LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Neue Personalprofile, Geopolitik und technologische Innovationen fordern Banken heraus

Der Finanzsektor trägt zu gut einem Drittel zu den Staatseinnahmen bei und beschäftigt mehr als 26.000 Menschen. Wenn der Bankenverband ABBL seinen Bericht über das abgelaufene Jahr vorstellt und einen Ausblick auf Trends gibt, hören die Entscheider hin. Sogar der Finanzminister Pierre Gramegna war am Morgen zur Generalversammlung erschienen.

Insgesamt stehen die 142 Banken in Luxemburg gut dar. Das konsolidierte Ergebnis lag Ende Dezember bei einem satten Plus von 7,8 Prozent. Das Ergebnis vor Steuern und Abgaben sogar bei 14,9 Prozent, was aber auf eine Transaktion eines Instituts zurückzuführen war, sonst wären es 1,5 Prozent gewesen. Die Zinsmarge von 4,7 Milliarden Euro stieg um 5,3 Prozent von Dezember 2015 bis Dezember 2016 und betrifft etwas mehr als die Hälfte aller Banken. Das Provisionsergebnis ging um 2,3 Prozent zurück. Die Kredite, besonders im Immobilienbereich, zogen an, ebenso die Guthaben - trotz der niedrigen Zinsen.

Die Personalkosten stiegen zwischen Dezember 2015 und Dezember 2016 um 0,1 Prozent. Serge de Cillia, CEO der ABBL, warnte allerdings davor, das Ergebnis isoliert zu betrachten. „In den vergangenen zehn Jahren sind die Personalkosten um 40 Prozent gestiegen.“

Zur Zeit verhandelt die ABBL mit der „Association Luxembourgeoise des Employés de Banque et Assurance“ (Aleba) über einen neuen Kollektivvertrag. „Der alte war 40 Jahre alt und ein Labyrinth. Wir wollen einen neuen, einfachen und verständlichen Vertrag“, erklärt de Cillia. Wann dieser fertig sein wird, ist noch nicht klar.

Mindestens ein Studium vorweisen

Eindeutig ist hingegen, dass die Anforderungen an die Mitarbeiter steigen. „Ein Studium ist das mindeste“, betont der ABBL-CEO. Damit die Mitarbeiter fit bleiben, setzt die ABBL auf das House of Training, mit dem sie eng zusammen arbeitet.

Insgesamt fielen in Luxemburg seit der Finanzkrise 2008 ganze 2.607 Arbeitsplätze weg, 1.400 entstanden neu. Den Mitarbeitern stehen heute andere Kunden gegenüber, was auch am Informationsaustausch liege.

Die ABBL-Vertreter klagten über die hohen Kosten für die Regulierung. Pro Jahr zahlen die Banken in Luxemburg 80 Millionen Euro für einen Garantiefonds, hinzu kommen noch 120 Millionen Euro für einen Europäischen Fonds. „Die Finanzaufsicht CSSF hat in den letzten fünf Jahren ihr Personal verdoppelt. Sie wird vom Finanzsektor finanziert“, betonte ABBL-Präsident Yves Maas. Er ärgerte sich, dass Banken drei Mal zahlen: Für die Entstehung der Regeln, für die Mitarbeiter der Regulierer und für die eigenen Mitarbeiter, die die Regulierungen umsetzen und überwachen. Zwar machten die Banken Gewinne, doch die Zukunft sei ungewiss. „Kosten bleiben, Gewinne sind unsicher“, kommentierte de Cillia lakonisch. „Ich glaube nicht an eine Senkung der Bankkosten nach 2018.“ Trends bei den Banken sind weniger Filialen, ein Zusammenziehen des Geschäfts an bestimmten europäischen Standorten, Outsourcing und Insourcing sowie Partnerschaften und neue Geschäftsmodelle; vor allem wegen des Wandels durch FinTech.

Ein weiterer Bereich, den die Banken besorgt beobachten, ist die Geopolitik im Kontext von Brexit, Wahlen in Frankreich und Deutschland sowie dem Vorgehen der USA.

„Die Brexit-Verhandlungen sind sehr schwierig. Unsicherheit ist für unseren Markt immer schlecht“, meint Maas. Er ärgert sich auch über den Protektionismus in den USA, die die Auflagen von Basel III noch nicht erfüllt haben, während Europa bei Basel IV ist. Das und attraktive Zinsen ermöglicht es ihnen beispielsweise, Kredite an Konzerne zu vergeben, bei denen europäische Banken ausgebootet sind. „Die Frage ist, wie Asien darauf reagiert“, bemerkt de Cillia. Die Konkurrenz auf globalem Niveau nimmt zu, meint Maas.

Schulungen für FinTech

Technologische Innovationen sind ein weiteres Thema, das den Bankensektor umtreibt. Zwar investieren Banken massiv in diesen Bereich. „Aber Luxemburg ist im Vergleich mit anderen Ländern viel günstiger“, unterstreicht de Cillia. Eine europäische Direktive werde demnächst in heimisches Recht umgesetzt, einen ersten Vorschlag gibt es schon. „Dann können Kunden auf einer Webseite Bedingungen der Kontokosten vergleichen“, stellt de Cillia fest.

Die ABBL selbst hat einen „Digital Banking und FinTech Innovation-Cluster“ gegründet, der auch mit der Universität und dem Luxembourg House of Financial Technology (LHoFT) zusammenarbeitet. Er bietet unter anderem Lernmodule an. „Wir haben auch ein Angebot, bei dem die Startups von unseren Diensten profitieren, gleichzeitig haben wir quasi eine Landkarte der Akteure erstellt“, erzählt Maas. Das Umfeld sieht er weiter als sehr lebhaft an.