CORDELIA CHATON

Der Spruch „Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa“ sollte Männern wie Jean-Claude Juncker und Martin Schulz zu denken geben. Nicht nur, weil es um alte Männer geht, sondern vor allem, weil es zeigt, wie schlecht es um eine Institution bestellt ist, die sie maßgeblich repräsentieren respektive repräsentiert haben.

Kommenden Monat feiert die EU ihren 60. Geburtstag. Da lohnt es sich, mal einen Blick auf die Erfolge zu werfen. Denn als die Römischen Verträge 1957 unterzeichnet wurden, dachten die ersten Mitglieder vor allem an Wirtschaftswachstum. Mittlerweile ist Europa viel mehr. Es ist eine Union, es ist eine Werteeinheit, es ist ein Ort des Austausches zwischen jungen Menschen. Das Erasmus-Programm gehört zu den größten Erfolgen innerhalb der EU und hat vielen Menschen erst klar gemacht, was Europa sein kann.

Seien wir ehrlich: Es gibt Tausende von Menschen, die ihr Leben riskieren, um nach Europa zu kommen. Während wir neidisch auf das Wirtschaftswachstum in China blicken, sehnen sich die Chinesen nach einer Luft, die so sauber ist wie in Europa. In den Mega-Metropolen träumen sie von Parkanlagen und auf dem Land bauen sie Klein-Europa nach. Und die USA, die einst das hehre Idol von Freiheit und Demokratie waren, kämpfen damit, eine Krämerseele mit Twitter-Manie in ihre Schranken zu weisen. Von Amtsenthebung und Attentaten ist gar die Rede. Nacheifern mag da keiner.

Wir aber leben seit Jahrzehnten ohne Krieg, versorgen unsere Alten, schützen die Behinderten, bringen Flüchtlinge unter, bewachen gemeinsam die Küsten und organisieren Verteidigung und Menschenrechte. Warum nur wird das so schlecht verkauft?

Oh, sagen einige, Martin Schulz war super, der brachte Europa näher an die Menschen. Der Ex-Präsident des EU-Parlaments ist derzeit die SPD-Hoffnungsfigur. „Wenn Martin Schulz ins Wasser springt, wird er nicht nass. Das Wasser wird sozialdemokratisch“, lautet eine der Mikro-Hymnen, die es auf ihn gibt. Gleichzeitig werden die unschönen Seiten des Mannes mit dem 320.000 Euro-Gehalt bekannt: Pöstchenschachern für Günstlinge, Brechen von Absprachen, die einen Antonio Tajani als Nachfolger erst ermöglichten, ausweichen, wenn es um konkrete Positionen geht. Fazit: Schulz hat Europa volksnah gemacht, aber den Versuchungen der Macht nicht widerstanden.

Und Jean-Claude Juncker? Der sich bei seinem Wahlkampf für das Amt des Präsidenten der EU-Kommission „neu in Europa verliebt“ haben will und mit seinen Sprachkenntnissen und seiner Erfahrung prädestiniert schien? Er gibt sich seinem Frust hin. „Die Zahl der Bereiche, in denen wir solidarisch zusammenarbeiten, ist zu klein“, äußerte er sich zuletzt im Herbst 2016. „Die Europäische Union befindet sich in einer existenziellen Krise.“ Er jammert über Briten und will kein zweites Mandat.

Wer Europa gerade in diesen Zeiten zusammenhalten will, braucht positive Visionen einer besseren Welt, muss präsent sein und eine einfache, klare Sprache sprechen. EU-Liebhaber, bitte melden, wir müssen eine tolle Idee besser verkaufen. Mit solchen Opas wird das nichts.