CLAUDE KARGER

Morgen vor 80 Jahren entfachte Adolf Hitler, der zum „Führer“ aufgestiegene ehemalige Gefreite an der Westfront im Ersten Weltkrieg den zweiten Weltenbrand des 20. Jahrhunderts, in dem er seinen Truppen den Überfall auf Polen befahl. Zuvor hatte er einen Attacke auf den Sender im deutschen Gleiwitz inszenieren lassen, den er dem Nachbarland in die Schuhe schob. Mit Lug und Trug und der Schlagkraft, den ihn die anderen Mächte in Europa aufbauen ließen, trieb der Diktator, der zuvor mit Stalin einen Nichtangriffspakt geschlossen hatte, seine Weltherrschaftsfantasien voran.

„Die Weltkatastrophe droht!“, titelte das „Escher Tageblatt“ am Tag nach dem Überfall. Die Befürchtung sollte leider blutige Wirklichkeit werden. Sechs Jahre später, als der Weltkrieg mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 zu Ende ging, lagen Europa und ein großer Teil der restlichen Welt in Schutt und Asche. Etwa 60 Millionen Menschen waren ums Leben gekommen, davon geschätzt sechs Millionen, die allein aufgrund ihres jüdischen Glaubens brutal ermordet wurden.

Abermillionen Menschen waren auf Lebenszeit verletzt, viele am Körper, noch mehr an ihrer Psyche durch die Verluste, Entbehrungen und Ungerechtigkeiten, die sie ertragen mussten.

Wer sich der Willkür der Diktatur widersetzte, wurde gnadenlos verfolgt und niedergeschlagen. So wie die Organisatoren des Generalstreiks vom 31. August 1942 in Luxemburg gegen die Einführung der Wehrpflicht, denen wir heute ganz besonders gedenken. Ende des Jahres werden wir indes ganz besonders den Opfern der grauenhaften Ardennenschlacht gedenken, die im Dezember 1944 über den Norden des eigentlich schon befreit geglaubten Luxemburg hereinbrach....

Wer um das unermessliche Leid weiß, das die menschenverachtende Nazi-Ideologie über die Menschheit brachte, hält es im Kopf nicht aus, dass sie auch heute noch Anhänger zählt und es offenbar immer mehr werden. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, warnte einst Bertolt Brecht in seinem „Arturo Ui“ vor Hitler-Nachfolgern. Dass Neo-Nazis heute in deutschen Städten offen aufmarschieren können, ist unglaublich und besorgniserregend. Ebenso, dass mit rechtsextremen Parolen und Gedankengut hausierende Parteien wie die sogenannte „Alternative für Deutschland“, die bei den Landtagswahlen am Sonntag in den deutschen Bundesländern Sachsen und Brandenburg zur zweitstärksten politischen Kraft aufsteigen könnte, Erfolge feiern. Aber nicht nur Deutschland ist hier betroffen.

Auch in vielen anderen Ländern bedienen Machtgeile unverblümt die schreckliche Klaviatur, die bereits Hitler an die Macht brachte: Zwietracht, Hass, Neid, Schubladisierung von Menschen, Minoritäten als Sündenböcke. Sie versprechen scheinbar einfache Lösungen für komplexe Probleme und treten sofort in den Wahlkampfmodus, sobald sie Rechenschaft ablegen müssen.... Sie dürfen nicht daraus entlassen werden! Ebenso darf nicht daran gespart werden, ihnen immer und immer wieder vor Augen zu führen, zu welchen Gräueln ihre Machtstrategien führen können. Auf jeden Fall sollten keine Mühen gescheut werden, die Erinnerung an die Opfer der Nazis aufrecht zu erhalten. Gerade jetzt, da es immer weniger Zeitzeugen gibt, ist das besonders wichtig.