LUXEMBURG
INGO ZWANK

... auch wenn es ab und zu mit ihm durchgeht: 18,3 Prozent der EU-Bürger ärgern sich über Lärm aus der Nachbarschaft oder von der Straße

Abends noch im Wintergarten sitzen, vielleicht beim Kaminfeuer und ein Glas Rotwein trinken… Idylle pur. Doch schnell kann dieses harmonische Bild getrübt werden, wenn der Nachbar seine Stereoanlage bis zum Anschlag hin aufdreht, die Geburtstagsparty im Haus gegenüber etwas ausartet oder auch wieder mit quietschenden Reifen durch die 30er-Anliegerzone gebrettert wird. Es könnte ja so schön sein, wären da nicht die lieben Nachbarn…

Spitzenreiter mit lärmenden Nachbarn ist Malta

In einer aktuelle Eurostat-Umfrage gab fast ein Fünftel (18,3 Prozent) der Bevölkerung der Europäischen Union (EU) an, dass sie im Jahr 2018 unter Lärm aus der Nachbarschaft oder von der Straße leiden.

Es überrascht nicht, dass dieser Anteil bei den Stadtbewohnern (24,1 Prozent) mehr als doppelt so hoch ist wie bei den Menschen auf dem Land (11,0 Prozent).

Der Anteil der Menschen, die angaben, Probleme
mit Nachbarschaftslärm zu haben, nahm tendenziell mit der Zahl der Personen im Haushalt ab, wie es von Eurostat heißt.

Während fast 21,8 Prozent der Alleinstehenden angaben, durch diese Art von Lärm gestört worden zu sein, waren 18,7 Prozent der Haushalte mit zwei Erwachsenen und nur 16,2 Prozent der Haushalte mit drei oder mehr Erwachsenen von Lärm betroffen. Ebenso gaben mehr Haushalte ohne unterhaltsberechtigte Kinder (19,0 Prozent) an, dass sie betroffen waren, als Haushalte mit unterhaltsberechtigten Kindern (17,2 Prozent).

Der Anteil der Personen, die gegen Lärm protestieren, ist bei Alleinstehenden unter 65 Jahren (26,6 Prozent) höher als bei den über 65-Jährigen (15,7 Prozent).

In Malta und Deutschland leidet einer von vier unter Nachbarschaftslärm

In allen EU-Mitgliedstaaten gab im Jahr 2018 mehr als ein Viertel der Bevölkerung in Malta (28,2 Prozent), Deutschland (27,8 Prozent) und den Niederlanden (27,1 Prozent) an, Probleme mit dem Lärm von Nachbarn oder der Straße zu haben. Es folgen die Einwohner Portugals (23,0 Prozent), Rumäniens (20,1 Prozent), des Vereinigten Königreichs (19,8 Prozent), Zyperns (19,6 Prozent), Griechenlands und Luxemburgs (jeweils 19,3 Prozent). Wobei man festhalten muss, dass im Großherzogtum der Wert von 21,6 Prozent aus dem Jahr 2017 gesunken ist. Am anderen Ende der Skala wurde der niedrigste Anteil in Kroatien (8,0 Prozent) vor Ungarn (8,5 Prozent), Estland (8,6 Prozent), Irland (9,4 Prozent) und Bulgarien (9,4 Prozent) verzeichnet.

Nummer gegen Kummer

Und falls es wirklich zu laut wird, weil die Nachbarn ringsherum vergessen, dass es Menschen gibt, die nachts auch mal schlafen möchten, gibt es hier Tipps: Nicht sofort die Polizei rufen, wenn der Lärm zu heftig wird. Lieber erst einmal mit dem Nachbarn sprechen. Erst wenn Reden nicht hilft, dann sollten die Ordnungskräfte, „die Nummer gegen Kummer“, über 113 informiert werden. Wirklich letztes Mittel sollte dann eine Anzeige wegen Ruhestörung sein.