LUXEMBURG
MARCO MENG

Aus Big-4 sollen wieder mehr werden - Arthur Andersen meldet sich zurück und streitet sich

Seit 1. März gibt es sie wieder: Die Beratergesellschaft Arthur Andersen. Mit Hauptsitz Paris verfolgt das Beratungsnetzwerk unter Firmierung „Arthur Andersen & Co“ das Ziel, Europa- und weltweit zu expandieren und neue Mitgliedsunternehmen zu gewinnen - unter dem Motto „Legends never die“, wie auf der Unternehmenswebseite zu lesen steht.

26 Niederlassungen in 16 Ländern auf fünf Kontinenten sollen bereits bestehen, wie Arthur Andersen & Co. mitteilt. Laut einem Twitter-Eintrag von Stephane Laffont-Reveilhac, Chef des wiedererstandenen Beratungsnetzwerks, haben bereits mehr als 200 Firmen ihr Interesse bekundet, Mitglied des neuen Netzwerks zu werden.

Rechts- und Steuersachen, Kontenprüfung und -gutachten, Beratung, Transaktionen und vor allem notarielle Dienste werden angeboten - explizit ausgeschlossen ist Wirtschaftsprüfung. Denn darüber stolperte die 1913 in Chicago gegründete Gesellschaft Arthur Andersen einst, die sich beim Bilanzfälschungsskandal des US-Energieriesen Enron eine blutige Nase holte.

Arthur Andersen war damals Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von Enron, verantwortlich, dessen Bilanzen zu prüfen. Die waren aber über Jahre hinweg gefälscht worden mit dem Ergebnis, dass 2002 Enron zusammenbrach, Investoren rund 60 Milliarden US-Dollar verloren und 21.000 Enron-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz und ihre Betriebsrente. Das bedeutete auch den Untergang von Arthur Andersen LLP, eine der damals „Big-Five“-Prüfungsgesellschaften.

Die selbständigen Ländergesellschaften von Arthur Andersen gingen in der Folge mit verschiedenen Wettbewerbern zusammen. So gründeten in Luxemburg ehemalige Partner von Arthur Andersen 2004 die Steuerberatungsfirma Atoz, während Ernst & Young in Luxemburg Arthur Andersen SA übernahm und integrierte.

Gleich zwei neue Firmen mit dem Namen Andersen

Während in Paris Arthur Andersen & Co. (früher Quatre Julliet Maison Blanche) im März an den Start ging, formiert sich in San Francisco Andersen Tax. Einst Teil von Arthur Anderson LLP und dann von HSBC USA übernommen, ist auch Andersen Tax dabei, global zu expandieren auf inzwischen mehr als 64 Standorten weltweit. Auch nach Luxemburg übrigens, wo Andersen Tax die Steuerberatungsfirma Alegis integriert. Sie wird nun den Namen Andersen annehmen. Doch genau dieser „legendäre Name“ sorgt für Streit zwischen den beiden Firmen, die sich als Nachfolger von Arthur Andersen sehen. So klagt vor dem französischen Strafgericht Arthur Andersen & Co gegen Andersen Tax LLC, weil letztere den Markennamen missbräuchlich verwende.

Streit um Namen

Das „Journal“ fragte nach. Wie die Franzosen mitteilen, hätten sie allein die Rechte an Marke, Logo und Slogan „Arthur Andersen“ sowie „Andersen“. Die Franzosen werfen den Amerikanern in einer Stellungnahme zur Klage sogar „organisierten Betrug“ vor. Oscar Alcantara, Managing Director und Associate Counsel von Andersen Tax, meinte per Email aus Chicago hingegen, das Statement von Arthur Andersen & Co sei nichts anderes als ein Versuch, die Aufmerksamkeit von der Tatsache abzulenken, dass die Gruppe, die behauptet, Arthur Andersen & Co zu sein, tatsächlich keine gültigen Rechte auf den Namen besitze. Trotz ihrer Anstrengungen, die Medien und die Öffentlichkeit irrezuführen, indem sie Erklärungen abgäben, die nachweisbar falsch seien, zeige sich diese Gruppe als das, „was sie sind“.

Die Big-4-Beratungsunternehmen (KPMG, EY, Deloitte, PwC) dürften das ganze - bislang vielleicht eher amüsiert - beobachten. Auf Nachfrage gestern, was von dem neuen Akteur - respektive den neuen Akteuren - zu halten sei und ob es bald wieder Big-5 (oder gar Big-Six) heißen werde, gaben sie keinen Kommentar ab.