LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Catia Biel hilft regelmäßig auf dem Bauernhof ihrer Eltern aus

Catia Biel studiert Kunstgeschichte, doch ihre Leidenschaft gilt der Landwirtschaft. Auf einem Bauernhof aufgewachsen und in der Landjugend tätig, setzt die 22-Jährige sich dafür ein, landwirtschaftlichen Berufen eine Plattform zu geben. Im Interview verrät sie, wie sie sich genau engagiert.

Inwiefern bist Du in der Landwirtschaft tätig?

Catia Biel Meine Familie betreibt seit Generationen einen Bauernhof. Ich bin also mit dem Thema Landwirtschaft groß geworden und bin nebenbei bei der Landjugend tätig. Das mittlerweile zwar etwas weniger, da ich im Ausland studiere, aber den Kontakt zu den Leuten habe ich selbstverständlich aufrecht erhalten und ich versuche mich so oft wie möglich zu engagieren. Das Coole an der Landjugend ist, dass man dort unter Gleichgesinnten ist. Da sind auch tatsächlich nicht nur Bauern aktive Mitglieder, sondern auch Leute, die sich schlichtweg für das Thema interessieren. Ich helfe aber auch zuhause auf dem Hof aus, wenn jemand gebraucht wird.

Welche Tiere habt ihr auf eurem Hof?

Catia Der Fokus auf unserem Hof liegt auf den Milchkühen. Die müssen morgens und abends gemolken und gefüttert werden. Wenn ich aushelfe, dann meistens beim Kühemelken. Jetzt gerade haben wir auch wieder Kälber, weil wir die Tiere selbst züchten. Demnach haben wir auch Stiere, die wir allerdings nur für uns halten. Genauso ist es mit den Hühnern, deren Eier ausschließlich für den Eigenbedarf sind. Dann spielt bei uns auch der Ackerbau eine Rolle. Hier gehen wir jedoch auch so vor, dass nur so viel angepflanzt wird, dass wir selbst damit über die Runden kommen.

Wie muss man sich das heutige Kühemelken vorstellen?

Catia Es ist eine Mischung aus Hand- und maschineller Arbeit. Die Maschinen werden per Hand angebracht und selbstverständlich gesäubert, genauso wie auch die Euter und Zitzen der Kühe erst gründlich gecheckt werden, um zu schauen, dass keine Entzündungen vorhanden sind, immerhin wollen wir dem Tier nicht wehtun. Dann muss immer abgeklärt werden, welche Kühe nicht gemelkt werden dürfen. Was für Nicht-Bauern vielleicht witzig zu erfahren ist, ist, dass es tatsächlich nicht unbedingt so sein muss, dass eine Kuh vier Zitzen hat. Es gibt schon mal Fälle, wo nur drei Zitzen vorhanden sind, oder fünf wovon eine keine Milch abgibt. Während des Vorgangs ist es wichtig, im Auge zu behalten, ob jede Kuh genug Milch abgibt und dass die ganze Milch gegeben wurde. Sollte dies nämlich nicht der Fall sein, können die Tiere erkranken oder Entzündungen bekommen. Daher müssen die Zitzen nach dem Melken auch noch desinfiziert werden, um dieses Risiko zu umgehen. Wir melken also schon irgendwie per Hand, aber nicht mehr so wie früher, dass wir den Eimer unter dem Euter platzieren.

Was fasziniert Dich besonders an der Landwirtschaft?

Catia Was mich daran fasziniert, ist, dass wir uns selbst ernähren können und wir wegen dieses Lebensstils einen enormen familiären Zusammenhalt haben. Mein Bruder nutzt zum Beispiel jede freie Minute, um auszuhelfen. Das ist eine Familiendynamik, die es, denke ich, nicht oft im städtischen Leben gibt. Und wie bereits gesagt, ist es ein schönes Gefühl zu wissen, wo das Essen herkommt. Es hat einfach nicht jeder die Möglichkeit sein Gemüse selbst anzupflanzen. Aber auch beim Fleisch, wenn es auch vielleicht für einige brutal klingen mag, ist es Luxus zu wissen, welches Leben ein Stier geführt hat. Ich weiß es ist ein extrem umstrittenes Thema, besonders heute, aber dennoch ist es wichtig hier zu sensibilisieren. Wenn ich zuhause Fleisch esse, weiß ich, was ein Stier gegessen hat, dass er viel Freiraum hatte, während Leute, die ihr Fleisch im Supermarkt kaufen, zwar davon ausgehen, aber oft keine wirkliche Gewissheit haben.

Auch wenn Du Kunst studierst, könntest Du Dir trotzdem vorstellen, den Hof einmal zu übernehmen?

Catia Bei uns war eigentlich schnell klar, dass mein Bruder den Hof einmal führen wird, was aber nicht bedeutet, dass ich von der Idee abgeneigt bin. Ich würde mich aber wahrscheinlich nicht trauen, einen Hof zu übernehmen, weil da einfach sehr viel dahinter steckt, was ich in einem Kunststudium nicht lerne. Es reicht ja nicht, die Kühe zu melken. Man muss sich um die Buchhaltung kümmern, Berechnungen machen, seine Felder deklarieren und so viel mehr. Ich liebe die Arbeit auf dem Hof und werde sicher weiterhin aushelfen, aber mein Ziel bleibt erst einmal Kunstlehrerin zu werden. Und dennoch merke ich immer wieder, dass selbst meine Projekte an der Uni um die Themen Bauernhof und Landwirtschaft kreisen, weil diese Bereiche leider zu wenig geschätzt werden. Diesen Berufen eine Plattform zu bieten, bleibt also immer eines meiner größten Anliegen.

Hast Du als junge Landwirtin oft mit Vorurteilen zu tun?

Catia Es hängt ehrlich gesagt immer davon ab, wo ich mich befinde. Wenn ich meinen Bruder als Beispiel nehme, der von Anfang an wusste, dass er den Hof übernehmen möchte: Da besucht man die Ackerbauschule und ist nur unter Gleichgesinnten. Was für mich jetzt noch manchmal komisch ist, ist wenn Leute an den Wochenenden etwas unternehmen wollen und ich erklären muss, dass ich vielleicht etwas eher aufbreche, um auf dem Hof zu helfen. Als ich jünger war traf ich da nicht unbedingt immer auf Verständnis. Mittlerweile geht es und ich habe meinen Freundeskreis, der Bescheid weiß, versteht, wenn ich mal keine Zeit habe und verstanden hat, dass Landwirt ein ehrbarer Beruf ist. Es ist aber auch so, dass es Kreise gibt, in denen ich mich einfach nicht wohlfühle, weil eben dieses Verständnis nicht vorhanden ist.

Wie glaubst Du könnte man erreichen, dass mehr Leute sich für das Thema Landwirtschaft interessieren?

Catia Ich glaube, dass es nicht am Interesse, sondern an der nötigen Aufklärung fehlt. Deshalb wurden beispielsweise Facebook-Gruppen wie „Fro de Bauer“ gegründet, wo Leute alles fragen können, was ihnen zum landwirtschaftlichen Bereich auf der Seele brennt und eine für jeden verständliche Antwort erhalten. Bauern ist ja auch daran gelegen, dass ihr Handwerk verstanden wird. Vor allem junge Bauern lassen sich gerne in ihre Arbeit blicken und leisten Sensibilisierungsarbeit. Dann gibt es noch den Landjugendtag, der jährlich organisiert wird und an dem auch jedes Mal richtig viele Leute teilnehmen. Mein Rat ist: Wer interessiert ist, soll sich einen Bauernhof anschauen gehen. Viele haben das Bild der amerikanischen Massentierhaltung im Kopf und wären wahrscheinlich positiv überrascht, wenn sie einmal Einblick in einen luxemburgischen Hof bekommen.