Mathematik ist unter den Schülern wohl eines der umstrittensten Fächer überhaupt. Die einen hassen es, andere wiederum lieben es. Das „Journal“ hat mit Gilles Englebert, der dieses Jahr erfolgreich seine 1ère B (section mathématiques-informatique) abgeschlossen hat, über seine Passion zur Mathe gesprochen.
Während seiner gesamten Schulzeit, hat er immer wieder an verschiedenen Mathematikolympiaden teilgenommen und hat dieses Jahr in Belgien sogar den ersten Preis geholt. Dazu motiviert wurde der 18-Jährige seit Beginn seiner Schulzeit im Lycee Athénée.
Wie bist Du auf die Idee gekommen an Mathematikolympiaden teilzunehmen?
Gilles Englebert Meine Schule hat mich dazu motiviert an solchen Wettbewerben teilzunehmen. Mein Mathelehrer, den ich in der siebten Klasse hatte, hatte die gesamte Klasse für die Belgische Mathematikolympiade eingetragen. Danach haben mich meine Mathe-Lehrer immer weiter dazu motiviert an solchen Wettbewerben teilzunehmen, bis ich schließlich an der internationalen Olympiade teilgenommen habe.
Wie läuft so ein Wettbewerb ab?
Englebert Das hängt vom Wettbewerb ab. Es gibt größere und kleinere Mathematikolympiaden. Bei der belgischen Olympiade ist es so, dass man sein Können in zwei Runden unter Beweis stellen muss. Danach findet das Final in Namur in der Universität statt. Es gibt aber auch größere Wettbewerbe, bei denen über 100 Länder ihre sechs besten Leute antreten lassen. Bei einfacheren Olympiaden, bekommt man oft Multiple-Choice Fragebögen. Bei den Schwereren bekommt man oft drei bis vier Aufgaben gestellt, die man innerhalb von vier bis fünf Stunden lösen muss. Hier muss man über Seiten Dinge erklären und beweisen.
Was fasziniert Dich an Mathe?
Englebert Mathe fasziniert mich, weil sie sehr facettenreich ist. Es gibt immer wieder Dinge, die mich zum Staunen bringen, oder die ich so nicht erwartet hätte. Meiner Meinung nach gehört Mathe genauso zur Allgemeinbildung, wie Beethovens siebte Symphonie.
Warum können Deiner Meinung nach viele Leute diese Passion nicht teilen?
Englebert Mathe ist logisch und strukturiert. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Stoff einfach ist und es macht sie auch nicht zugänglicher. Während meinem Training bin ich oft nicht auf Lösungen gekommen. Man muss einfach ein gewisses Durchhaltevermögen mit sich bringen und Motivation haben, um immer wieder weiter daran zu arbeiten. Ein weiteres Problem ist auch, dass viele Leute vermittelt bekommen, dass Mathe „komisch“ oder gar „freakig“ ist.
Was würdest Du tun, um dies zu verändern?
Englebert Ich glaube, es wäre sinnvoll den Schülern einen vielfältigeren und facettenreicheren Unterricht zu bieten. Oft ist es so, dass die Kinder in der Grundschule das Fach „Rechnen“ noch mögen.
Wenn allerdings aus „Rechnen“ auf einmal „Mathematik“ wird, ändert sich diese Meinung schlagartig. Das Problem ist, dass der Stoff immer auf dem vorherigen Schuljahr aufbaut.
Das heißt, wenn man den Stoff vom Vorjahr noch nicht verstanden hat, ist es schwierig im darauf folgenden Jahr darauf aufzubauen. Eine andere Möglichkeit die ich sehe, um Schüler für Mathe zu begeistern, ist sie zu locken. Zum Beispiel: „Wer gut in Mathe ist, geht eine Woche lang nach Argentinien.“ Man muss den Leuten einfach einen Grund geben, sich wieder für Mathe zu begeistern.
Möchtest Du später auch in diesem Bereich arbeiten?
Englebert Ab Herbst beginne ich in Zürich mein Physik-Studium. Laut Studienberatern besteht das Programm aber zur Hälfte aus Mathekursen. Was ich später für einen Beruf ausüben werde, weiß ich allerdings jetzt noch nicht.




