NIC. DICKEN

In diesen Tagen am Jahresende werden wir einmal mehr heimgesucht von einer Unmenge salbungsvoller Reden. Das Spektrum reicht vom zumeist selbstzufriedenen Blick zurück auf das Erreichte bis hin zu den schönsten Vorsätzen, mit denen die Verkünder uns auf ein besseres Morgen einschwören wollen.

Man lasse sich davon bloß nicht verblüffen: Selbstkritik sucht man in diesen als traditionell beschworenen Weihnachts- und Neujahrsansprachen eher vergeblich und die Haltbarkeit der frommen Wünsche, die auf die Zukunft ausgerichtet sein sollen, geht in den seltensten Fällen über die der Feinkostgerichte hinaus, mit denen wir uns die
letzten Tage des Jahres versüßen zu müssen glauben. Danach beginnt wieder Alltag, genauso gut und schlecht, wie wir ihn uns selbst machen.

Und genau hier liegt denn auch die Crux: Wenn die Regierungs- und Staatenlenker, die uns Jahr für Jahr mit ihren hehren Vorsätzen beglücken wollen, sich endlich einmal ernsthaft selbst um die Umsetzung dieser Vorsätze bemühen würden, konsequent und immer wieder auf jene Verbesserungen pochen würden, die sie selbst angekündigt und eingefordert haben, dann wäre schon viel getan.

Aber so weit reicht der Mut zu Erneuerung, zu tief greifenden Veränderungen in aller Regel dann doch wieder nicht. Zu oft wartet man bereits vor dem ersten eigenen Schritt auf das Nachziehen der anderen, der Mitstreiter wie der Konkurrenten, und wundert sich dann, dass sich am Ende nichts bewegt.

Seit vielen Jahren hat sich die Unsitte eingebürgert, immer höhere Ziele zu stecken, dafür dann aber auch immer längere Zeiträume vorzusehen. Zwischenbilanzen, wie man sie etwa in einem Unternehmen einfordern würde, werden kaum gemacht und wenn, dann zumeist mit der (bitteren) Erkenntnis, dass man sich, wenn denn überhaupt, eigentlich kaum in die gewünschte Richtung bewegt hat.

Voraussetzung für erfolgreiche Zukunftsgestaltung wäre denn auch der Vorsatz, die angekündigten Vorsätze mit der nötigen Ernsthaftigkeit immer wieder in Erinnerung zu rufen und zu befolgen.

Weil dem nun aber nicht so ist, kann sich am Ende auch die Zivilgesellschaft nicht ganz ihrer Verantwortung entziehen, die ihr so zwangsläufig zufällt.

Mehr denn je muss es Ziel von Bürgern und Bürgervereinigungen sein, Versprechen und Ankündigungen regelmäßig einzuklagen, Politiker, Unternehmensleiter, Vertreter von Interessengruppen an ihre Aufgaben und Pflichten zu erinnern und ihnen Dampf zu machen.

Gewiss, jede Entscheidung zur Veränderung setzt Mut voraus und stellt auch ein bestimmtes Risiko dar. Aber wo würde die Menschheit stehen, wenn es in der Vergangenheit nicht immer wieder Leute gegeben hätte, die sich selbst überwinden und oftmals für die Umstände echt wagemutige Aktionen durchführen konnten?

Immer noch gelten Taten mehr als Worte.