LUXEMBURG
DANIEL OLY

Einführung in die Forschung des Kosmos aus luxemburgischer Feder

Lehrbücher in der Grundschule sind zäh und theoretisch. Oder nicht? „Die Erde ist mein Raumschiff“ wischt mit dieser Vorstellung eindeutig den Boden auf. Dabei behandelt das Buch, das an Schüler des Cycle 4.2 verteilt wird, nicht gerade einfachen Stoff: Das Weltall, Atome, den Urknall, die Erdanziehungskraft, Lichtgeschwindigkeit oder die kosmische Hintergrundstrahlung sind wohl eher keine Themen für eine leichte Abendlektüre. Trotzdem gelingt es dem Buch, diese wissenschaftlichen Themen nicht nur interessant, sondern auch verständlich umzusetzen.

Das wundert nicht: Das Buch stammt aus der Feder eines Wissenschaftlers, der weiß, worüber er schreibt. Jean-Luc Lehners ist der Leiter der Arbeitsgruppe „Theoretische Kosmologie“ am Max-Planck Institut für Gravitationsphysik. Dass der luxemburgische Forscher ein Schulbuch schrieb, kam aber nicht von ungefähr: „Die Idee dazu ist im Rahmen eines Vortrags und Gespräches mit Myriam Schmit von msdesign entstanden“, erklärt Lehners im Gespräch. „Sie hat mir vorgeschlagen, ein speziell für Kinder und Jugendliche angedachtes Buch zu schreiben.“ Die fixe Idee: „Die Erde ist mein Raumschiff“ sollte eine kurze Einführung in die Weltraumforschung sein, die Lust auf mehr macht.

Fakten pur

Die Idee sei so 2010 entstanden, seitdem habe er regelmäßig an dem Buch getüftelt - neben der eigentlichen Forschungsarbeit, sodass das Buch auch mal hintan stehen musste. „Das war nicht so einfach und auch in mehrere Etappen aufgeteilt“, weiß er. So habe etwa bereits 2011 eine erste Version existiert. „Ich habe das Werk aber zwischenzeitlich mehrfach überarbeitet, nachgebessert und ausgebaut.“

Das hat auch Vorteile: Durch die lange Entstehungsarbeit konnte Neues aus der Wissenschaft mit in das Buch einfließen, das ansonsten wegen zu sehr spekulativen Aspekten ausgelassen werden müsste. Ein Beispiel sei das Kapitel zu den Exoplaneten. „Diese sind inzwischen besser erforscht, daher können wir sie aufnehmen“, erklärt Lehners. Seine Maxime sei nämlich von vornherein gewesen, nur wirklich sichere Wissenschaft im Buch zu erklären. „Nur als gesichert geltende Fakten und keine Spekulation“, betont er. „Nur das, was sich beobachten und verifizieren lässt.“ Das sei wichtig, weil die Inhalte im Buch ansonsten recht schnell überholt sein können. Das bedeutet aber auch: „Keine erfundenen Geschichten oder künstlich erschaffene Bilder“, meint Lehners. Stattdessen setzt das Buch nur auf Illustrationen der NASA und der ESA.

Geschadet hat das nicht: Das Buch sieht hervorragend aus und lädt zum Lesen ein. „Die Idee war ganz konkret, ein handliches Buch in möglichst verständlicher Sprache zu schaffen, das leicht zugänglich ist und dazu einlädt, sich mehr mit den Wissenschaften zu begeistern“, erklärt Lehners. Bei dem Schaffungsprozess habe er auch völlig freie Hand gehabt. „Wir haben zwar eng mit dem Design zusammen gearbeitet, aber als es darum ging, es zu illustrieren, gab es keine Schererei - die Arbeit war einfach direkt gut, alles hat gepasst“, weiß er.

Jetzt steckt der Text in einem Lehrbuch für die Grundschule. Mission erfüllt? „Auf jeden Fall. Wir müssen zwar noch schauen, ob es auch wirklich so ankommt, wie es gedacht ist, aber ich bin zuversichtlich“, meint der Wissenschaftler. Wichtig sei dabei vor allem, dass die anvisierte Altersgruppe von zirka zehn bis elf Jahre alten Kindern und Jugendlichen damit direkter über die Wissenschaft nachdenkt und damit konfrontiert wird. „Das Ziel ist eindeutig, die vielen Fragen, die normalerweise im Kopf von Kindern herum schwirren, ein wenig zu beantworten und sie zu neuen Fragen anzuregen“, sagt er. Die Jugend insgesamt stärker für die Wissenschaften zu begeistern - das nütze letztendlich uns allen. „Wenn die Kinder erst einmal anfangen, sich für die Wissenschaft zu begeistern, sich Fragen zu stellen und sich für Dinge zu interessieren, dann hört das auch nicht mehr so leicht auf“, weiß er aus Erfahrung.

Das Bildungsministerium habe ihm auch viele Freiheiten gelassen. „Darüber bin ich sehr froh - und natürlich darüber, dass sie mir die Chance gegeben haben und daran interessiert waren, das Buch ins Programm aufzunehmen“, meint Lehners. Außerdem wurde das Buch vorab mit dem Lehrpersonal besprochen, die auch wichtiges Feedback - besonders sprachliches Feedback - abgeben konnten. „Große Veränderungen gab es keine, aber es war dennoch vorteilhaft“, meint er. Insgesamt sei es hervorragend, dass ein solches Buch es in die Schulen schaffen kann. „Das begeistert Schüler möglichst früh für die Wissenschaften, das ist das Wichtigste.“