LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Luxemburger Autoren und das Ausland: Wie könnte diese Hürde überwunden werden?

Die Wahrnehmung der Luxemburger Literatur außerhalb der nationalen Grenzen war am Dienstagabend Gegenstand einer Diskussionsrunde in der „Librairie Ernster“. Die Frage, welche Schlüsselfunktion die Übersetzungen dabei einnehmen, wurde unter der Moderation von Jérôme Jaminet ebenfalls aufgeworfen. Dieser sprach gleich zu Beginn von einer „relativen Unsichtbarkeit der hiesigen Kultur und Literatur im Ausland“. Auf der Frankfurter Buchmesse war Luxemburg zuletzt vor fünf Jahren mit einem Stand vertreten. „Luxemburger Literatur, ja das gibt es“, lautete damals die Überschrift.

„Vieles liegt im Argen, aber es gibt auch Hoffnung“, sagte Jaminet. Die Zahl der Übersetzungen hätte in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Insgesamt tue sich viel in dem Sektor, was nicht zuletzt den luxemburgischen Gewinnern des Europäischen Literaturpreises zu verdanken sei, deren Bücher zumindest in Teilen übersetzt wurden, im Falle von Jean Back, Preisträger 2010, sogar komplett und das noch dazu in mehrere Sprachen. Neben ihm beteiligten sich auch Gast Groeber, Preisträger 2016, und Tullio Forgiarini, Preisträger 2013, sowie die Übersetzerin Teresa Ruiz Rosas an der thematischen Diskussion.

Mehr Aufmerksamkeit durch Literaturpreis

Jean Back kannte den Europäischen Literaturpreis eigentlich nicht, wie er zugab. Wenige Tage nach der Bekanntgabe seien die ersten Anrufe bei ihm eingegangen, insbesondere aus dem osteuropäischen Raum. Innerhalb von zwei bis drei Jahren hätten sich mehrere Verleger darum bemüht, das Buch „Amateur“ in ihrem Land und ihrer Sprache auf den Markt zu bringen. Ob die Übersetzungen tatsächlich gelungen seien, könne er nicht sagen, da er der Sprache - Bulgarisch und Ungarisch beispielsweise - nicht mächtig sei, sagte Back mit einem Augenzwinkern. „Man muss dem Verlag vertrauen“, fügte er hinzu.

Aus Tullio Forgiarinis Buch „Amok“ in luxemburgischer Sprache wurde bislang zumindest ein Auszug ins Englische übersetzt. Anfragen, das Buch in einer Übersetzung zu verlegen, seien wohl gekommen, etwas Konkretes habe sich bislang jedoch nicht ergeben. Luxemburgisch als Literatursprache stelle erst einmal ein gewisses Handicap dar. „Ich wurde oft gefragt, ob ich nicht einen Auszug auf Französisch oder Englisch hätte, den man den Verlegern zukommen lassen könnte“, sagte Forgiarini. Für bestimmte Geschichten würde sich aber nun einmal eine bestimmte Sprache anbieten, gab er zu bedenken. Es bestehe die Gefahr , in Übersetzungen nicht den richtigen Ton zu treffen.

Tücken beim Übersetzen

Gast Groeber wurde 2016 für sein Buch „All Dag verstoppt en aneren“ ausgezeichnet und hat erste Kontakte in Osteuropa geknüpft. Ein Problem sieht aber auch er im Luxemburgischen. Eine Passage wurde indes von Nathalie Ronvaux ins Französische übersetzt. Der Austausch mit dem Übersetzer sei dabei wesentlich, wie auch Teresa Ruiz Rosas bestätigte, die mehrere Werke von Roger Manderscheid ins Spanische übersetzt hat.

Richtiges Gleichgewicht

„Im Idealfall spricht man mit dem Autor, stellt ihm Fragen und lernt so nicht nur ihn, sondern auch seine Art und Weise, sich auszudrücken, kennen, folglich sein Universum an Redewendungen. Es gibt schließlich immer mehrere Möglichkeiten, etwas zu übersetzen. Die Chance hatte ich bei Roger Manderscheid leider nicht, da er zu jenem Zeitpunkt bereits verstorben war, jedoch habe ich mich mit Guy Rewenig über ihn und sein Werk unterhalten können, was hilfreich war“, erklärte sie. Jaminet warf daraufhin die Frage auf, ob der Übersetzer ein neues Kunstwerk in einer neuen Sprache erschaffe oder ob es vielmehr darum gehe, das Originalwerk bestmöglich zu reproduzieren. „Meiner Meinung nach ist die ideale Übersetzung jene, die in der Lage ist, ein neues Kunstwerk zu erschaffen, ohne dass dabei jedoch die Seele des Buches verloren geht. Man muss das richtige Gleichgewicht finden“, antwortete Teresa Ruiz Rosas.

„Brauchen wir eine Literaturagentur, die sich dafür einsetzt, dass unsere Bücher im Ausland gelesen werden, die eine Vermittlerposition übernimmt?“, fragte der Moderator in einer nächsten Runde.

Notwendigkeit einer Literaturagentur

Diese Idee sei während der „Assises culturelles“ diskutiert worden, die Notwendigkeit bestehe, antwortete Back. Daraufhin trat Dirk Sumkötter, Direktor der „Librairie Ernster“ und Präsident der Buchhändlervereinigung ans Mikro. „Die Idee ist super, weil wir an der momentanen Situation etwas kranken. Mit den bescheidenen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, versuchen wir unsere heimische Literatur natürlich weiterzubringen. Ich bedauere, dass der Gedanken während der ,Assises‘ etwas verwässert wurde. Das Projekt ,Literaturagentur‘ als einer Art Drehscheibe für heimische Literatur ging ein bisschen unter. Kurz- oder mittelfristig gibt es meiner Ansicht nach aber keine Alternative dazu. Wenn wir nicht relativ zügig einen professionellen Zugang zu dem Thema gewinnen, sehe ich keine deutliche Verbesserung in diesem Bereich“, bemerkte Sumkötter. Dass Verleger ungern Risiken eingehen und deshalb eher auf die Übersetzung und Publikation von Bestsellern setzen, war indes jedem der Diskussionsteilnehmer an diesem Abend klar.

Frankfurter Buchmesse: Gemeinsamer Stand unter dem Motto „Literatur der Kleinen“?

Am Ende der Debatte stellte Jérôme Jaminet eine interessante Idee in den Raum, die er dem Kulturministerium bereits unterbreitet hat. Nach 2020 hätte Luxemburg wieder die Möglichkeit, Präsenz bei der Frankfurter Buchmesse zu zeigen. Jaminet schlägt einen Zusammenschluss der kleinen Länder vor, dies in gewisser Weise nach dem Modell der Spiele der kleinen Staaten. „Unter dem Motto ‚Literatur der Kleinen‘ beispielsweise könnte Luxemburg mit Ländern wie Malta, Island und so weiter einen Stand ausrichten. Wenn wir jetzt die Kandidatur einreichen würden, könnten wir nach 2020 wieder dabei sein. Voraussetzung ist, dass sich die Kulturministerien koordinieren und gemeinsam etwas in die Wege leiten“, erklärte er.