SANDWEILER
PATRICK WELTER

Dr. Claude Mousel, Spitzenkandidat der DP-Sandweiler hat eine klare Meinung zur Politik der schwarz-roten Gemeindeführung

Im elfköpfigen Gemeinderat von Sandweiler hat die DP in der zu Ende gehenden Wahlperiode zwei Sitze besetzt. Für die Demokratische Partei haben Malou Gudendorf und Dr. Claude Mousel diese Ämter wahrgenommen.

Claude Mousel, Zahnarzt in Sandweiler, führt die Liste der DP-Sandweiler auch bei den Kommunalwahlen am 8. Oktober an. Nach seiner Zeit als Schöffe von 1999 bis 2005 - 1999 wurde in Sandweiler noch nach dem Majorz-System gewählt - hat er von 2005 bis 2011 eine kommunalpolitische Pause eingelegt. 2017 sieht er keinen Anlass seine Arbeit zu unterbrechen, denn seiner Meinung nach steht es um Sandweiler nicht zum Besten. Mit einer jungen Liste tritt die lokale DP an, um den schwarz-roten Schöffenrat aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken, oder – um im Berufsbild zu bleiben – ihm eine Wurzelbehandlung zu verabreichen. Grundsätzlich hat Mousel keine hohe Meinung über die nun ablaufende Legislaturperiode, aber wir interessieren uns doch für Details.

Gleich in mehreren Gesprächen mit dem „Journal“ hat Claude Mousel immer wieder die Sorgen seiner DP-Sektion über die Zukunft seiner Gemeinde gesprochen – auch über eine Reihe von bereits getroffenen Fehlentscheidungen.

Planloses Basteln

Gefragt nach der größten politischen Herausforderung wird der DP-Rat grundsätzlich: Die Bürgermeisterin und ihre Schöffinnen machten eine uninspirierte Kommunalpolitik, die das starke Potenzial von Sandweiler in keiner Weise nutze. „Der Schöffenrat hat keinerlei Visionen und keine Planung für die Zukunft, was man schon daran merkt, dass der allgemeine Bebauungsplan 20 Jahre alt ist!“ Mousel ist der Auffassung, dass der Schöffenrat immer nur Ideen von Bauträgern übernimmt, die irgendwo in der Gemeinde Neubauten hochziehen wollen. Dabei würden seit Jahren ganz praktische Dinge vergessen, etwa die Anpassung der Kanalisation an den Bedarf. „Sandweiler hat ein großes Abwasserproblem!“ Immerhin werde jetzt an einem Kollektor für Oberflächenwasser gearbeitet, wobei die Trassenführung zumindest ungewöhnlich sei. Er hoffe, dass das so funktionieren wird, denn sonst bestehe die Gefahr, die vorgesehenen fünf Millionen Euro im Wortsinn zu versenken.

Grundsätzlich werde in Sandweiler mehr dekoriert als wirklich getan. Er könne einige Entscheidung des Schöffenrates einfach nicht nachvollziehen, stellt Mousel fest. Wieso hat man es versäumt einen frei werdenden Bauplatz gleich neben der kommunalen Kinderkrippe zukaufen? Ideal gelegen für eine mögliche Erweiterung. Stattdessen würde das Gemeindehaus, das erst vor knapp 18 Jahren für den Gegenwert von 2,5 Millionen Euro um- und ausgebaut wurde, jetzt für 2,6 Millionen Euro renoviert – für Mousel eine reine „Schausanierung“. Der DP-Spitzenkandidat spricht angesichts der Arbeit des Schöffenrates mehr als einmal von „postfaktischen“ Entscheidungen. Postfaktisch steht für agieren nach Gefühl und nicht nach Sachlage. Im selben Licht sieht er das Budget der Gemeinde. Für Mousel zeigen sich klare Differenzen zwischen Fakten und Gefühl. Wenn man sich das Budget 2017 anschaue, sehe man, dass es mehr nach der Gefühlslage des Schöffenrates als nach klaren faktischen Vorlagen konzipiert wurde.

Ein Dorfentwicklungsplan fehlt

Was fehlt in Sandweiler und was würde die DP als Teil der Mehrheit ändern? Claude Mousel wird auch hier deutlich: „Vor allem ein Dorfentwicklungsplan fehlt und dann muss es zu einer Rücknahme der Entscheidung kommen, die kommunale Schule auf zwei Standorte zu verteilen!“ Er zählt noch eine Reihe anderer Dinge auf. So gibt es immer noch keine Fahrradanbindung an die Hauptstadt. Der unterdimensionierte Verkehrskreisel auf Höhe der Cargolux-Hangars sorge allmorgendlich für Staus auf der Umgehungsstraße und in Sandweiler. Natürlich falle dessen Ausbau in die Zuständigkeit des Staates, aber wenn der Schöffenrat keinen Druck mache geschehe natürlich gar nichts!

Da die DP-Sandweiler das Thema Schule besonders beschäftigt, geht er genauer darauf ein. Für den früheren Schöffen sind die Planungen für eine neue Schule mit angeschlossenem „Maison relais“ schlicht beunruhigend. Auch dort werde nach Gefühl geplant. Niemand könne oder wolle etwas über die zukünftig zu erwartenden Schülerzahlen sagen. Auch hier fehlt für den Zahnmediziner ein Dorfentwicklungsplan. Claude Mousel plädiert weiterhin für eine Beibehaltung und den Ausbau des bisherigen Schulstandorts und ist gegen den vom Schöffenrat ausgeguckten zweiten Schulstandort in der Flur „An de Jéchtstecker“. Eine Schule an zwei Standorten sei schlicht unökonomisch. Ganz abgesehen von dem zusätzlichen täglichen Verkehrsaufkommen durch Eltern im Taxidienst für ihre Kinder. Claude Mousel stellt unumwunden fest, dass der Schöffenrat nach sechs Jahren nichts vorzuweisen hat.

www.sandweiler.dp.lu

Im Schatten des Flughafens

STECKBRIEF

Sandweiler hat eine Fläche von 773 Hektar und rund 3.500 Einwohner. Der Schöffenrat wird von Bürgermeisterin Simone Massard-Schmitz (CSV), Jaqueline Breuer (LSAP) und Yolande Roller-Lang (CSV) gebildet. Dem Rat gehören elf Mitglieder an. Die Sitzverteilung sieht so aus: CSV 5, LSAP 2, DP 2, Déi Gréng 2.  Die Gemeinde Sandweiler umfasst nur zwei Ortsteile, Sandweiler und Findel, sowie einige Einzelhöfe. Der Ortsname ist zum Synonym für die technische Kontrolle der Kraftfahrzeuge geworden, weil sich in der Gemeinde die größte Kontrollstation der SNCT befindet. Weithin sichtbar ist der gewaltige Hangar der Frachtfluggesellschaft Cargolux, der auf dem Gebiet der Gemeinde steht. Im Umfeld des Flughafens liegt auch das Abschiebegefängnis für Personen, die aus Luxemburg ausgewiesen wurden. Sandweiler teilt sich einen Bahnhof mit Contern, dort gibt es auch ein Gewerbegebiet für mittelständische Betriebe. In einem Waldstück, nicht weit entfernt vom amerikanischen Militärfriedhof auf dem Territorium von Luxemburg-Hamm, liegt der deutsche Soldatenfriedhof Sandweiler mit über 10.900 Toten.