GREVENMACHER
CORDELIA CHATON

Automobilzulieferer entwickelt gewichtsreduzierte Windschutzscheibe - Einsatz für an der Universität Trier entwickelten Prototyp mit E-Antrieb - auch andere Hersteller interessiert

Der Grevenmacher Automobilzulieferer Carlex hat eine besonders leichte Windschutzscheibe entwickelt, die gestern erstmals vorgestellt wurde. Damit verbunden war eine offizielle Übergabe an Prof. Hartmut Zoppke von der Hochschule Trier, der mit seinen Studenten an einem besonders leichten Stadtfahrzeug arbeitet, das mit einem E-Antrieb läuft. Damit die Batterie möglichst lange reicht, ist es wichtig, dass das Fahrzeug (siehe Kasten) wenig wiegt. Zur Zeit läuft die Zertifizierung der Scheibe in den USA. „Wir hoffen, dass wir sie Ende 2020 einbauen können“, sagte Prof. Zoppke. Neben ihm sind bereits auch andere Hersteller wie beispielsweise Lamborghini an der ultraleichten Windschutzscheibe interessiert. Denn alle Hersteller, die E-Modelle fertigen, stehen vor der Herausforderung, dass sie entweder große Akkus brauchen oder das Auto besonders leicht fertigen müssen - immer unter Einhaltung geltender Auflagen.

Carlex hat eine Scheibe entwickelt, die 2,6 mm Dicke und ein Gewicht pro Quadratmeter von 5,4 kg aufweist. Zum Vergleich: Herkömmliche Scheiben kommen auf 10,1 kg pro Quadratmeter. Die Scheibe besteht - wie branchenüblich - aus so genanntem Verbundglas, das heißt, es werden zwei verschiedene Scheiben mit einer Folie dazwischen zusammengefügt. Die Herausforderung liegt darin, die Steifigkeit ebenso wie die akustischen Eigenschaften zu sichern.

Zur Zusammenarbeit zwischen Carlex und der Hochschule Trier war es vor rund drei Jahren gekommen. Damals las Tobias Hinterwimmer in der Trierer Tagespresse vom Projekt der Hochschule, ein besonders leichtes Stadtfahrzeug für vier Personen herzustellen. Als Qualitätsmanager bei Carlex kam Hinterwimmer die Idee, dass eine ultraleichte Windschutzscheibe dafür nützlich sein könnte. Er kontaktierte die Hochschule. Nach über 60 getesteten Glasaufbauten sowie Tests zur Impaktbeständigkeit, Reinigungsfähigkeit und weiteren Aspekten stand das gestern präsentierte Produkt. Jetzt sind beide stolz auf den Prototyp der leichtesten Windschutzscheibe weltweit.

Carlex Grevenmacher hat bereits seit 2016 Erfahrung mit Leichtbauverglasung für Kraftfahrzeuge. „Eine besondere Herausforderung war die Heizfunktion der Scheibe“, erklärt Hinterwimmer. Schließlich ließe sich bei einem E-Antrieb keine Restwärme des Motors für Enteisungs- oder Abtaufunktionen nutzen. Außerdem müsse ein Beschlagen verhindert werden. Carlex gelang es, eine Drahtheizung in die Scheibe einzubauen. Die neue Windschutzscheibe wird in Grevenmacher gebogen und laminiert. Im Werk mit rund 600 Mitarbeitern werden sowohl Front- als auch Heckscheiben für Automobilhersteller gefertigt.

Ultraleichte Scheiben werden angesichts des politischen Drucks auf die Automobilindustrie, E-Antriebsfahrzeuge herzustellen, auch von anderen Autoproduzenten nachgefragt. „Uns war schnell klar, das wir mitmachen wollen“, berichtet Holger Müller, Leiter des Programm-Managements bei Carlex. Allerdings sind ultraleichte Scheiben nicht unbegrenzt einsetzbar. Carlex geht davon aus, dass bei Fahrzeugen mit solchen Scheiben eine Geschwindigkeit von 200 km/h nicht überschritten werden sollte.