BRÜSSEL
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EU-Kommissionschefin legt Exit-Strategie aus Corona-Sperren vor

Mit einer Woche Verzögerung will EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen heute ihre europäische Strategie zur schrittweisen Lockerung der Corona-Auflagen vorstellen. Dies kündigte ihr Sprecher Eric Mamer gestern an. Der Plan soll gemeinsame Kriterien für die schrittweise Aufhebung der Beschränkungen vorschlagen, darunter die Klinikkapazitäten. Die Entscheidung und der Zeitplan liegen aber in der Hand der einzelnen EU-Staaten. Ursprünglich wollte von der Leyen die Strategie schon am Mittwoch voriger Woche vorlegen. Der Termin wurde auf Bitten einzelner Mitgliedsstaaten verschoben, die vor Ostern kein Signal der möglichen Lockerung der Beschränkungen setzen wollten.

Ein Entwurf der Strategie wurde aber schon bekannt. Das Wichtigste: Die Kommission empfahl darin kleine, streng kontrollierte Schritte der Öffnung, die sich über Monate hinziehen sollen. Zwei Bedingungen sollten vorher erfüllt sein: eine spürbare Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus und eine ausreichende Zahl von Krankenhaus- und Intensivbetten. Einige Länder haben bereits erste Schritte zur Lockerung eingeleitet. Mit der Öffnung der kleinen Läden unter 400 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie der Bau- und Gartenmärkte tastet sich Österreich seit gestern als eines der ersten Länder in Europa an die „neue Normalität“ heran, wie Kanzler Sebastian Kurz den künftigen Zustand umschreibt. Von der ersten Stufe der Lockerungen können fast 80 Prozent der Einzelhändler profitieren. Es gilt das Gebot: Nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche. Sind es mehr, müssen sie draußen warten.

Der Coronavirus-Hotspot Spanien erzielt derweil im Kampf gegen die Pandemie weiterhin Erfolge. Das vom Erreger Sars-CoV-2 schwer betroffene Land meldete am Dienstag mit 1,8 Prozent die niedrigste Zuwachsrate bei den Neuansteckungen seit Beginn der Krise. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als am Vortag, obwohl wegen des sogenannten Wochenendeffekts ein Anstieg im Vergleich zum Montag erwartet worden war. Vor zwei Wochen lag die Rate noch bei über 20 Prozent. In ganz Spanien gilt seit gut vier Wochen und noch mindestens bis Mitternacht des 25. April eine sehr strenge Ausgehsperre.

Innerhalb von 24 Stunden seien gut 3.000 weitere Infektionen hinzugekommen, die Gesamtzahl betrage nun gut 172.000, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid mit. Der täglichen Bilanz zufolge wurden außerdem weitere 567 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung registriert.

Die Zahl der Corona-Patienten, die als genesen gelten, kletterte um fast 3.000 auf über 67.000. „Die Tendenz ist gut. Ich hätte gern eine höhere Zahl von neuen Genesenen als von neuen Infizierten gehabt, aber das war heute noch nicht der Fall“, sagte der Chef der Behörde für Gesundheitliche Notfälle (CCAES), Fernando Simón. „In den Intensivstationen ist das Stressniveau weiter sehr hoch, aber die Lage ist besser als vorige Woche“, betonte er.

Schulen: Viele Staaten haben konkrete Pläne

Nach den Schulschließungen in der Corona-Krise hat etwa die Hälfte der 27 EU-Staaten bereits konkrete Pläne, die Kinder wieder in die Klassenzimmer zurückkehren zu lassen. Sechs bis sieben Staaten wollten dies bereits bis Ende April tun, sieben bis acht weitere dann im Mai, berichtete die kroatische Bildungsministerin Blazenka Divjak gestern nach einer Videokonferenz mit ihren EU-Kollegen. Die übrigen Länder hätten sich noch nicht festgelegt oder wollten die Schulen bis zum Ende des Schuljahres geschlossen halten.