LUXEMBURG
CAROLINE KNEPPER

Polyamorie: Mehr als nur einen lieben

Das Wort Polyamorie ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus dem griechischen „polys“, viel, mehrere und dem lateinischen, „amor“, Liebe. Die Basis dieser Art der Beziehung besteht darin, dass man mehr als nur einen Menschen lieben kann. In der Praxis bedeutet dies, Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit zu haben. Dabei bleibt man offen und ehrlich zu allen Partnern.

Polyamoreaffine Menschen stellen das Konzept der Zweierbeziehung als einzig akzeptiertes Partnerschaftsmodell infrage. Liebe ist nach ihrer Auffassung kein endliches oder begrenztes Gut, das immer nur für eine Person ausreicht. Dazu gehören nicht One-Night-Stands, Fremdgehen, Affären oder Swingen. Die Beziehungen sind langfristig gedacht, liebevoll, vertrauensvoll und schließen meist die Sexualität mit ein.

Gleichberechtigung aller

Um polyamor zu leben, gehören auch Bedingungen dazu. Die jeweiligen Partner wissen voneinander. Es werden keine Anstrengungen unternommen, um etwas geheim zu halten, es wird nicht gelogen. Das ist der große Unterschied zu heimlichen Affären, Seitensprüngen oder zur „don’t ask-don’t tell“- Philosophie vieler Paare. Zudem sind alle Beteiligten mit den vorhandenen Beziehungen einverstanden oder bereit, Wege zu suchen, dies möglich zu machen. Auch müssen Lösungen gefunden werden, die eine bestmögliche Gleichberechtigung aller bringen.

Es steht jedem Partner offen, selbst mehrere Kontakte zu haben. Poly-Beziehungen sind auf Langfristigkeit und Beständigkeit angelegt. Werte wie Treue werden eher im Sinn von Verbindlichkeit, Loyalität, Ehrlichkeit, Respekt, Verhandlung und Hingabe geschätzt.Es gibt sehr viele unterschiedliche Arten, polyamor zu leben. Es gibt nicht den Einen Poly-Lebensstil. In jeder Partnerschaft müssen eigene Regeln ausgearbeitet werden, die auch immer wieder mal nach Bedürfnis umgeändert werden können, damit sich alle wohlfühlen.

Vieles kann, nichts muss

Häufig gibt es eine Hauptbeziehung, wobei dann jeder der Partner nebenher noch weitere Geliebte hat. Ein Teil lehnt aber eine Hierarchie von Beziehungspartnern ab. Weiter gibt es auch mono-polyamore Beziehungen. Dann hat ein Partner mehrere Beziehungen, von denen der andere weiß und zustimmt, selber aber keine zusätzliche Beziehung möchte.

Polyamore Beziehungen erfordern in der Regel erheblich mehr Aufmerksamkeit, Kommunikation und Zeitmanagement. Das Thema Eifersucht spielt natürlich eine große Rolle. Man muss sich immer wieder mit der eigenen Eifersucht, sowie der des Partners auseinander setzen. Dies bedeutet erheblichen emotionalen Stress, der zu Konflikten führen kann. Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der eigenen Eifersucht ist daher unabdingbar.

Eifersucht gilt weder als ein Zeichen von Liebe, noch Charakterschwäche, sondern als eine Möglichkeit sich selbst weiterzuentwickeln, an sich zu arbeiten. Insbesondere bei schon länger bestehenden monogamen Partnerschaften, die sich der Polyamorie öffnen, kann es sinnvoll sein wenn der eifersüchtigere Partner das Tempo bestimmen darf. Es ist sicherlich nicht der leichteste Weg, den ein Paar einschlagen kann. Vieles kann, nichts muss. Jeder sollte für sich herausfinden welchen Weg er wie und mit wem gehen will.

Bekannte Polyamore waren Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, sie erlaubten einander Zufallslieben zu haben. Und auch Tilda Swinton lebt in einer Dreiecksbeziehung.