TRIER
CHRISTIAN SPIELMANN

„Romeo und Julia“ in einer aparten Fassung im Theater Trier

Der britische Regisseur Ryan McBryde wurde durch einige aparte Inszenierungen von Theater-Klassikern bekannt, wie „Faust“ in Stuttgart, und seine Fassung vom Musical „Saturday Night Fever“ wird seit der Uraufführung 2013 im „English Theatre“ in vielen Theatern gespielt, wie zum Beispiel am 14. Mai im Ettelbrücker CAPE. Da der neue Direktor des Trierer Theaters Manfred Langner zuvor in Stuttgart tätig war, liegt es auf der Hand, dass McBryde die Chance erhalten würde, auch in Trier seine Ideen auf die Bühne zu bringen. McBryde nahm die Geschichte des bekanntesten Liebespaars der Welt, Romeo und Julia, ins Visier, und präsentiert eine originelle Vision der Ereignisse aus Verona, die William Shakespeare in „Romeo and Juliet“ Ende des 16. Jahrhunderts niederschrieb. Die deutsche Fassung von „Romeo und Julia“ von W. A. Schlegel diente als Basis für die Dialoge, die jedoch gekürzt wurden.

Die Farbe Weiß

Eine weiße Fassade mit zwei Fenstern, eins oben und eins unten, und zwei Türen links und rechts, überragt den Bühnenhintergrund. Vorne stehen zwei weiße, gekachelte Tische, auf denen die Leichen von Romeo (Robin Jentys) und Julia (Anna Pircher) liegen. Ein Pathologe (Manfred-Paul Hänig) und seine Mitarbeiter mit Mundschutz begutachten die Leichen. Als alle weg sind, erheben sich die Toten und gehen durch die nun hell beleuchteten Türen, als würden sie ins Jenseits entschwinden. Auf die Fassade werden digitale Zahlen projiziert und die Schrift „Vor 4 Tagen“, die im Verlauf der Geschichte bis „Vor einem Tag“ absteigt. Die Polizei treibt Protestierende auseinander. Benvolio Montague (Paul Behrens), der Cousin von Romeo, und sein Freund Mercutio (Gideon Rapp) sind unter den Randalierern. Sie begegnen Tybalt Capulet (Dimetrio-Giovanni Rupp), und da die Familien Montague und Capulet verfeindet sind, kommt es zum Streit. Romeo sitzt auf dem oberen Fenster und schreibt Gedichte.

Das Team des Leichenschauhauses baut das Bühnenbild zusammen, und so wird unter anderem aus den Leichentischen ein Badezimmer, in dem Julia in der Badewanne sitzend mit ihrer Mutter Christiana (Stephanie Theiß) und ihrem Vater George (Klaus-Michael Nix) über einen um ihre Hand anhaltenden Grafen (Martin Geisen) diskutiert. Ihre Amme (Barbara Ullmann) hat das Gespräch mit angehört. Im Haus der Capulets steigt derweilen ein Kostümball, zu dem sich Romeo und seine zwei Freunde selbst eingeladen haben. Hier sieht Romeo zum ersten Mal Julia, und es ist Liebe auf den ersten Blick. Eine Beziehung zwischen zwei Mitgliedern der verfeindeten Clans ist nicht möglich, und so treffen sich die beiden heimlich und werden vom Geistlichen Lorenzo (Benjamin Schardt) getraut. Als Tybalt Mercutio tötet und Romeo aus Rache Tybalt, spitzt sich die Situation zwischen den beiden Familien zu. George fordert von Cäsar Montague (Michael Hiller) den Tod von Romeo. Lorenzo gibt Julia ein Elixier, das ihre Temperatur abfallen lässt, so dass alle sie für tot halten werden. Als Romeo von Julias Tod erfährt, besorgt er sich ein Gift. Der Rest dürfte bekannt sein.

Fatale Liebe

Das Originelle an McBrydes Inszenierung ist das Leichenschauhaus, das zur Spielstätte der Geschichte wird. Im obersten Fenster beobachtet der Pathologe das Geschehen, während seine Mitarbeiter die Szenerie umbauen. Sie warten eigentlich auf die nächsten Toten, wie Tybalt und Mercutio, die ebenfalls von hier die Reise ins Licht antreten. Man könnte das morbide Ambiente als Anspielung auf aktuelle Konflikte ansehen, die von Menschen mit ihrem Leben bezahlt werden und Leichenhallen füllen.

Der Regisseur benutzt auch Filmmusik, um die Szenen zu untermalen, oder zum Beispiel die von den Titeln her vielsagende Songs „A Little Party Never Killed Nobody“ von Fergie oder „I Go to Sleep“ von den „The Pretenders“. Die Texte klingen auch nicht verstaubt, sondern in der Rezitationsweise der Schauspieler ganz modern. Einzig die Umbauten stören zu Momenten den Rhythmus dieser originellen Variante des weltbekannten Klassikers.

Die nächste Vorstellung ist am 30. März um 19.30. Sechs weitere Aufführungen stehen bis zum 18. Juni auf dem Programm. Weitere Infos und Tickets unter www.theater-trier.de