LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Vicky Krieps in einer Nebenrolle in „The Girl in the Spider’s Web“

Der schwedische Journalist und Schriftsteller Stieg Larsson erlangte erst nach seinem Tod im Jahr 2004 Weltruhm. 2005 wurde sein Buch „Män som hatar kvinnor“ (übersetzt: Männer, die Frauen hassen; deutscher Titel „Verblendung“) postum veröffentlicht. Es folgten „Flickan som lekte med elden“ (Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte; „Verdamnis“) und „Luftslottet som sprängdes“ (Das Luftschloss, das gesprengt wurde; „Vergebung“). Die drei Bücher wurden auch unter dem Titel „Millennium-Trilogie“ bekannt, nach dem Namen der Zeitschrift „Millennium“, die darin vorkommt. In Schweden wurden die Geschichten zwischen 2008 und 2009 verfilmt, mit Mikael Nyqvist als Journalist Mikael Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander. 2011 entstand in Amerika ein Remake des ersten Teils unter der Regie von David Fincher, mit Rooney Mara als Lisbeth. Ein weiterer schwedische Schriftsteller, David Lagercrantz, erhielt vom Buchverlag Norstedts den Auftrag, eine Fortsetzung zu schreiben, die den deutschen Titel „Verschwörung“ trägt und 2015 erschien. Zwei Jahre später kam „Verfolgung“ auf den Markt. Der uruguayische Regisseur Fede Alvarez, der mit „Don’t Breathe“ einen internationalen Kinoerfolg feiern konnte, hat nun diese neue Geschichte unter dem Titel „The Girl in the Spider’s Web“ verfilmt.

Eine Familiengeschichte

Lisbeth (Beau Gadsdon) und ihre Schwester Camilla (Carlotta von Falkenhayn) spielen Schach, als ihr Vater (Mikael Persbrandt) sie zu sich ruft. Er will sich sexuell mit ihnen vergnügen. Lisbeth wehrt sich, stürzt vom Balkon des Hauses und flieht. Jahre später ist sie (nun Claire Foy) auf der Suche nach verdorbenen brutalen Männern, die sie zur Rechenschaft zieht. Sie wird von Frans Balder (Stephen Merchant) beauftragt, ein Programm zu klauen, das fähig ist, alle Zugangscodes zu den Nuklearwaffen weltweit zu knacken. Die Aktion glückt, aber eine Schererei nach der anderen kommt auf sie zu. In Stockholm verfolgt sie der NSA-Agent Ed Needham (Lakeith Stanfield). Auch die Chefin des schwedischen Sicherheitsdienstes Gabriella Grane (Synnøve Macody Lund) ist ihr auf den Fersen. Selbst der Journalist Mikael Blomkvist (Sverrir Gudnason) wird wieder aktiv, als seine Kollegin Erika Berger (Vicky Krieps) ihn dazu anspornt. Plötzlich taucht Lisbeths Schwester Camilla (Sylvia Hoeks) auf, die eigentlich tot sein sollte, wie ihr Vater.

Und wieder ist alles möglich

Erzählten die schwedischen Verfilmungen von Larssons Trilogie noch extrem originelle und spannende Geschichten, so haperte es damit bei dem US-Remake. Bei dieser vierten Auflage glaubt man sich in einem Fantasieland der Extraklasse. Lisbeth beherrscht alle Feinheiten der Computertechnik, hackt alle Systeme mit links, hat all ihre Verstecke mit den allerneusten Sicherheitsstandards ausgestattet, kann auf Knopfdruck Türen aufmachen und sogar ein Auto lahmlegen. Und zum Schluss kommt das Gewehr der Gewehre zum Einsatz - so etwas hat die Welt noch nicht gesehen! Sachen gibt’s, die einfach hirnverbrannt sind. Werden die Zuschauer von den Filmemachern als komplett debil gehalten? Einen Film wie diesen sollte eigentlich jeder boykottieren. Aber die anderen Action-Filme sind nicht besser, und in absehbarer Zukunft werden sie es auch nicht. Die Luxemburgerin Vicky Krieps spielt die Rolle der Journalistin Erika Berger, eine Kollegin und heimliche Freundin von Mikael Blomkvist. Sie ist nur sehr kurz zu sehen.