SANDWEILER
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Zweiter Weltkrieg: Unbekannter deutscher Soldat auf dem Friedhof in Sandweiler beigesetzt

Eine Woche vor Ostern 2019 sind zwei holländische Studenten mit ihren Metalldetektoren in den Wäldern um Schumanns Eck unterwegs, als das Gerät anschlägt.

Die beiden finden im Waldboden einen Stahlhelm - doch das war nicht alles, Sie sind auf das Grab eines jungen Wehrmachtssoldaten gestoßen…

Wenige Tage später konnten die Mitarbeiter des deutschen Soldatenfriedhofs in Sandweiler, unterstützt von Spezialeinheiten der luxemburgischen Armee und der Polizei sowie des Militärmuseums in Wiltz und der deutschen Botschaft die Gebeine des jungen deutschen Soldaten sichern und nach Luxemburg überführen. Es wurden zwar neben dem Stahlhelm weitere Gegenstände gefunden, die den Gefallenen eindeutig als Wehrmachtsoldaten ausweisen, aber nichts, was auf die Identität des Mannes schließen lässt.

Alter: 16 bis 17 Jahre

„Wir gehen davon aus, dass es sich um einen blutjungen Soldaten gehandelt har, vielleicht gerade 16 oder 17 Jahre alt“, sagt Frank Rockenbrod, Präsident der „National Liberation Memorial asbl“, dem „Journal“ gegenüber. Also ein junger Soldat, „der wohl sehr schwer verletzt war. Wir haben eine Abschnürung am Bein feststellen können“, erklärt Rockenbrod weiter. Am 30. Dezember 1944 erreichten Einheiten der 26. US-Infanteriedivision die Straßenkreuzung nahe Wiltz. Hier trafen sie auf den erbitterten deutschen Widerstand der 9. Volksgrenadierdivision. Während der folgenden zwei Wochen kam es zu einem verlustreichen Stellungskrieg. Erst am 9. Januar 1945 konnte die Gegenwehr der Deutschen gebrochen werden. „Wir gehen davon aus, dass der junge Soldat wohl in diesem Zeitraum hier gefallen ist“, sagt Rockenbrod weiter.

Am letzten Wochenende wurden die sterblichen Überreste des Soldaten auf dem Ehrenfriedhof in Sandweiler feierlich beigesetzt. „Am Sonntag begehen wir in Deutschland und auch die deutschen Botschaften im Ausland und damit auch wir in Luxemburg den Volkstrauertag. Am Volkstrauertag erinnern wir an die Toten der Kriege, nicht nur der deutschen, sondern aller Toten“, sagte der deutsche Botschafter in Luxemburg, Heinrich Kreft, anlässlich der Beisetzung in Sandweiler. Insbesondere der Zweite Weltkriegs und seine Auswirkungen seien vielen noch in Erinnerung und „hier in Luxemburg ist die Ardennenoffensive, von vielen Luxemburgern von Rundstedt-Offensive und den Angelsachsen Battle of the Bulge genannt, unvergessen.“

Unendlich viel Leid habe die von Hitler persönlich befohlene, militärisch sinnlose Schlacht über den Norden Luxemburgs gebracht, so Kreft weiter. „Dass bis heute nicht alle, damals notdürftig von ihren Kameraden begrabenen Soldaten gefunden wurden, haben wir erneut erleben müssen.“ Bei dem Soldaten habe es sich um einen jungen Menschen gehandelt, „der keine Chance hatte, erwachsen zu werden - wie viele andere auch, die schon auf diesem Friedhof hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Möge er hier mit seinen ehemaligen Kameraden ruhen in Frieden und uns Mahnung sein, welch kostbares Gut der Frieden ist, für dessen Bewahrung wir jeden Tag aufs Neue eintreten müssen“, schloss Kreft seine Rede ab.

Gestern wurden, anlässlich des Volkstrauertags und wie bereits am Samstag auch, Kränze auf dem Ehrenfriedhof niederlegt.