LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

„Matinée InterLycées“: Schüler diskutieren über Dringlichkeit der Kreislaufwirtschaft

Na, wer will‘s haben? 50 Euro?“ Romain Poulles zeigt ein iPhone in die Runde. Keiner der hunderten Schüler, die sich zur „Matinée d‘Etudes InterLycées“ im „Athénée de Luxembourg“ versammelt haben, meldet sich. Vielleicht, weil jeder weiß, dass es sich um ein Modell handelt, mit dem sie heute recht wenig anfangen könnten.

Vielleicht aber auch, weil der Präsident des „EcoInnovation Cluster“ mit einem Hammer auf die Bühne getreten ist. Die Aufmerksamkeit der Zuhörer hat er jedenfalls erreicht. Das Smartphone aber will auch umsonst niemand haben. Dabei ist das ausgemusterte iPhone eigentlich Gold wert. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn neben Gold sind rund 40 andere seltene Materialien in dem Smartphone verbaut, die eigentlich wieder genutzt werden könnten.

Völlig ineffizient

Das Gerät ist aber nicht gemacht, um leicht auseinander gebaut zu werden - Poulles demonstriert das mit dem Hammer - genausowenig wie die meisten anderen Elektronik-Produkte auf dem Markt. Jedes Jahr landen 40 Millionen Tonnen davon auf dem Müll, während immer weiter Raubbau am Planeten betrieben wird, um Rohstoffe für die „lineare Wirtschaft“ zu gewinnen. Linear bedeutet: gekauft, benutzt, weggeworfen. Wobei die Zeitspanne zwischen Schritt Eins und Drei oft relativ kurz ist.

Ähnlich ineffizient gehen wir mit den Energieträgern um, die uns - noch - zur Verfügung stehen. Irgendwann, aber noch in diesem Jahrhundert, werden die Rohstoffe alle sein. Und dann?

Dann werden die jungen Leute, die sich gestern im Athenäum eingefunden haben, mit dieser neuen Lage in einer Welt mit deutlich mehr Bürgern zurechtkommen müssen. „Alles wird ändern in diesem Jahrhundert. Die Art und Weise wie wir konsumieren, wie wir uns fortbewegen, wie wir zusammenleben“, sagt Poulles, „und ihr seid im Herzen dieses Wandels, den man über sich ergehen lassen kann, oder den man aktiv mitgestalten kann“.

Der Wandel sei bereits eingeleitet, sogar große Konzerne, die ein Interesse haben, immer mehr zu verkaufen, hätten sich angeschlossen. „Es reicht nicht, den Impakt der Menschen auf die Erde zu verringern, wir brauchen Produkte, die eine positive Wirkung auf die Erde, die Menschen und deren Brieftasche haben“, unterstreicht der Redner. Recycling ist schon länger bekannt, aber es geht um mehr: „Circular Economy“ heißt das Konzept, oder vielmehr die „Philosophie“, mit dem sich die Schüler bereits im Vorfeld der „Matinée“ intensiv beschäftigt und eine Menge Fragen an die anwesenden Experten vorbereitet hatten. Es geht um die Rückführung von so vielen Materialien wie möglich in einem Erzeugnis in den wirtschaftlichen Kreislauf. Dazu muss ein Produkt komplett anders gedacht werden, von der Verwendung der Basis-Rohstoffe, über das Design, das Reparatur oder Recycling leichter macht, bis hin zu den Verkaufsstrategien, der Finanzierung - und dem Gebrauch natürlich.

Produkte als Service

Längst bieten Unternehmen Erzeugnisse als „Service“ an. Sie stellen eine Lampe oder eine Jeans zur Verfügung, die sie bei Defekten zurücknehmen und reparieren. Oder Fahrräder. Waschmaschinen und Autos, die man nicht kaufen muss, sondern gegen ein Entgelt benutzen darf, wann und wo man sie gerade braucht. Sogar Gebäude beginnen nach den Kriterien der Kreislaufwirtschaft entworfen zu werden. „Die Bewegung ist da“, sagt Romain Poulles hoffnungsvoll, „und alle großen Akteure sind dabei, sie sich anzueignen“. Mudjeans, CircularClockWorks aber auch die Europäischen Investitionsbank, zeigten ihre Sicht der „Circular Economy“ auf, während Wirtschaftsstaatssekretärin Francine Closener und Umweltstaatssekretär Camille Gira erklärten, wie die Behörden die Entwicklung unterstützen.

Alle Beteiligten an dieser „Matinée“ nahmen auf jeden Fall reichlich „Futter für Gedanken“ mit nach Hause.