LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Als Ersatz für das Josy-Barthel-Stadion erhält das Nationale Sportzentrum ein Stadion

Stadion Josy Barthel, die Zweite. Schon länger steht fest, dass die Fußballer das marode Stadion an der Arloner Straße irgendwann in den nächsten Jahren in Richtung Kockelscheuer verlassen werden. Die Planungen und Genehmigungsverfahren für das neue Fußball- und Rugby-Stadion zwischen Kockelscheuer und Clôche d’Or laufen auf Hochtouren. Vernachlässigt fühlten sich in der ganzen Debatte rund um den Ball die Leichtathleten. Wo sollten sie in Zukunft laufen, springen oder werfen, wenn der Bagger dem Josy-Barthel-Stadion irgendwann ein Ende bereiten wird?

Seit gestern liegt die Lösung vor. Gemeinsam präsentierten Sportminister Romain Schneider und Infrastrukturminister Francois Bausch Pläne zum Ausbau des nationalen Sportinstituts (INS) auf dem Plateau von Luxemburg-Fetschenhof. Das an der Ostflanke des Geländes liegende kombinierte Leichtathletik- und Fußballstadion wird zu einem reinen „Field & Track“ Stadion ausgebaut.

Quasi gleichzeitig erhält das auf dem Gelände des INS angesiedelte Sportlyzeum eine zweite Sporthalle. Laut Sportminister Schneider ergeben sich durch den Bau der beiden Anlagen Synergien für INS, Sportlyzeum und nationalen Sport. Für den Sportminister geht das Projekt „in die richtige Richtung“.

Die Reihenfolge der Arbeiten wird sich so gestalten dass die bisherigen Schulcontainer abgetragen und nach Esch-Belval verlegt werden. Dort werden sie einer Sonderschule zur Verfügung gestellt, deren eigentliches Gebäude seit dem Abrutschen einer Bauschuttdeponie zwischen Monnerich und Esch unbenutzbar ist.

Nach dem Abtransport der Container wird an dieser Stelle, links neben der Haupteinfahrt des INS, die neue, 33 x 18 Meter große zweite Sporthalle errichtet werden. Die sanitären Anlagen und Umkleideräume, die in der Halle entstehen, stehen später auch für die Teilnehmer an Leichtathletikwettkämpfen zur Verfügung.

Infrastrukturminister Bausch geht davon aus, dass die notwendigen Genehmigungsverfahren innerhalb eines und die Bauarbeiten binnen eines weiteren Jahres abgeschlossen sind. Konkret: Fertigstellung im Laufe des Jahres 2018. Der Chef der Bauverwaltung, Jean Leyder, nannte den Zeitplan „sportlich“.

Die Kosten liegen nach Aussage von Minister Bausch bei fünf Millionen Euro für die Sporthalle und bei knapp sechs Millionen Euro für den Umbau des Stadions.

Das Bauprogramm des Stadions sieht den Bau einer überdachten Tribüne mit 444 Sitzplätzen, Sanitäranlagen, einem Ausschank und diversen Büros und Technikräumen vor. Das Dach wird aus einer Photovoltaikanlage bestehen und Strom für dreißig Haushalte produzieren.

Internationaler Standard?

Die Tartanbahn wird mit nur sechs Laufbahnen erneuert. Vor der Tribüne wird eine achtbahnige Sprintstrecke über 100 Meter Länge eingerichtet. Auf Nachfrage hin wurde von Sportminister Schneider und von Leichtathletikpräsident Claude Haagen betont, dass das Stadion auch mit nur sechs Laufbahnen weitgehend internationalen Vorschriften entspricht und für 95 Prozent aller Wettbewerbe genützt werden kann. Nach offiziellen Angaben reicht der Platz nicht aus um die ansonsten üblichen acht Laufbahnen anzulegen.

Für alle anderen Leichtathletik-Sportarten, von Diskuswerfen bis zum Stabhochsprung werden eigene Wettkampfflächen zur Verfügung stehen.

Auf Nachfrage hin erläuterte die für Infrastruktur der Stadt Luxemburg zuständige Schöffin, Simone Beissel, dass man noch keine konkreten Pläne für das Gelände des Josy-Barthel-Stadions habe. Zusammen mit den ebenfalls frei werdenden Grundstücken der Feuerwache (Umzug an den Kreisel Gluck) und des Stadtreinigungsamtes (mögliche Verlegung nach Merl) verfüge man über eine so große Fläche, dass man dort quasi ein neues Stadtviertel errichten könne, so Beissel.