LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Collateral Beauty“: Wie kommt man über den Tod eines Kindes hinweg

Regisseur David Frankel begann seine Karriere im amerikanischen Fernsehen, wo er unter anderem sechs Episoden von „Sex and the City“ realisierte. Im Kino war er mit „The Devil Wears Prada“ (2006), „Marley & Me“ (2008) und „Hope Springs“ (2012) erfolgreich. In seinem neuen Film „Collateral Beauty“ geht er ein schwieriges Thema an: Wie bewältigt man den Tod eines Kindes? Dank einiger hochkarätiger Schauspieler gelingt es ihm, seine Geschichte, die sich zwischen Märchen und Melodrama bewegt, mit einer guten Portion Gefühl zu erzählen.

Drei Dinge regieren die Welt

In den ersten Bildern des Films erklärt Howard (Will Smith) seinen Mitarbeitern, dass Liebe, Zeit und Tod das Leben beherrschen. Ein paar Jahre später hat der Tod seiner sechsjährigen Tochter ihn zu einem menschlichen Wrack gemacht. Er baut nur noch mit Dominosteinen komplizierte Strukturen, die er umfallen lässt. Seine drei besten Freunde und Mitarbeiter, Whit (Edward Norton), Claire (Kate Winslet) und Simon (Michael Peña), machen sich Sorgen, da er komplett apathisch geworden ist, und die Firma den Ruin riskiert. Ein Kaufangebot liegt vor, aber dazu brauchen sie Howards Unterschrift. Sie engagieren eine Detektivin (Ann Dowd), die herausfindet, dass er drei Briefe an die Liebe, die Zeit und den Tod geschrieben hat. Whit kommt die Idee, Howard in seiner „neuen“ Welt auszutricksen. Sie engagieren drei Schauspieler, Amy (Keira Knightley), Raffi (Jacob Latimore) und Brigitte (Helen Mirren), die ihm als Liebe, Zeit und Tod begegnen und ihn mit seinen Briefen konfrontieren. Auch wenn Howard nicht wieder auf die reale Erde zurückkehrt, haben ihn diese Begegnungen irritiert. Er sucht zudem eine Selbsthilfegruppe auf, in der Menschen, die ein Kind verloren haben, Hilfe finden. Hier begegnet er Madeleine (Naomie Harris), deren Tochter an einer seltenen Art von Krebs starb.

Liebe und Tod lauern überall

Auch wenn einige Szenen kitschig wirken, wie dass die Geschichte um die Weihnachtszeit spielt und New York wie ein riesiger Tannenbaum aussieht, und viele Banalitäten zu den Themen aufgetischt werden, gelingt es dem Regisseur den Zuschauer in seinem Spiel um Liebe, Zeit und Tod zu fangen - nebenbei bemerkt, wartet der Film mit einer großen Überraschung am Schluss auf. Es ist klar, dass Liebe sowohl glücklich als krank machen kann, aber sie ist allgegenwärtig. Auch den Tod kann man nicht austricksen oder sich den Moment zum Sterben aussuchen. Jedoch kann man die Zeit nutzen, die einem bleibt, um sich von allen Menschen zu verabschieden, die einem am Herzen liegen. Der Titel ist recht komisch ausgesucht. Es ist eine Frau, die Madeleine im Krankenhaus nach dem Tod ihrer Tochter sagt, sie solle auf „collateral beauty“, also begleitende Schönheit (in den deutschen Untertitel steht die verwirrende Übersetzung „verborgen“ zu lesen), achten. Dass damit die Schönheit des Todes gemeint ist, ist sicher nicht der Fall, aber die Erinnerungen an verstorbene Menschen ist schön und auch unerwartete Momente im Leben, zum Beispiel nach dem Tod eines geliebten Kindes, können gut sein, wenn sie das Leben positiv verändern.