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Behörden gelingen Schläge gegen Betrugsbanden

Mit den modernen Kommunikationsmitteln erhalten auch Kriminelle neue Mittel, um ihre betrügerischen Maschen durchzuziehen. Seit 2014 ist Interpol mit der sogenannten „Operation First Light“ weltweit aktiv, um Banden, welche über das Telefon oder per E-Mail Unternehmen und Privatpersonen um ihr Geld betrügen wollen. Im vergangenen November wurde eine Bande in Süd-Korea aufgelöst und sieben Verdächtige wurden festgenommen. Zwei weitere Verdächtige wurden von China nach Süd-Korea ausgeliefert. Dies schrieb Interpol vorgestern in ihrer Mitteilung. Die Operation habe seit den vergangenen Jahr mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Allen voran sollte dabei natürlich die andauernde Pandemie genannt werden. Insgesamt sind 37 Nationen an der Operation beteiligt.

Millionenbeträge im Spiel

Neben den illegalen Telefonanrufen spielen natürlich immer mehr auch Scam-E-Mails eine Rolle. Hier versuchen die Betrüger, Personen aus Unternehmen auszutricksen und sie dazu zu verleiten, Geldüberweisungen auf die Konten der Kriminellen zu tätigen. In einem solchen Fall haben Interpol, Europol und das „National Central Bureau“ (NCB) zusammengearbeitet, um die Geldtransfers eines sich in Ungarn befindlichen Unternehmens zu untersuchen. Hier waren drei Transfers nach Hong Kong getätigt worden. Der Gesamtwert belief sich auf 8,6 Millionen US-Dollar. Die Transfers konnten dank der erfolgreichen Zusammenarbeit verhindert werden und das Geld fand wieder seinen Weg zurück. Noch einmal 4,2 Millionen waren im Spiel bei einem Fall mit einem deutschen Unternehmen. Auch hier wurde Geld nach Hongkong überwiesen. Glücklicherweise konnte auch dieses Geld wieder seinen Weg zurück zum Ursprung finden.

„Die grenzübergreifende Natur dieser Verbrechen benötigt eine internationale Antwort“, erklärt José de Gracia, Interpols assistierender Direktor für kriminelle Netzwerke. Deshalb sei Interpol genau richtig, um den betroffenen Ländern in diesen Fällen zu helfen. Die Erfolge bei der Operation seien nur möglich gewesen, weil auf höchstem Niveau kooperiert werde.

Social Engineering statt Hacking

Die Banden greifen bei ihrem Treiben nicht etwa auf hochkomplexe Hackingmethoden zurück. Stattdessen werden schlicht menschliche Schwächen ausgenutzt. Mit einigen leichten Kniffen in einem Gespräch lässt sich so Vertrauen aufbauen und die Person auf der anderen Seite der Leitung zu etwas überreden, das vielleicht gar nicht in deren eigenen Interesse ist. Dabei gibt es eine Vielzahl von Maschen. Eine besonders beliebte Version der Kriminellen ist es, in einem großen Unternehmen anzurufen und sich als externer IT-Dienst auszugeben, der sich zurückmeldet. Früher oder später trifft dieser auf einen Mitarbeiter, der tatsächlich ein legitimes Problem hat und kann so im Verlauf des Gespräches zahlreiche Informationen über die Systeme des Unternehmens in Erfahrung bringen.