CLAUDE KARGER

Eine aufregende und aufgeregte „Rentrée“-Woche liegt hinter uns. Aufregend war sie nicht nur für die 48.147 Grundschüler, die seit Donnerstag zum ersten Mal oder erneut die Schulbank drücken, sondern auch die 5.830 Lehrkräfte, die sie betreuen und natürlich für die Eltern der Kinder. Dieser Tage folgt dann die „Rentrée“ in den meisten Sekundarschulen, die insgesamt nahezu fast 41.000 Schüler zählen werden, mit 4.290 Lehrkräften allein im öffentlichen Unterricht. Rechnet man die Kinder aus dem Spezialunterricht hinzu, die rund 22.000 Eingeschriebenen in der Erwachsenenbildung und die 13.400, die sich am „Institut National des Lan-gues“ eingeschrieben haben, kommt man laut dem Bildungsministerium auf ein Total von 137.758 Bürger, die dieser Tage „Rentrée“ haben.

Zuzüglich jenen, die eine Weiterbildung absolvieren und den knapp 6.200 Uni-Studenten, die nun auch in den Startblöcken stehen. Ihnen allen sei von dieser Warte aus ein gutes Gelingen gewünscht! Denn davon hängt neben der eigenen Lebensplanung und einem Teil der persönlichen „Erfüllung“, auch die Zukunft Luxemburgs in der globalen Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft ab. Denn später müssen sich die jungen Leute, die mit einem soliden Grundlagenwissen ausgestattet sowie vor allem auch dem Reflex zum eigenständigen Denken, in dieser Welt auch zurecht finden.

Merke: Eine solche Vorbereitung zu gewährleisten, vermag das Unterrichtswesen nicht alleine. Die Eltern der Kinder natürlich, aber auch Freunde, Vereine oder Praktika anbietende Unternehmen sind unverzichtbare Teilhaber an diesem Prozess, der die ganze Gesellschaft herausfordert - und eigentlich nie ganz abgeschlossen ist, Stichwort „lifelong learning“. Es ist deshalb wichtig, neben dem unverzichtbaren Einsatz der Politik, gleiche Startchancen für alle Kinder zu schaffen, dass die Beziehungen zwischen dem Erziehungs- und Weiterbildungswesen und all diesen Akteuren weiter gestärkt werden. Bildungsminister Claude Meisch unterstrich bei seiner „Rentrées“-Pressekonferenz, dass die Schule eine „gesellschaftliche Mission“ habe und auch konsequent weiter geöffnet werden soll für die Akteure aus der Gesellschaft. Weitere Ziele sind die Verbesserung der Qualität des Bildungswesens und die Diversifizierung und Ausrichtung des schulischen Angebots nach den Bedürfnissen der Schüler sind weitere große - und permanente sowie langfristige - Baustellen, die erst in ein paar Jahren ihre Früchte tragen werden.

Sicher ist: Diese Ziele im höchsten Interesse der Schüler erfüllen sich nicht von selbst! Deshalb hat diese Regierung ein ambitiöses Reformprogramm im Bildungswesen auf den Weg gebracht. „Hyperaktivität“ warf die Lehrergewerkschaft SEW/OGBL diese Woche dem Bildungsminister deshalb an den Kopf. Meisch führe zudem „neoliberale“ Prinzipien im Schulsystem ein, fördere „Konkurrenzdenken“ und „Egoismus“, echauffierte sich die Gewerkschaft. Was „neoliberal“ daran sein soll, wenn sich um die bestmögliche Förderung jedes einzelnen Schülers und dessen spezifische Fähigkeiten bemüht wird und deshalb etwa auch die Autonomie der Schulen stärkt, bleibt uns ein Rätsel. Man mag die Wege zum Ziel kritisieren, das natürlich nicht ohne die kapitale Rolle der Lehrer „um Terrain“ erreicht werden kann. Das Ziel an sich aber dürfte doch jeder teilen, oder? Dann gibt es auch Wege, konstruktiver im Interesse der Schüler zusammen zu arbeiten.