LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Dokteren vun der Welt“: Sanitäre Lage bei den Obdachlosen verschlechtert sich

Bei der Vorstellung des Jahresberichts der „Médecins du Monde“ führte kein Weg an der Pandemie vorbei. Wie sollte es auch anders sein, sind die Obdachlosen und jene, die nicht vom luxemburgischen Gesundheitssystem erfasst werden, mit am meisten vom Coronavirus bedroht. Auch deshalb unterstreichen die „Dokteren vun der Welt“ erneut, dass eine universelle sanitäre Abdeckung in Luxemburg dringend eingeführt werden soll. Eine erste Lehre der Organisation aus der aktuellen Situation ist, dass dies gut funktionieren könnte, schließlich hätte man bei den Covid-19 Tests auch die Menschen empfangen, die nicht durch eine Krankenversicherung abgedeckt sind, getestet. Dabei trug der Staat die Kosten. Auch die Isolationsmaßnahmen wurden von diesem übernommen.

Besonders verletzlich

Man wurde zudem nicht müde, zu unterstreichen, dass vor allem Obdachlose von der sanitären Krise besonders getroffen wurden. Die asbl der „Médecins du Monde“ hätte sich voll im Kampf gegen Covid-19 engagiert, dies mit dem Ziel, Obdachlose zu beschützen und zu isolieren. Die Betroffenen hätten nicht nur kein Dach über dem Kopf, sondern sind auch nicht krankenversichert, alt und von schweren Krankheiten betroffen. Die Organisation setze sich ein, um die Fortsetzung einer medizinischen Versorgung ermöglichen zu können. Von staatlicher Seite wurde keine Isolation der von Covid-19 betroffenen Personen ermöglicht. Ihnen wurde empfohlen, in den Lokalen der „Wanteraktioun“ auf Findel zu verbleiben, wo laut wissenschaftlicher Studien das Kontaminierungsrisiko bei 84,5 Prozent lag, so die Organisation.
Heute würde man in Zusammenarbeit mit dem Familienministerium für die Unterbringung zweier Personen sorgen. Dies innerhalb von Räumlichkeiten, welche der medizinischen Notlage dieser Person entsprechen. Eine davon leidet an Krebs und ist in Behandlung, während sie in einem Hotel lebt. Die andere Person befindet sich mit Atmungsbeschwerden provisorisch im Haus Omega. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage habe die Ministerin zudem bestätigt, dass beide Personen versorgt werden würden.

Bedarf wird weiter steigen

Im Rahmen der Corona-Krise gehen die „Médecins du Monde“ davon aus, dass die Not und damit der Bedarf für ihre Dienste weiter steigen wird. Unter anderem fordern sie die Einrichtung eines Notfall-Zentrums, wo die Unterbringung eines Obdachlosen über das ganze Jahr hinweg ermöglicht wird. Die bestehenden Strukturen müssten zudem für jene geöffnet werden, die nicht krankenversichert sind.