LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

CDCL-Aufsichtsrat Max Didier leitet auch den Ableger eines internationalen Verbandes von Familienunternehmen – wie diese sich in der Krise helfen

Max Didier ist Geschäftsführer des „Family Business Network“ – und gehört zur dritten Generation des Bauunternehmens CDCL, das seit Montag wieder arbeiten darf. Wir haben ihn gefragt, was Familienunternehmen in der Krise voneinander lernen.

Herr Didier, wie lief es bis zur Schließung für Ihre Baufirma CDCL?

Max Didier Rund 95 Prozent unserer Mitarbeiter waren in Kurzarbeit, das war bei über 500 Mitarbeitern unausweichlich. Alles, was Angebotsbearbeitung und Rechnungen betraf, lief im Homeoffice weiter. Jetzt sollen die Baustellen so schnell wie möglich wieder öffnen. Das hängt auch vom Material ab. Hier haben wir eventuell Schwierigkeiten, weil wir Lieferungen abwarten müssen.

Sie sind CEO des Luxemburger Chapters von „Family Business Network“. Was steht dahinter?

Didier Der Luxemburger Ableger des international tätige Verbandes „Family Business Network“, kurz FBN, wurde 2018 hier gegründet. Er ist das weltweit größte Netzwerk für Familienunternehmen. Sein Ziel ist es, den Mitgliedern in vertrauensvoller Atmosphäre einen Austausch zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf Themen, die Generationsunternehmen speziell beschäftigen wie beispielsweise die Weitergabe des Unternehmens. Gleichzeitig wollen sie durch die Nichtregierungsorganisation auch die Interessen ihrer Unternehmen vertreten. Von den weltweit rund 3.600 Unternehmen, die hier Mitglied sind und etwa 12.000 Mitglieder repräsentieren, befindet sich fast die Hälfte - nämlich 5.000 Mitglieder - zumindest in der zweiten Generation.

Wie hat sich die Coronaviurs-Krise auf Ihre Aktionen ausgewirkt?

Didier Wir mussten einige Events verschieben. Von Luxemburger Seite her haben wir ein Event über Cybersecurity online über Videokonferenz abgehalten. Da das Thema in diesen Zeiten mit Homeoffice umso dringender ist, wollten wir es auf jeden Fall anbieten. Dazu hatten wir einen Experten geschaltet. Ansonsten tauschen wir uns auch über Videokonferenz aus. Bei uns sind relativ viele Branchen vertreten. Dadurch kann man viel lernen.

Wie ist die Situation der Mitglieder?

Didier Wir haben einige Mitglieder in der Hotel- und Restaurantbranche, die in einem kompletten Lockdown sind. Dort läuft oft nur noch die Buchhaltung. Was die Produktion angeht: In den meisten Fabriken unserer Mitglieder wird noch produziert. Wenn auch unter schwierigeren Bedingungen und Einschränkungen. International gibt es viel Austausch. Wir hatten zwei Videokonferenzen, auf denen aus anderen Ländern berichtet wurde und an denen alle Mitglieder weltweit teilnehmen konnten. Wir haben viele Mitglieder in Asien, die schon länger mit dem Virus konfrontiert sind; hinzu kommen jene in Italien und Spanien. Interessant waren auch die Berichte der Mitglieder in Indien, wo alle 21 Tage zu Hause bleiben müssen.

Was bringt Ihnen das?

Didier Was ich sehr gut gefunden habe, war der Austausch auf Luxemburger Ebene. In Luxemburg sind rund 60 Unternehmen Mitglied. Da geht es um Erfahrungen. Familienunternehmen funktionieren etwas anders als börsennotierte. Wir schauen nicht nur auf den Kurs, sondern planen eher langfristig. Das gibt auch unseren Mitarbeitern mehr Sicherheit. Als Familienunternehmer sind wir für unsere Mitarbeiter da. Eine gute Kommunikation ist in der Krise sehr wichtig. Wir wollen den Leuten zuhören, Ängste nehmen. Das geht, denke ich, in Familienunternehmen besser.

Wie reagieren die Mitarbeiter?

Didier Ich bin positiv überrascht von der Reaktion unserer Mitarbeiter. Sie haben verstanden, dass wir nicht viele andere Möglichkeiten hatten als Kurzarbeit für den größten Teil unserer Firma anzumelden. Das ist ja auch für unsere Mitarbeiter eine finanzielle Einbuße. Dennoch kamen eher positive Reaktionen. Die Mitarbeiter haben gesagt, sie finden Offenheit und Ehrlichkeit gut. Sie sehen, dass auch die Geschäftsführung ihnen nichts vormacht. Gemeinsam kommen wir aus der Krise heraus.