LUXEMBURG
MARCO MENG

Zehn Bananen – oder doch lieber eine Magnesiumtablette?

Besondere Ernährung für Sportler ist nichts Neues. Allerdings sind die Möglichkeiten heute größer denn je - mit Tabletten, Kapseln oder Pulver. Am bekanntesten ist es beim Bodybuilding, wo manch einer möglichst schnell möglichst viel Muskelmasse aufbauen will. Wie Arnold Schwarzenegger einmal gesagt haben soll: Nur trainieren ohne die entsprechende Nahrung wäre so wie einen Acker zu pflügen ohne ihn zu düngen.

PM-International gratulierte 2014 zu 33 Medaillen bei den Winterspielen – ihre FitLine-Produkte stehen eigenen Angaben nach im Nationenranking auf Platz 2 der Welt hinter Russland. Viele Sportler, vor allem aus dem Hochleistungsbereich, schwören inzwischen auf Nahrungsergänzungsmittel, beispielsweise weil sie beim American Football Schnellkraft über die gesamte Spieldauer konstant abrufen können oder nach einer harten Trainingseinheit am nächsten Tag keinen Muskelkater haben. Bekannt ist, dass Boxer oder Ringer meist vor Wettkämpfen ihr Gewicht reduzieren, gleichzeitig aber ihre Muskelkraft stärken müssen. Was liegt da näher als den Körper mit Vitaminen und Spurenelementen über Nahrungsergänzungsmittel zu versorgen? Bessere Konzentration, kürzere Regenerationszeit, mehr Power - das versprechen viele Fitnessprodukte.

„Nahrungsergänzungsmittel und Sportnahrung finden nicht nur Anwendung im Kraft- und Fitnessbereich. Sie werden von Ausdauersportlern, Freizeitsportlern und figurbewussten Menschen konsumiert“, erklärt Jerry Blau, der in Düdelingen und Howald Tonic Food betreibt und hier verschiedenste Nahrungsergänzungsmittel vor allem für Sportler anbietet. „Sie werden eingesetzt, um einen erhöhten Bedarf an Kohlenhydraten, Eiweiß, Vitaminen, Mineralien, Elektrolyten und so weiter zu decken.“ Laut Blau verwenden die Sportler unterschiedliche Produkte aus unterschiedlichen Gründen: Ausdauersportler verwendeten vor allem isotonische Getränke, kohlenhydrathaltige Gels oder Energieriegel und Salztabletten. Kraftsportler hingegen sowie Bodybuilder konsumierten eher muskelaufbauende Produkte wie Eiweißgetränke, Weightgainer, Kreatin, Aminosäuren. Bei einer besonders kohlenhydratarmen Ernährungsweise seien Eiweißpräparate, Omega-3 Fettsäuren, Vitamin- und Mineralpräparate sinnvoll, aber, so merkt Blau an: „Gewusst sei, dass Eiweiß- und Vitaminpräparate in zu hohen Mengen auch schädlich für den Organismus sein können.“ Blau weist darauf hin, dass seine Läden in regelmäßigen Abständen vom Gesundheitsamt (Service Securité Alimentaire) kontrolliert werden.

Lukrativer Markt

Einer der Hersteller solcher Produkte, das Unternehmen PM-International mit seiner weltweiten Zentrale in Schengen, weist darauf hin, dass über hundert Top-Athleten, die ihre FitLine-Produkte einsetzten, zur Weltelite ihrer Sportarten gehörten. Das Unternehmen, das in Luxemburg, 30 seiner insgesamt 500 Mitarbeiter beschäftigt, hat rund 30 Produkte, „und einige davon sind mehrfach patentiert“, wie die Firmensprecherin Sonja Lodenheidt bestätigt. Das Unternehmen, das letztes Jahr einen Umsatz von 286 Millionen Euro machte, hat insgesamt 40 Patente bei Nahrungsergänzungsmitteln, die es zusammen mit Labors und Universitäten entwickelt und in diesem Bereich auch Grundlagenforschung betreibt.

Das Dopingproblem

Da Nahrungsergänzungsmittel als Lebensmittel gelten, benötigen sie keine spezielle Zulassung. Eine vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) geförderte Studie des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln hatte einmal ergeben, dass einige in verschiedenen Ländern erworbene Nahrungsergänzungsmittel verbotene Anabolika enthielten. Ein Problem für Sportler wie auch Hersteller. Bei Leistungssteigerung käme man hier in eine Grauzone, so Neele Hoerner aus dem Institut für Biochemie der deutschen Sporthochschule Köln gegenüber dem „Journal“. Selbst Magnesiumtabletten könnten verunreinigt sein. Auch die Medizinerin Anik Sax von der luxemburgischen Anti-Doping-Agentur ALAD weist auf die Gefahr hin, dass beim Produktionsprozess die legalen Nahrungsergänzungsmittel durchaus mit verbotenen Substanzen verunreinigt werden könnten, weswegen einige Hersteller dazu übergegangen sind, ihre Produkte zu zertifizieren. PM-International betont: Bei ordnungsgemäßer Einnahmen gebe es die Garantie, dass damit kein Doping betrieben werde: Ihre FitLine-Produkte stünden auf der Kölner Liste, denn man lasse sie regelmäßig untersuchen, um auszuschließen, dass dopingrelevante Steroide, Prohormone oder Stimulantien enthalten sind. Saubere Produkte als Marketing in einem sehr lukrativen Markt. Eine Garantie sei das dennoch nicht, gibt Sax zu bedenken. Die Medizinerin glaubt ohnehin nicht, dass Nahrungsergänzungsmittel für Hobbysportler, die zweimal die Woche Fußball spielen oder abends joggen, wirklich notwendig sind.

Hoerner von der deutschen Sporthochschule: „Der Sportler muss überlegen müssen, ob er ein Produkt wirklich braucht.“ Proteine seien zwar durchaus positiv für Regeneration und Muskelaufbau, aber auch Magerquark sei eine Eiweißbombe, und Studien hätten gezeigt, dass Kakao als Getränk zum Regenerieren helfe und dabei die gleiche Wirkung habe wie hochkonzentriertes Eiweißpulver. Dass die Ernährung einen erheblichen Einfluss auf die Leistung eines Athleten hat, ist unbestritten. Ebenso klar ist, dass Nahrungsergänzungen nicht Ersatz für frische Lebensmittel sein können, sondern ausschließlich Ergänzung - bei erhöhtem Bedarf.