LUXEMBURG
MANON BISSEN

Wie geht es weiter mit Radio ARA?

Radio ARA hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Die Pandemie ist nur ein Grund hierfür. Manon Bissen, Sozialpädagogin von Graffiti, den Jugendsendungen auf Radio ARA, erklärt die Hintergründe.
„Radio ARA fing Anfang der 90er als freier und unabhängiger Sender an. Beim partizipativen Radio mit vielen Freiwilligen kam es immer wieder zu finanziellen Engpässen, da Spenden und Mitgliedsbeiträge nicht kostendeckend waren.
Ein Teil der Sendezeit wurde Anfang der 2000er an die kommerzielle Struktur ARA City Radio vermietet, die sich mit ihrem englischsprachigen Programm über Werbung finanzierte und zum finanziellen Zugpferd des Radios wurde.
Daneben gibt es Graffiti, das als Sprachrohr für Jugendkultur von Anfang an Teil des Konzepts war. Dank des Statuts als Jugendhaus samt Konvention mit dem Bildungsministerium ermöglicht Graffiti den Jugendlichen eine pädagogische Betreuung, trägt jedoch kaum zur Finanzierung bei.
Der dritte Programmteil wird von rund 150 Freiwilligen mitgestaltet und bietet verschiedene Sprach-, Kultur- und Musiklandschaften Raum, die im kommerziellen Mainstream keinen Platz finden.
Die aktuelle finanzielle Krise rührt daher, dass ARA City Radio Probleme bekommen hat, sich zu behaupten. Die Einnahmen über Werbung wurden geringer und brachen während der Pandemie quasi ganz ein.
Seit zwei Jahren erhält das Radio eine Finanzspritze vom Medienministerium (2020: 80.000 Euro). Die Unterstützung ist jedoch keine Selbstverständlichkeit und muss jedes Jahr neu beantragt werden. Dies ermöglichte es, Posten zu schaffen, um die Freiwilligenarbeit zu koordinieren und zu entlasten.
Die Regierung hat dem Parlament eine Neufassung des Pressehilfegesetzes unterbreitet. „Qualität von Beiträgen“ wird hier gleichgesetzt mit „Zahl von Journalisten mit Presseausweis“. Doch die Lage des Radio ARA verbessert sich nicht.
Die geplante Regelung für Community-Medien, wie das Radio ARA, ist widersprüchlich, setzt diese mit anderen Medien gleich und erkennt die unterschiedlichen Strukturen und Bedürfnisse nicht an. Um in den Genuss einer Finanzspritze zu kommen, muss man zwei Journalisten Vollzeit beschäftigen. In Community-Medien wird mehr in die Betreuung und Koordination von MitarbeiterInnen und Freiwilligen, das Lösen technischer Probleme und Administratives investiert. Außerdem ist die Hilfe auf 100.000 Euro gedeckelt. Durch die Spendenaktion will Radio ARA sich etwas Luft verschaffen und auf die Situation aufmerksam machen.  
Das Radio ARA will klar machen: Es gibt Nischenprogramme, es gibt Medien, die anderes leisten als die Mainstreamprogramme und jene repräsentieren, welche sonst nirgends repräsentiert werden. Das Großherzogtum braucht diesen Medienpluralismus, der zum Zusammenhalt der Gesellschaft beiträgt.
Das Radio ARA will das Sprachrohr für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Vereinigungen und für die Jugend sein  – das gibt es bei keinem anderen Radio.“