CORDELIA CHATON

Der Al-Thani-Familie gehören nicht nur hier Banken

Hamad Bin Jassim Al-Thani hat zwei Dinge, von denen die meisten Menschen gerne auch recht viel hätten: Geld und Zeit. Seit seinem Rückzug aus der Politik ist der mächtige Mann aus Katar vor allem als Großinvestor tätig. Zuvor hatte er ab 2003 zehn Jahre lang den Staatsfonds Quatar Investment Authority (QIA) geprägt.

Staatsfonds gibt es viele auf der Welt. Ihr Sinn ist es, vor allem für die Zukunft vorzusorgen und den Risiken einseitiger Geldquellen - wie beispielsweise Erdöl oder Erdgas - etwas entgegen zu setzen. Es gibt zwar regelmäßig Veröffentlichungen. Aber wie viel Geld insgesamt dahinter steckt, weiß kein Mensch. Für den QIA sind es geschätzt 256 Milliarden US-Dollar. Das ist zwar weniger als Norwegen in seinem Fonds hat. Aber immer noch genug, um ganz massiv einzukaufen, von Immobilien über Fußballklubs bis hin zu Banken.

Dem QIA gehören neben Anteilen an Porsche und Volkswagen, der Royal Dutch Shell, dem spanischen Stromerzeuger Iberdrola, dem französischen Baukonzern Vinci sowie seinem Dienstleister Cegelec, dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore und dem britischen Supermarkt Sainsburys sowie dem Edelkaufhaus Harrod’s unter anderem Anteile an der Agricultural Bank of China, der spanischen Banco Santander, der drittgrößten britischen Bank Barclays und der Deutschen Bank, demnächst vielleicht die Formel 1.

Frisch dazu gekauft hat der Fonds auch interessante Immobilien wie Printemps und das Royal Monceau in Paris oder den Sitz von HSBC in London, der als teuerste Immobilieninvestition des vergangenen Jahres gilt. Besonders auffällig war noch der Kauf des Londoner Finanzdistrikts, der City, sowie 20 Prozent der Anteile an der Londoner Börse. Auch Canary Wharf, die Chelsea Baracks und der Shard Tower profitierten von Dollars aus Katar. Für den Fußball blieben die Kataris allerdings Paris treu und investierten in den Paris Saint Germain. All das zeigt, wie gestreut wird: Finanzinstitute in Europa, Immobilien und namhafte Konzerne sind gefragt. Auch wenn al-Thani in die Medienholding Lagardère und die Airbus-Mutter EADS investiert: Banken bleiben ein Schwerpunkt. So gibt es Beteiligungen an dem Credit Suisse und der belgischen KBC sowie der Dexia.

Al-Thani gilt als Schlüsselfigur in seinem Land. Er war Ministerpräsident und Außenminister von Katar. Doch er gab alle Posten auf, als der Emir Hamad Bin Khalifa Al-Thani seinem 33 Jahre jungen Sohn die Führung übergab. Gemeinsam mit seinem Cousin hatte der Fonds-Lenker 1995 den Putsch vollzogen. Zwar wurde Hamad Bin Jassim Al-Thani nicht Emir. Aber er hatte die Kasse.

Er sorgte für die Ausbeutung des drittgrößten Gasvorkommens weltweit, gilt als Gründer des Senders Al Jazeera und Liebhaber schneller Autos. Gleichzeitig baute er den QIA auf. Durch die World Trade Organisation und den UN-Klimagipfel in Doha brachte er seine kleine Heimat international ins Gespräch.

Jetzt nutzt er die Erfahrungen, um selbst zu investieren. Denn nicht der QIA hat Anteile der beiden luxemburgischen Banken gekauft, die hier zusammen zu den größten Arbeitgebern zählen, sondern Al-Thani selbst, dessen Familie Precision Capital, jene Holding, die die BIL und die KBL epb hält, besitzt. Interessant ist, dass er trotz des vergleichsweise geringen Investments in Luxemburg auf den Erfolg schaut. Monatlich muss sein Statthalter George Nasra zum Rapport, alle zwei Monate sprechen die CEOs Yves Stein und Hugues Delcourt in Doha mit den Eigentümern. Das ist eine beachtliche Disziplin.

Hauptartikel zur Analyse: Der Strippenzieher aus Katar