ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN SPIELMANN

„Blue Man Group“-Show in der Rockhal

Eine Reihe junger Künstler hatten 1987 die Idee, sich blau anzumalen und im New Yorker Central Park aufzutreten. Schließlich blieben nur zwei Trommler, Matt Goldman und Phil Stanton, und ein Entwickler von Software, Chris Wink, übrig, die an der Idee festhielten und ein Jahr drauf die „Blue Man Group“ gründeten. Seit 1991 tritt die Gruppe im Off-Broadway-Theater „Astor Place“ auf. Auch in Boston, Chicago, Orlando und Las Vegas wird ihre Show seit Jahren gezeigt.

In Deutschland traten die Männer in blau erstmals 2004 in Berlin auf, wo dann 2007 ein Imax-Kinotheater am Potsdamer Platz zur permanenten Aufführungsstätte der „Blue Man Group“, dem BlueMax-Theater, umgebaut wurde. In Luxemburg traten die blauen Musiker ein erstes Mal 2017 auf, und wegen des großen Erfolgs sind sie nochmal in die Rockhal zurückgekehrt.

Musik und Comedy

Auf einer Spielfläche über der Bühne zeigen die Blue Men (Brian Tavener, Benedict Smith und Thom Rackett) erst einmal, was Trommeln bedeutet. Während einer trommelt, gießen die beiden anderen gefärbtes Wasser auf die Membrane, was zu interessanten farbigen Spritz-Effekten führt, wenn die Flüssigkeit unter den Vibrationen hochschnellt. Sie werden von vier weiteren Musikern begleitet, die links und rechts auf der Etage auf Perkussions- und Streichinstrumenten musizieren. Dann wirft ein blauer Mann den beiden anderen Marshmallows zu, die sie mit dem Mund fangen - 13 Stück hat einer schließlich im Mund. Recht unappetitlich wirkt dagegen das Herauswürgen in Pyramidenform.

Man merkt, dass das Konzept der Show geändert und Hightech sie fest im Griff hat, als die drei Blauen ein Passwort in drei Handys eingeben müssen, um Solitär zu spielen. In „Modern Plumbing“ spielen sie auf großen Abwasserrohren, was der ursprünglichen Idee der Show entspricht, auf den unmöglichsten Utensilien zu musizieren.

Die drei stürmen ins Publikum - die Bilder werden auf einen großen Bildschirm übertragen - und nehmen bei einem Zuschauer eine Gastroskopie vor - natürlich sind es nicht die Aufnahmen der Speiseröhre des Besuchers. Anschließend entführen sie eine Zuschauerin auf die Bühne und organisieren mit ihr ein Festessen (Feast Picking). Diese Szene zieht sich unnötigerweise in die Länge. Ein überraschender Moment folgt, als sie sich wieder auf das Musizieren auf PVC-Rohren besinnen. Neben Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ und der „Lonely Lovers Symphony“, alias der Rockfassung von Beethovens „Für Elise“, erklingt dann der „Hämmelsmarsch“.

Mitmach-Aktionen

Mit den „Rock Concert Movements“ wird das Publikum via animierte Bilder angespornt, die Arme in alle möglichen Richtungen zu bewegen. Einer der Blauen schlägt mit einem riesigen Trommelstock auf die „Big Drum“, eine Kesselpauke von rund zwei Meter Durchmesser, während die beiden anderen, auf sogenannten Air Poles - Ruten aus Glasfaser-verstärktem Kunststoff - musizierend den Trommler und die vier anderen Musiker begleiten.

Dann fliegen riesige, leuchtende Luftballons durch die Halle. Und wiederum wird ein Zuschauer herausgesucht, der dann einen Overall anzieht, um als Modell eines Bildes herhalten muss. „Ready Go“ heißt dann das Finale, dem aber noch eine Trommel-Zugabe folgt.

Seit dem Bestehen der „Blue Man Group“ hat sich viel geändert. Computeranimationen bestimmen viele Szenen. Die Musik wird immer noch in größter Perfektion vorgetragen, doch die Rhythmen ähneln sich. Verschiedene Gags, die wegen der schweigsamen Hauptfiguren an die Zeit der Stummfilmära anlehnt sind, können gefallen, andere sind dagegen eher unappetitlicher Natur.

Der Show fehlt heute die Faszination, die vom Musizieren auf ungewöhnlichen Instrumenten ausgeht und der Fähigkeit, flotte Melodien erklingen zu lassen. Heute dominiert die Computer-Technik zu sehr, als der menschliche Umgang mit der Musik.