LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

ClearimageAI will mit einem neuen Produkt den Markt von Luxemburg aus erobern

Auf dem Bildschirm taucht eine rote Warnung auf: Der Besucher, der den Raum betritt, trägt keine Maske. Und er steht zu nah an seinem Ansprechpartner. Auch davor warnt der Bildschirm.
„Das hier ist eine tolle Möglichkeit festzustellen, dass die Leute sich an die Regel mit dem Abstand und der Maske halten“, sagt Martin Guérin, CEO des Luxembourg-City Incubators. Er meint damit das System von „ClearimageAI“. Das Unternehmen hat ein besonderes Verfahren entwickelt: Ohne Datenaufzeichnung analysiert es dynamische Daten.  In diesem Fall zählt das System die Eintretenden, misst ihre Distanz zueinander und prüft, ob sie eine Maske tragen.

„Wir können sowohl Objekte als auch Personen erkennen“, sagt CEO Kris Bober. Die Stereo-Sensoren seines Systems sind darüber hinaus in der Lage, auch Entfernungen zwischen Personen oder Dingen zu messen oder Szenen zu analysieren. Bober verweist auf einen Film auf seiner Webseite. Dort analysiert Clearimage AI einen versuchten Autodiebstahl.

Anwendungen in der Überwachung, der Kundenanalyse oder bei Arbeitsabläufen

Aber auch für ganz andere Prozesse lässt sich die Software nutzen. Beispielsweise für die Überwachung der richtigen Abpackung von Take-away-Nahrungspaketen. Sind die richtigen Früchte in der Tüte gelandet?

„Was wir machen, ist IOT der nächsten Generation“, versichert der Gründer. „Wir können Ereignisse augenblicklich analysierten – ohne, dass irgendetwas aufgezeichnet wird.“ Das macht die Anwendung für alle interessant, die sonst Probleme mit dem Datenschutzgesetzt hätten. Dazu kommt, dass alle Daten lokal verarbeitet werden. Damit entfällt das Verschicken von Daten oder die Nutzung von Servern, die ganz woanders sind.

Bober kennt noch mehr Anwendungen. „Unsere Software kann beispielsweise analysieren, wer wie lange auf einen Bildschirm schaut. Damit weiß man schnell: Lohnt es sich überhaupt, den aufzustellen?“
Solche Idee hat Bober mit seinem Team entwickelt. „Wir waren vorher bei Apple Image Segmentation“, sagt er. Doch er wollte weitergehen als die arbeits- und zeitintensiven Systeme. „Wir wollten etwas Automatisiertes.“ Seit April dieses Jahres ist das Produkt marktreif. Dass ausgerechnet die Coronakrise ausbrach, machte es dem Start-up nicht leicht.

Kunden hat das in Luxemburg beheimatete Unternehmen nicht nur hier, sondern auch in Polen, der Türkei und Thailand. „Wir stellen die Software jetzt global vor“, erklärt Bober. Er zeigt, wie er auf seinem Handy durch eine App einfach verfolgen kann, was passiert. „Man kann das für Prozeduren und Märkte festlegen. Wenn jemand beispielsweise bei sich allein zu Hause ist und stürzt, kann man das über unsere App feststellen. Auch Smart City Anwendungen sind gut denkbar, denn die Software kann mit anderen kommunizieren – und das alles in Echtzeit“, unterstreicht der CEO von ClearimageAI.
Das Produkt ist in seinen Augen erschwinglich. In den kommenden Monaten soll es beim Preis eines iPhones liegen. Möglich wird die Nutzung der Software durch einen kleinen Kasten namens „iris“, etwa halb so groß wie eine Schuhschachtel. Dazu gibt es dann verschiedene Apps, je nachdem, ob der Kunde lieber einen Schutz für das Haus will oder eine Büroanwendung oder aber Prozeduren sicherstellen – wie das Einhalten von Distanzen und das Masken tragen im LCI. „Es gibt auch noch weitere Anwendungen. Wie verlaufen Gespräche zwischen dem Kunden und dem Verkäufer. Wie zufrieden sind die Kunden? – „Da ist viel möglich“, versichert Bober.

Er hat schon einige Unternehmen in den vergangenen Jahren gegründet. Der gebürtige Pole ist in Kanada aufgewachsen und kennt daher die europäische und nordamerikanische Kultur. Mit seinem Team arbeitet er seit rund zehn Jahren zusammen. „Konkurrenten haben wir im Moment nicht“, sagt er lächelnd.

Der 54-Jährige ist vor acht Jahren nach Luxemburg gekommen, weil er einen zentralen Standort in Europa wollte. Seit 2018 ist ClearimageAI im LCI. „Sie haben uns sehr gut unterstützt und viele Kontakte besorgt“, lobt Bober.  In den kommenden drei Monaten will er sein Team von sieben Mitarbeitern verdoppeln, aber im LCI bleiben. „Unsere Aussichten“, ist Bober sicher, „sind gut.“

www.clearimageai.com