LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Covid-19-Neuinfektionen steigen im Wochenvergleich - aber weniger stark als befürchtet

Die Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind im Verlauf der vergangenen Woche gestiegen. Stellt man diese Zahl jedoch ins Verhältnis zu den durchgeführten Tests, ist der Anstieg aber weniger besorgniserregend als befürchtet werden konnte. Die Positivitätsrate sei im Wochenvergleich „nach wie vor stabil“ und stieg von 0,86 auf 1,08, erklärte Gesundheitsministerin Paulette Lenert gestern gegenüber der Presse. In absoluten Zahlen wurden über die letzten Tage 684 Neuinfektionen festgestellt. In der Woche zuvor waren es noch 402. Die Zahl der Tests stieg indes von rund 65.000 auf  94.000. Das Durchschnittsalter der positiv Getesteten blieb mit 35,5 Jahren fast unverändert. Die Neueinweisungen in den Krankenhäusern ging in der vorigen Woche leicht auf 34 runter. Auf den Intensivstationen war es umgekehrt, doch die Zahl bleibt mit etwa fünf niedrig. Das Durchschnittsalter  der Patienten liegt mit 57 Jahren weit unter den Werten der ersten Welle.

Es bleibt weiter dabei, dass die meisten täglich gemeldeten Neuinfektionen auf Tests von Personen mit Symptomen zurückgehen (63 Prozent).  Die Tests des „Large Scaling Testing“ (LST) machen zwar 76 zent des gesamten Testvolumens aus. Hierbei wurden indes „nur“ 13 Prozent an Infektionen mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Allerdings konnten für jeden, der nach einem Test in den Drive-In-Stationen einen positiven Bescheid erhielt, durch die Kontaktnachverfolgung im Durchschnitt zwei bis drei weitere Fälle ermittelt werden. Zudem befänden sich 44 Prozent der Neuinfizierten bereits in Quarantäne, gab Lenert zu bedenken. In der Abteilung der Gesundheitsinspektion kontaktieren derzeit 85 Mitarbeiter die Kontaktpersonen von Corona-Positiven. Doch ob das „Contact Tracing“ an seine Grenzen stößt, hänge von der Anzahl der Kontakte ab, die mit jeder Neuinfektion einhergehen. Eine aktualisierte Kapazitätsobergrenze nannte Lenert daher nicht. Der „Plan B“ der Regierung neben einer kontinuierlichen Anpassung der personellen Ressourcen besteht darin, gegebenenfalls positiv Infizierte anzuweisen, eigenständig ihre Kontaktpersonen in Kenntnis zu setzen.

„Relativ überschaubar“

Nach Angaben der LSAP-Ministerin gibt es derzeit 33 Infektionsherde im Land, 12 in Schulen (ohne dass dafür notwendigerweise die Ansteckung in der Klasse erfolgte), 5 im Bereich Pflege/Gesundheit, 6 im Bau, 3 im Horeca-Sektor und weitere vereinzelte in anderen Kontexten. Das größte Cluster betrifft 16 Personen. Hauptursache für die Übertragung sei weiterhin, dass die Barrieregesten nicht eingehalten werden. In 25 Prozent der Fälle  könne die Infektion auf den Austausch in der Familie zurückgeführt werden. Insgesamt seien die Infektionsherde  „relativ überschaubar“. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass der Großteil der Neuinfektionen diffus verläuft. Als Cluster gilt, wenn sich mindestens drei Personen länger als eine Woche an einem Ort aufhalten.

Covid-Gesetz im Eilverfahren

Vom am Freitag eingerichteten System für Urlauber, die einen negativen Testbescheid brauchen, um verreisen zu können, haben derweil bereits Tausende Menschen Gebrauch gemacht. 3.000 Anfragen würden derzeit noch bearbeitet, 1.388 Codes zur Testvereinbarung wurden herausgegeben. In rund 820 Fällen wurde die Anfrage abgelehnt, sei es, weil es sich um Länder handelt, für die kein Test erforderlich ist oder weil die Anfrage unvollständig war. Lenert räumte allerdings ein, dass es nicht möglich sein werde, jeder Anfrage gerecht zu werden: Reisende müssten in dem Fall zusehen, dass sie anderweitig an einen Test kommen.

Die LSAP-Ministerin stieß angesichts der Entwicklung der Pandemie in Luxemburg vorsichtig optimistische Töne an. Es entspreche einer „realistischen Einschätzung“, dass sich die Kurve der Infektionszahlen jetzt abflache. Dabei soll auch das neue Covid-Folgegesetz  helfen, über das das Parlament bereits heute Nachmittag abstimmen soll. Eine halbe Stunde nach der Veröffentlichung haben die Deputierten gestern das Gutachten des Staatsrats ausgewertet. Heute Morgen soll der Bericht angenommen und die neuen Maßnahmen dann voraussichtlich am Samstag in Kraft treten.

Elf bekannte Fälle in Alten- und Pflegeheimen

In Alten- und Pflegeheimen sind derweil nach Angaben von Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen (DP) zum heutigen Stand elf bestätigte Infektionsfälle bekannt. Davon entfallen neun auf eine Einrichtung für Demenzkranke. 13 Mitarbeiter sind in Quarantäne. Die beiden anderen Ansteckungen seien wohl anlässlich eines Aufenthalts im Krankenhaus erfolgt. Bei Pflegebedürftigen, die zuhause leben, sind sechs positive Covid-Fälle bekannt. Mit Ausnahme der genannten Struktur für Demenzkranke sind derzeit noch in allen Altenheimen Besuche möglich - auch in den Zimmern der Bewohner. So liest sich die Zusammenfassung der gestrigen Ausschusssitzung.

In Einrichtungen für Menschen mit einem Handicap befinden sich derzeit zwei Bewohner in Quarantäne. Auch hier sind Besuche möglich, so lange, wie die spezifischen Hygienebedingungen eingehalten werden. Aktivitäten finden ebenfalls wieder statt. Auch die Tageszentren und Arbeitsstrukturen - man denkt an geschützte Werkstätten - haben wieder geöffnet, letztere allerdings mit einer reduzierten Kapazität.