermeintlich gepflegten Waldbeständen zusetzt. Und leider genießen, aus nachvollziehbaren Gründen, nicht immer die für den jeweiligen Standort am besten geeigneten Baumarten den Vorzug von Waldbesitzern, die den Wald primär als Ertragsquelle ansehen.

Auch wenn ertragsorientierte Rodungen bei uns weitgehend unterbunden wurden, stellt man doch weiterhin fest, dass gerade in ohnehin von der „Zivilisation“ vereinnahmten Gegenden, wo die Funktion des Waldes als grüne Lunge eigentlich besonders geschätzt werden müsste, Erweiterungen von Gewerbegebieten auf Kosten des, immerhin zu kompensierenden, Waldes toleriert werden. Ohne starke Befürworter riskiert der Wald allerdings in dieser Koexistenz auf Dauer den kürzeren zu ziehen.