COLETTE MART

Die Lehrer stehen zurzeit im Mittelpunkt der politischen Debatte, weil die Sparmaßnahmen der Regierung sie betreffen und angeklungen ist, dass ihnen mehr respektive andere Leistungen abverlangt werden sollen. Lehrer mobilisieren das Interesse, denn sie sind für jeden von uns mit Emotionen verbunden. Wer als Kind von einem Lehrer ermutigt respektive entmutigt wurde, trägt positive oder negative Spuren in sich, vielleicht ein Leben lang, so dass der Einfluss der Lehrer auf heranwachsende Menschen nicht unterschätzt werden sollte. Darüber hinaus schließen die meisten Menschen das Kapitel Schule in ihrem Leben eher selten ab, da auch ihre Kinder oder Enkelkinder wieder in die Schule gehen, und eventuelle schulische Misserfolge gerne den Lehrern in die Schuhe geschoben werden.

Auf Lehrer werden also persönliche, manchmal unbewältigte Probleme projiziert, und dies erklärt dann auch den gelegentlichen Populismus einer Debatte, in der die Lehrer im Visier stehen. Auch Lehrer sind vor Projektionen auf Schüler nicht gefeit, so dass Gerechtigkeit und Fairness im Lehrer-Schüler-Verhältnis auch ein Thema ist, das uns alle im Leben begleitete.

Zum Status der Lehrer wäre zu sagen, dass eine Stelle beim luxemburgischen Staat zweifellos zu den sichersten Arbeitsplätzen gehört, dass sich der soziale Graben zwischen dem öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft vertieft, wofür die Lehrer ihrerseits Verständnis haben müssen. Ein Blick auf die Arbeitsbedingungen in der Privatwirtschaft sollte also dazu beitragen, gewisse Forderungen zu relativieren. Während manche den Lehrern gerne nachsagen, sie hätten zahlreiche Privilegien und lange Urlaubszeiten, erinnern andere daran, wie viele Verdienste Lehrer darin haben, junge Menschen auf das Leben vorzubereiten und sie für geistige Werte zu interessieren.

Tatsache ist, dass eine Polarisierung um die Arbeitsbedingungen der Lehrer unsere Gesellschaft nicht weiterbringt. Es gibt in Luxemburg Lehrer- und Staatsbeamtenfamilien genauso wie es Ärzte- und Politikerfamilien gibt. Interessen vererben sich in Familien weiter, auch Charakterzüge oder das Streben nach einem bestimmten Status.

Den Lehrern kommt in der Erziehung von Kindern eine große Bedeutung zu, weil Kinder mehr und mehr den ganzen Tag in Institutionen sind, und Eltern relativ weniger von sich selbst, deshalb aber mehr von den Professionellen der Erziehungsberufe erwarten. In einer Gesellschaft, in der die Erziehung von Kindern also aus der Familie eher ausgelagert wird, empfiehlt sich in der Debatte um die Leistungen der Lehrer, allerdings auch der Erzieher, eine große Sensibilität.

Klischeehafte Vorstellungen vom Lehrerberuf bringen nichts mehr in einer Gesellschaft, in der auch Lehrer gehänselt und Erzieher manchmal von Kindern aggressiv behandelt werden. Lehrern sollte also kein Stempel aufgedrückt werden, sie sollten auch nicht auf einen Sockel gehievt werden, sondern als Berufsgruppe Respekt bekommen für einen Arbeitsrhythmus, der auch durch die Bedürfnisse der Kinder geprägt, historisch gewachsen ist und also Empathie und überlegte politische Entscheidungen verdient.