LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Schule zu Hause: Zwischenbilanz einer schwierigen Aufgabe

Und plötzlich war alles anders: als die Regierung am 13. März beschloss, angesichts des Coronavirus den Bildungsbetrieb zunächst bis zum 30. März - und später bis nach den Osterferien - zu schließen, brach nicht nur für die rund 105.000 Schüler an öffentlichen und privaten Schulen und deren Eltern - dazu kommen rund 50.000 Lernende etwa in der „Formation des Adultes“ oder beim „Institut National des Langues“ - eine neue Zeit an, sondern natürlich auch für die tausenden Lehrer. Allein in der Grund- und Sekundarschule mussten sich rund 11.000 Lehrkräfte etwas einfallen lassen, um die „Kontinuität des Lernens so gut wie möglich sicherzustellen“, wie Claude Meisch bei der Ankündigung der Schulschließungen sagte.

Während Lehrer ihren Schülern einen Arbeitsplan und Lernsituationen anbieten - über E-Mail oder sogar über Videokonferenz - hat das Bildungsministerium auf dem Portal www.schouldoheem.lu eine Menge Online-Tools, Lernmaterial und mehr gebündelt.

Darauf wird derzeit natürlich massiv zurück gegriffen, was anfangs zu einer zeitweiligen Überlastung des Portals führte. Probleme gab es bei den Verbindungen über das „Identity and Access Management“-System, den gesicherten und personalisierten Zugang, den Schüler brauchen, um auf die Ressourcen und Anwendungen des Bildungswesens zurück greifen zu können. Seit dem Start der neuen Version des Portals vergangenen Donnerstag seien bereits 101.970 Besuche registriert worden, rund doppelt so viele wie in den Tagen davor, hieß es am Montag auf Nachfrage im Bildungsministerium.

Eine kleine „Journal“-Umfrage unter Eltern und Schülern zeigt, dass die Schüler insgesamt mit den Instrumenten und auch den an sie gestellten Anforderungen klar kommen. Man hört von den Kindern, dass der Fernunterricht weniger stressig ist und sie sich besser organisieren können. Wir sprachen mit Eltern, die sich allerdings wünschen würden, dass Lehrer mehr Feedback auf die Arbeiten der Schüler geben. Auch für die Eltern ist die Umstellung natürlich riesig. Für manche war schon die technische Ausrüstung für das „Home Schooling“ eine Herausforderung. Es musste trotz auskunftsfreudiger und hilfsbereiter Hotlines und Lehrer auch mitunter viel Zeit investiert werden, um verstehen zu lernen, wie man die Kinder beim Lernen in dieser außergewöhnlichen Zeit am besten unterstützen kann.

Mehr Sicht auf die Kinder

„Wir dürfen jetzt nicht von den Eltern verlangen, dass sie nun Lehrer werden“, sagt Patrick Arendt, der Vorsitzende der Lehrergewerkschaft SEW/OGBL, der die Nervosität vieler Eltern versteht. Auch die Lehrer - viele von ihnen selbst Eltern - stünden natürlich vor einer „Riesenaufgabe“. Es würden ihnen momentan wesentliche Grundlagen für die Erfüllung ihrer Mission fehlen, vor allem der direkte Kontakt mit den Schülern, den Eltern, aber auch der direkte Austausch mit den Arbeitskollegen. Die digitalen Tools seine bestenfalls „Krücken“, sagt Patrick Arendt, die den Unterricht nicht ersetzen könnten. Der SEW/OGBL-Präsident dürfte nicht der einzige sein, der hofft, dass der normale Schulbetrieb schnell wieder Fahrt aufnehmen kann. Passiert das zeitnah, ist Arendt zuversichtlich, dass die verlorene Unterrichtszeit schnell ausgeglichen werden kann. Wobei die Lehrer dann aus seiner Sicht erstmal viel damit beschäftigt sein werden, das Selbstvertrauen der Schüler zu stärken. „Was mir derzeit fehlt, ist die Sicht auf die Kinder“, sagt Arendt. Diese hätten in der außergewöhnlichen Lage bislang wenig Reaktion gezeigt, das werde sich aber ändern, wenn sich die Situation hinziehe, ist er überzeugt.

Die Krise treibt die soziale Schere auseinander

Patrick Remakel, der Vorsitzende der Grundschullehrergewerkschaft SNE sieht auch die Gefahr, dass die derzeitige Lage die soziale Schere auseinander treibt, welche sich die Lehrer im Unterricht bemühen, zusammen zu führen.

Nicht alle Schüler könnten gleichwertig von „Home Schooling“ profitieren. Allein die materielle Ausrüstung dafür in den Haushalten sei längst nicht überall die gleiche, genausowenig wie die Bedingungen, unter denen die Kinder lernen können.

Dass das Lernumfeld zu Hause derzeit besonders unter Spannung steht, liegt auf der Hand. Denn nicht nur die Ausgangsbeschränkungen drücken aufs Gemüt, auch viele Eltern leiden unter Ungewissheiten gesundheitlicher und beruflicher Natur, was die Zukunft ihrer Familien anbelangt.


Vor diesem Hintergrund hat das Bildungsministerium nun gemeinsam mit
dem „Centre psycho-social et d’accompagnement scolaires“ (CePAS) unter anderem
die Sensibilisierungskampagne @HOME rund um das Wohlbefinden während
der Isolierung gestartet. Details dazu findet man auch auf www.schouldoheem.lu