LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Zweimal Smart Brabus - einmal top, einmal naja

Wir hatten die Gelegenheit zwei verschiedene Modelle der Edel-Minis von Smart zu fahren, den „Smart Brabus ForFour“ und das „Smart Brabus ForTwo Cabriolet“ - beide mit 109 PS. Die Erwartung, dass beide Autos annähernd gleich sind, erfüllte sich nicht. Im Gegenteil - es liegen Welten dazwischen.

ForFour: Erinnerungen an schwarz-gelbe Renner

Alle paar Jahre gelingt es der Daimler-Tochter Smart einen automobilen Wiedergänger - so etwas wie ein Zombie, nur friedlicher - zu kreieren. Fühlte man sich vor zehn Jahre im, leider viel zu früh eingestellten, Smart Roadster mit jeder Pore und jedem Sinneseindruck an den kultigen Honda S 800 - ein winziger Roadster mit astronomischen Drehzahlen - erinnert, so schlägt der aktuelle Smart ForFour Brabus den Bogen zu einer anderen Legende.

Der winzige Unterflurmotor im Heck röhrt kräftig und los geht’s. Der winzige, aber dennoch fünftürige Viersitzer schiebt mit seinen 109 PS ganz kräftig an. Irgendwann übertönen die Windgeräusche den Motor und plötzlich weiß man, woher man das, trotz aller Elektronik, Designspielereien und -hervorragendem - Automatikgetriebe, irgendwie kennt. Der französisch-deutsche Minisportler fährt sich wie ein getunter VW 1303 S, der große „Käfer“ mit der gewölbten Frontscheibe. Nicht nur wegen des Heckmotors, sondern weil der große Smart Brabus auch die Macken des meist gelb-schwarzen Klassikers wiederholt: Die Windgeräusche sind lauter als der Motor, plötzlich entdeckt man die längst vergessen geglaubte Seitenwindempfindlichkeit wieder, die Übersicht nach hinten ist miserabel, die Heizung mäßig - zum Glück gibt es eine Sitzheizung - und er säuft. Keine 15 Liter wie einst der Wolfsburger, aber ein Schnitt von über neun (!) Litern 98er Benzin auf 100 Kilometer ist für ein so kleines Auto deutlich zu viel - trotz der 109 PS. Außerdem: Bei aller Connectivity ist das gute alte Radio zu kurz gekommen, der Empfang ist miserabel.

Zu den Merkwürdigkeiten dieses Mini-Edelsportlers gehört, dass es weder für Geld noch für gute Worte elektrische Fensterheber hinten gibt - einfach weil es hinten keine versenkbaren Fenster gibt. Wer hinten sitzt, muss sich in schlechter französischer Kleinwagentradition mit Ausstellfenstern in den Türen begnügen. Der Mini-Kofferraum lässt sich immerhin durch Umlegen der Rücksitze vergrößern.

Auf der Habenseite stehen ein spannend gestylter Armaturenträger, ein gut zu verstehendes Navi, tolle Sitze und Fahrspaß, hier macht sich das Brabus-Sportfahrwerk sehr positiv bemerkbar.

Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er oder sie für das Paket aus Licht und Schatten 23.000 Euro ausgeben will.

ForTwo Cabrio: Ein echter Minisportler

Das „Smart Brabus ForTwo Cabrio“ unterscheidet sich vom ForFour zunächst nur durch das Fehlen der hinteren Türen und der hinteren Sitze. Erst im klassischen Zweitürer „ForTwo“ merkt man, wie die neue Smart-Generation gegenüber den beiden Vorgängerbaureihen an Breite gewonnen hat. Es gibt kein Auto dieser Größe, das bequemer ist.

Auch wenn das merkwürdige Design dieses Cabrios an eine Mesalliance zwischen Telefonzelle und Roadster erinnert - es ist ein echter Sportwagen.

Hier machen die 109 PS, die sich im Viertürer immer etwas nach angestrengtem Tuning anfühlten, richtig Spaß. Das kleine Ding fährt sich wie ein kleiner Jet, man kann die sprichwörtlichen Kreise um die anderen Verkehrsteilnehmer drehen. Der Winzling hat eine angegebene Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h, das reicht auch völlig aus.

Wer dieses Tempo - natürlich nur im Ausland - ausnutzt, merkt schnell, dass selbst die ausgeklügelste ESP-Elektronik der Fahrphysik eines so kurzen Radstandes nur mit Mühe gewachsen ist. Wer bei 150km/h auf die Bremse muss, merkt wie instabil das Auto wird. Es wedelt. Aber im normalen Fahrbetrieb ist das alles nur Theorie, in der Stadt und auf der Landstraße macht der 109 PS Smart einen sagenhaften Spaß.

Im Gegensatz zum Viertürer ist der Verbrauch mit sieben Litern durchaus akzeptabel. Obwohl das Cabriolet mit rund 25.000 Euro noch einmal zweitausend Euro teurer ist als der ForFour, ist es im Gegensatz zu diesem voll empfehlenswert.