LUXEMBURG
FRÉDÉRIC HAUPERT

Silence“ überschriebenen Bericht veröffentlicht. Darin aufgeführt: jene humanitären Krisen, die im Jahr 2018 am wenigsten öffentliche Berichterstattung erfuhren.

„Es gibt einen Ort auf der Welt, an dem durchschnittlich 2.700 Menschen pro Tag ihre Heimat verlassen müssen. Es gibt ein Land, in dem die Hälfte aller Kinder chronisch Hunger leidet. Kennen Sie diese Orte? Wenn Sie diese Frage mit ‚Nein‘ beantworten, dann sind Sie damit nicht allein.

Im Zeitalter der sozialen Medien und der 24-stündigen Verfügbarkeit von Nachrichten sind Informationen aus aller Welt zugänglich wie nie zuvor. In dem Glauben daran, dass wir informiert sind, wird das was wir über Zeitungen, das Internet oder das Radio konsumieren zu unserer Realität.

Die traurige Wahrheit sieht jedoch anders aus. Im Jahr 2018 gab es weltweit über 132 Millionen Menschen, deren Leben von Krisen und Katastrophen bedroht waren – unabhängig davon, ob wir davon gehört haben oder eben nicht. Unzählige Menschen, die von humanitären Krisen betroffen sind, leiden im Stillen, abseits der öffentlichen Wahrnehmung.

Die Hilfsorganisation CARE veröffentlicht in diesen Tagen ihren dritten weltweiten Bericht ,Suffering in Silence‘. Dieser analysiert jene zehn humanitären Tragödien, in denen 2018 mehr als eine Million Menschen Hilfe brauchten und die gleichzeitig in der Öffentlichkeit kaum beachtet wurden.

Trauriger Spitzenreiter der am meisten vernachlässigten humanitären Notlagen war dabei Haiti. 2,8 Millionen Menschen sind dringend auf Hilfe angewiesen, 22 Prozent der Kinder sind chronisch unterernährt. Doch während das Land nach dem schrecklichen Erdbeben 2010 sehr präsent in den Medien war, wurden 2018 weltweit nur etwas über 500 Artikel über die Not in Haiti veröffentlicht. Die Ursache der Not ist vielschichtig und damit nur schwer in einer kurzen Meldung zu verpacken: Schlechte Regierungsführung, Instabilität und der Klimawandel schenken sich nichts in ihrer desaströsen Wirkung auf die Ernährung der Kleinsten und Schwächsten.

Ein Land brachte es gleich mit zwei separaten Krisen in die ruhmlose Top Ten: Weder die vom Klimawandel verursachte Dürrekrise, noch die durch einen gewaltsamen Konflikt verursachte Fluchtkatastrophe erfuhren eine adäquate Berichterstattung. Während in der Demokratischen Republik Kongo 4,3 Millionen Kinder durch Hunger bedroht sind, belegt das Land Platz vier, der am wenigsten beachteten Krisen.

In fast allen Krisen, die der CARE-Bericht aufgreift, spielten die Auswirkungen des Klimawandels eine zentrale Rolle. Und in ebenso vielen Krisen sehen wir auch eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Journalisten. Ihnen wird immer öfter die Einreise verwehrt und sie schweben in ständiger Gefahr vor Übergriffen. Gleichzeitig schrumpfen in den Medienhäusern die Budgets, mit denen fundierte Reportagen finanziert werden können.

Das unermessliche Leid der Schwächsten ist real, ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht. Nur wenn wir dieses stille Leiden in Kriegen, Naturkatastrophen und chronischen Krisen nicht weiter vernachlässigen, können wir etwas dagegen unternehmen. Die Menschen in Not haben unsere Beachtung verdient.“

Weitere Informationen zu humanitären Krisen stellt CARE in seinem Newsletter zur Verfügung. Anmeldung unter: www.care.lu