LUXEMBURG/ BARTRINGEN
CORDELIA CHATON

Traditionsgeschäft Linster Bureautique beendet nach 113 Jahren Geschäftstätigkeit

Das Luxemburger Geschäft für Büromöbel und -bedarf, Linster Bureautique aus Bartringen muss zum Jahresende schließen. Das gab der Familienbetrieb durch Jean-Luc Linster gestern per Pressemitteilung bekannt. Der Schritt erfolgt nach mehreren verlustreichen Jahren, wie Linster mit großem Bedauern feststellte. Im Gespräch mit dem „Journal“ verwies er auf die Schwierigkeiten kleiner Einzelhändler. „In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Entscheidungen für Einkäufe außerhalb des Landes getroffen, oft für große Konzerne oder aber für das Internet“, beobachtet der 48-Jährige, der seit gut 25 Jahren im Familienbetrieb arbeitet. Linster
Bureautique hatte zuletzt 21 Mitarbeiter beschäftigt. Laut Jean-Luc Linster hat einer bereits gekündigt. Drei weitere Mitarbeiter sollen in ein neues Unternehmen übernommen werden, das Jean-Luc Linster plant. Für den Rest stehen Entlassungen an.

Das neue Unternehmen, das Jean-Luc Linster plant, heißt Linster Business Services. „Wir werden über Linster Business Services Büromaschinen wie Drucker, Kopierer oder Projektoren verkaufen und uns insbesondere um die Wartung kümmern“, sagt er. Das neue Unternehmen stehe auf Wunsch jenen Kunden zur Verfügung, die weiter die Dienste von Linster in Anspruch nehmen wollten. Für Linster Business Services ist Jean-Luc Linster derzeit auf der Suche nach einem gut zugänglichen, rund 100 m² großen Ladenlokal mit zwei Büros und einem Showroom.

Rückblick auf ein Traditionsunternehmen

Linster Bureautique, das bis Jahreswende schließt, wurde 1906 von Jean-Baptiste Linster gegründet, der sich auf Schulmöbel und -bedarf konzentrierte. Von 1923 bis 1964 leitete Aloyse Linster das Unternehmen und dehnte das Angebot auch auf Büromaschinen und -möbel aus. Ab 1931 befand sich der Sitz in der Rue Glesener in der Hauptstadt, zunächst auf der Nummer 28, ab 1951 dann auf der Nummer 13. 1964 übernahmen die Söhne von Aloyse Linster, Robert und Gaston, das Geschäft. 1972 waren sie die ersten Kunden von Brother International. 2006 zog Linster Bureautique in die Industriezone „Bourmicht“ in Bartringen. Gleichzeitig übernahmen die Söhne von Gaston Linster, Marc und Jean-Luc Linster. Robert Linster war schon 1994 aus dem Unternehmen ausgeschieden.

2006 verlegte Linster Bureautique seinen Sitz von der Stadt nach Bartringen und nannte ihn Buropolis. Das Gebäude in Bartringen war angemietet. Gleichzeitig fand ein Wechsel in der Direktion statt. Gaston Linster übergab die Leitung seinen Söhnen Marc und Jean-Luc Linster. Die kannten das Geschäft bestens. „Schon als Junge habe ich in den Ferien dort mitgeholfen und den Hof gekehrt“, erinnert sich Jean-Luc Linster, der der vierten Generation angehört.

Er meint zum mangelnden Geschäftserfolg: „Wir haben im Geschäft ein gutes Konzept gehabt.“ Gründe dafür, dass es trotzdem nicht geklappt hat, sieht er in der Entwicklung hin zu Entscheidungen in Konzernzentralen fernab von Luxemburg, die vor allem den Bereich des Bürobedarfs betroffen hätten. Dort werde immer mehr online bestellt. „Als wir das Projekt geplant hatten, war die Evolution damals nicht absehbar“, kommentiert er. Das neue, geplante Geschäft wird seiner Meinung nach funktionieren, weil es sich an den Profibereich wendet, in dem weniger online läuft - auch, wenn Linster Bureautique online Dienstleistungen anbieten will.