LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Eine Ausstellung im „naturmusée“ widmet sich der Nacht

Wenn es draußen dunkel ist und die einen schlafen, pulsiert das Leben der anderen. Die Ausstellung „Nuit“ im naturhistorischen Museum bringt uns nahe, was in der Natur passiert, während wir in Morpheus Armen schlummern.

Schlaf ist natürlich auch ein Thema bei der Expo im letzten Stock des Museums, die gezielt in schummriges Licht getaucht ist. Da erfährt man beispielsweise, dass Männer am liebsten in Gesellschaft schlafen. Denn das Unterbewusstsein empfindet die Gruppe als Sicherheit. Bei den Frauen ist es umgekehrt: Sie schlummern im Prinzip lieber alleine. Der Urtrieb, sich abzusondern, um das Baby zu schützen ist noch irgendwo im Gehirn verankert.

Wussten Sie eigentlich, dass sieben von zehn Menschen im Schlaf sprechen? Und dass auch Tiere träumen? Letztere stehen bei der Ausstellung ganz besonders im Fokus. Denn für viele Arten ist die Dunkelheit ihre aktivste Zeit. 90 Prozent der rund 2.200 Nagetierarten sind nachtaktiv.

Mit allen Sinnen

Das ist auch ein großer Teil der 280 Arten von Fleischfressern. 200 Greifvogelarten jagen nachts. Dann sind auch die meisten Fledermäuse unterwegs - 1.200 verschiedene gibt es davon, die kleinste wiegt gerade einmal zwei Gramm, die größte hat eine Spannweite von 1,7 Metern. In einem Raum der Ausstellung kann man ihr Biosonar hören, das für uns meist nicht zu vernehmen ist, da sich die Fledermausrufe im Ultraschallbereich bewegen.

Toll ist, wie die Ausstellung die Sinne der Tiere erklärt. An einem Schaukasten kann man vergleichen, wie wir eine Szene bei Nacht sehen und wie sie eine Katze wahrnimmt. Man lernt die besten Riecher kennen und die gewieftesten Lauscher.

Aber auch wie die Thermoortung in Schlangennasen funktioniert und Fische sogar sehr schwache elektrische Impulse spüren können. Einige Tiere erzeugen sogar selbst Licht, aus unterschiedlichen Gründen: zu Paarungszwecken wie die rund 2.000 Arten von Leuchtkäfern - oder Glühwürmchen. Oder um satt zu werden: 90 Prozent der Meeresbewohner in Tiefen von mehr als 150 Metern locken durch Biolumineszenz ihre Beute an.

Kosmische Mechanismen

Eine Menge Informationen gibt es auch über die kosmischen Mechanismen, durch die es überhaupt eine Nacht gibt. Die dunkle Tageszeit hat den Menschen seit jeher fasziniert - und geängstigt. Kein Wunder, dass die Bildnisse der Götter der Nacht in allen Kulturen ziemlich furchteinflößend aussehen. Aber die Ausstellung „Nuit“ trägt sicher auch dazu bei, einen Teil der Furcht vor dem Dunklen zu nehmen. Hochinformativ und sehenswert ist sie auf jeden Fall. Gleich zu Beginn der Ausstellung wird der Besucher mit der Problematik der Lichtverschmutzung konfrontiert. Seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert hat der Mensch die Nacht zum Tag gemacht. Heute strahlen besonders Städte ununterbrochen zu jeder Tageszeit. An immer weniger Orten können wir dadurch noch die Sterne der Milchstraße sehen. Die andauernde Beleuchtung bringt aber vor allem auch die Natur aus dem Takt. Sie desorientiert Tiere wie Zugvögel etwa, von denen zwei Drittel der Arten in der Nacht unterwegs sind, weil es dann gewöhnlich windstiller ist und weniger Raubtiere unterwegs sind. Auch für Insekten ist das künstliche Licht fatal. Von den 160.000 Schmetterlingsarten fliegen rund 90 Prozent bei Nacht und werden durch die menschengemachte Beleuchtung, die selbst Pflanzen aus dem Takt bringt, gefährdet. Das Problem der Lichtverschmutzung ist erkannt und es gibt bereits Normen und Strategien für die Reduzierung der künstlichen Beleuchtung.


„Nuit“ im „naturmusée“ in Luxemburg-Grund dauert noch

bis zum 4. August. Sie begreift auch eine Menge von

Workshops für Kinder und eine Reihe von Konferenzen.

Mehr dazu im Netz: www.mnhn.lu