LUC SPADA

Freunde haben mir geraten, Listen zu erstellen. Das schafft Ordnung. „Listen sind wirklich wichtig“, sagen die Freunde. Ich habe Hunger, ich will kochen, um das Gekochte anschließend zu essen. Perfekt. Jetzt mache ich eine Einkaufsliste, um zu üben. Auf diese Liste kommt alles, was ich heute brauche. Fleisch, Fleisch brauche ich, Bio-Fleisch, selbstverständlich. Wenn es kein Bio-Fleisch mehr gibt, dann werde ich Vegetarier oder noch besser: Veganer. Das wäre nicht wirklich ein Problem für mich. Als Veganer kann ich auch vieles essen. Vegane Würstchen. Veganes Eis. Vegane Pommes. Vegane Milch, das geht natürlich nicht. Weil Milch kann nicht vegan sein, weil Pflanzen keine Milch machen können. Aber Würstchen können unter Umständen noch vegan sein, wenn man die Pflanzen so zusammenquetscht, dass sie wie Würstchen aussehen, Pflanz-Wurst. Aufatmen, Glück gehabt.

Und wenn gar nichts mehr geht, dann esse ich Plastik, davon gibt es auf jeden Fall genug, und ich tue etwas Gutes für die Umwelt. Und vegan müsste das auch sein.

Aber es soll nicht nur Bio-Fleisch sein, auch eine Flasche Prosecco, um mit meinen homosexuellen Freunden auf die „Ehe für alle“ in Deutschland anzustoßen. Schön, dass die Deutschen jetzt auch so weit sind. In Luxemburg ist das schließlich längst schon kein Problem mehr. Merkel hat gegen die „Ehe für alle“ gestimmt, getreu nach dem „Milch-Prinzip“, weil Ehe immer „Mann und Frau“ einschließt, wenn allerdings die Ehe zwei Gleichgeschlechtliche inkludiert, kann es irgendwie keine „Ehe“ sein. Definitionssache, sagt man. Prinzipien, glaubt man.

Dann brauche ich Beilagen. Tomaten. Die müssen auf jeden Fall regional sein, um Benzin für die Welt zu sparen. Die Tomate, so Freundin L., sie ist nicht nur eine Gemüseart, sondern irgendwie auch Obst, so genau verstanden habe ich das nicht, aber man kann es bei Wikipedia nachlesen oder Google fragen: „Tomate kein Gemüse?“.

Vielleicht Spargel. Okay Google, ich habe noch eine Frage: „Kann ich im Juli noch Spargel kaufen?“. Ergebnisse, aha, „gutefrage.net“ hat immer die richtigen Antworten auf gute Fragen. Als hilfreichste Antwort wurde bewertet: „Spargel wird bis zum Johannistag offiziell gestochen und verkauft. Aber privat könnte es sein, dass es den dann noch ein paar Tage länger gibt. Schwarzwurzeln und Blumenkohl sowie Brokkoli sind für eure Zwecke auch nicht schlecht.“ Johannistag ist der Tag, wenn auch so nicht offiziell anerkannt, an dem Luxemburger ihren Rausch ausschlafen, sprich: 23. Juni. Mist, ich bin etwa eine Woche zu spät dran. Dann halt Kartoffeln. Kartoffeln sind, entgegen vielen Behauptungen von Ahnungslosen, kein Gluten. Ich MUSS es wissen, schließlich darf ich mich seit mehr als einem Jahrzehnt mit Zöliakie herumschlagen. Ach verdammt, jetzt regnet es auch noch.

Ich bleibe zuhause und bestelle mir Essen nach Hause. Ich hasse Listen.