MARCO MENG

Russland warnt die USA davor, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen. Das kann zu einer Verschärfung des Konflikts führen. Stimmt. Aber nur, weil Russland munter damit fortfährt, in der Ukraine die „Separatisten“ zu versorgen - und zwar mit schweren Waffen.

Nach den mehreren Hunderttausend Toten in Tschetschenien - ein Krieg, der weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand - nun der zweite Putinsche Krieg mit schon mehr als 5.000 Toten, die meisten Zivilisten. Dort, wo noch vor wenigen Jahren eine Fußball-WM ausgetragen wurde. Ungefähr die gleiche Zahl wie die der Toten soll auch an russischen Soldaten im Krieg mitmischen neben den Berkut-Einheiten des ehemaligen Kleptomanen Janukowitsch, die auf die Maidan-Demonstranten geschossen hatten und dann gen Osten türmten. Einerseits verständlich, dass die USA den Konflikt nicht noch anheizen wollen. Andererseits - wie sollen die Separatisten zum Einlenken gebracht werden? Alle Vereinbarungen, die sie und Russland trafen, haben sie wieder gebrochen. Unbeirrt spricht der Kreml von Friedensbemühungen und hilft, dass von Russland durch die Ukraine zur Krim ein Landweg geschaffen wird, egal, wie viele Menschen dabei vertrieben oder getötet werden.

Eindrucksvoll zeigt der Konflikt auch, was es bedeutet, wenn ein autoritärer Staat eine freie Presse unterdrückt und Medien zur Propaganda benutzt: Oppositionelle Russen nennen das, die russische Bevölkerung zu „Zombies“ zu machen. Das geht soweit, dass die sich aus Trotz gegen den Feind aus dem Westen hinter ihrem „Führer“ (das Wort wird tatsächlich in Russland für Putin gebraucht!), zusammenschweißen lässt.

Eine Russin, die in Luxemburg lebt und arbeitet, zeigt sich verwundert, dass angesichts der Tatsache, dass Putin doch nun die Maske hat fallen lassen und sein wahres Gesicht zeigt, ihm auch hier von manchem „Verständnis“ entgegengebracht wird. Verständnis für was? Und das von Menschen, die doch Meinungsfreiheit, Rechtssicherheit, Toleranz schätzen müssten, alles das, von dem Putins Russland das Gegenteil ist. Während dort die nationalistische antiwestliche Trommel geschlagen wird und es gleichzeitig heißt, man wolle keine Eskalation, verkündigen die „Separatisten“ einen kommenden Großangriff und geben mit dem Beschuss auf Mariupol einen Vorgeschmack.

Das Verhältnis Russlands zum Rest der Welt, zumindest der demokratischen, ist schwer angeschlagen, oder glaubt jemand, man könne mit einem Russland unter dem derzeitigen Regime wieder zur Tagesordnung übergehen? Eigentlich müssten unter UN-Führung die russisch-ukrainischen Grenzen überwacht werden. Dem wird freilich der Kreml nicht zustimmen - womit er verrät, dass er es ist, der die Flamme am Brennen hält. Oder können Merkel und Hollande doch die Notbremse ziehen und Putin überzeugen, dass sein Weg falsch ist und in eine Sackgasse führt? Herr Putin, lenken Sie ein, machen Sie Ihr Land nicht vollends zu einem Aussätzigen! Die Zukunft Russlands hängt jedenfalls davon ab, welches Volk die Mehrheit bekommt - das Friedensvolk oder das Kriegsvolk, sagt Lew Schlosberg, der russische Journalist, der die Beteiligung russischer Soldaten am Krieg in der Ostukraine aufdeckte und kurz darauf brutal zusammengeschlagen wurde.