ELLANGE
CORDELIA CHATON

xFKin3D S.A. schlägt gemeinsames Projekt für die Automobilindustrie vor

In letzter Zeit geben sich die Besucher im Gewerbegebiet in Ellange die Klinke in die Hand. Erst war eine Delegation des Wirtschaftsministeriums da, dann die Handelskammer und gestern nun Wirtschaftsminister Franz Fayot persönlich in Begleitung von Marc Serres, Direktor der Luxembourg Space Agency (LSA). Dafür gibt es einen guten Grund. Sie alle kommen zu Gradel, um sich Ultraleichtbau anzusehen. Claude Maack, Generaldirektor von Gradel, hat gemeinsam mit Rainer Kurek, einem Experten für Leichtbau im Automobilbereich, das Unternehmen xFKin3D S.A. gegründet, das sich ausschließlich dem ganzheitlichen Leichtbau widmet. In einem weiteren, neu gegründeten Unternehmen, der GRADEL ULW sàrl, ist ein Neubau geplant, um Ultraleichtbauteile zu produzieren. Das sind gute Nachrichten in Zeiten, in denen viele Unternehmen mit der Insolvenz und Kurzarbeit kämpfen.

Will Luxemburg Vorreiter sein?

Maack geht aber noch einen Schritt weiter: Er schlägt eine Initiative für Ultraleichtbau im Automobilbereich vor. Dabei könnten mehrere Unternehmen zusammen arbeiten. In Luxemburg gibt es bereits den Automotive Cluster von Luxinnovation sowie die ILEA. Maack arbeitet mit der staatlichen Innovationsagentur bereits zusammen. „Die Frage ist, ob Luxemburg hier Vorreiter sein will“, sagt er. Die Krise biete gerade hier eine einmalige Chance. „Zur Zeit hat so ziemlich jeder Hersteller den Trend verpasst. Die Hersteller sind am Ende, was die Gewichtsreduzierung angeht. Man muss das Auto neu denken und auf einem weißen Blatt neu beginnen.“ Viele hätten diesen Trend erkannt, scheiterten aber an der Umsetzung, weil das Wissen in der Tiefe von einem ganzheitlichen System fehlt.
Maack hat schon mal mit Kurek angefangen und die schnittige Studie „Dea“ entworfen. Statt 1.500 kg wiegt sie nur 900 kg. Wenn es nach den Erfindern geht, steht sie kommendes Jahr in Form eines Modells auf der Weltausstellung in Dubai im Luxemburger Pavillon. „Autos sind schließlich hochemotionelle Produkte“, unterstreicht Maack. Seine Hoffnung: Dass sich die Regierung Ultraleichtbau auf die Fahnen schreibt. „Schließlich ist das ein Milliardenmarkt der uns noch Jahrzehnte lang beschäftigen wird.“ Den will er nicht verpassen. Maack hat in Business-Plänen schon genau ausgerechnet, wie die Entwicklung laufen könnte.

Mit Innovationen und Anpassungen kennt er sich aus. Das 1965 gegründete Unternehmen war zunächst im Markt der Reinigung und des Abbaus von Kernkraftwerken aktiv, bis der 2011 nach Fukushima einbrach. Gradel setzte auf Ingenieurslösungen für den Weltraumbereich und arbeitet seither erfolgreich mit der Europäischen Weltraumbehörde sowie allen großen Satellitenbauern zusammen. Für Airbus entstehen maßgefertigte Satellitentrolleys. Weitere Kunden sind Unternehmen der Glasindustrie, für die Gradel Sonderanfertigungen produziert. Das Unternehmen beschäftigt derzeit 60 Mitarbeiter und setzte 2019 rund 10,8 Millionen Euro um. Diese Zahlen sollen steigen. Maack, der immer wieder auf Marktumbrüche reagieren muss, ist so vom Ultraleichtbau überzeugt, dass er Fremdinvestoren aufnehmen will, um zukünftiges Wachstum zu finanzieren.

Besonders stolz ist er auf einen Roboter, der unterschiedliche Fasern von Basalt über Rayon bis Flachs und Karbon mit Harz beschichten und daraus Formen wickeln kann. Die zarten Gebilde halten mehrere Tonnen aus.

„Seit wir den Roboter haben, kontaktieren uns viele Unternehmen, unter anderem Airbus“, freut sich Maack. „Denn die Industrialisierung in diesem Bereich fehlt.“ Ein neuer potentieller Kunde ist Rocket Factory Augsburg. Das Start-up hat sich Weltraumflüge zu erschwinglichen Preisen auf die Fahne geschrieben und ist sehr interessiert an hoch innovativem, bezahlbarem Ultraleichtbau. „In dieser Rakete müssen unsere Teile unbedingt mitfliegen, um erste Teile zu haben, die im All geflogen sind; ein sehr wichtiger Meilenstein, um Bedenkenträgern und Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.“

Maack berichtet von Projekten mit der RWTH Aachen, anstehenden Patenten, bei denen Luxinnovation hilfreich ist und Problemen bei der Beantragung von Hilfsmitteln. Fayot macht sich Notizen und verspricht Unterstützung. Nicht ausgeschlossen, dass er bald wiederkommt. Beispielsweise, wenn das neue Gebäude steht, das übrigens dank Nanoteilchen in selbst gewickelten Fassendabdeckungen nachts leuchten soll.