LUXEMBURG
JOCHEN ZENTHÖFER

Ein neuer, vor kurzem vom Regierungsrat gutgeheißener und von der Kulturministerin vorgestellter Gesetzentwurf soll für mehr Kohärenz im Umgang mit dem Kulturerbe in Luxemburg sorgen.

„Das Großherzogtum bekommt ein modernes Gesetz zum Schutz des kulturellen Erbes. Das Gesetz überzeugt, denn Hauseigentümer bekommen mehr Rechtssicherheit, und Prozeduren werden entschlackt. Im Mittelpunkt steht ein wissenschaftliches Inventar, das von Architekten und Kunsthistorikern landesweit erstellt wird. Ein solches Inventar gibt es in allen anderen EU-Staaten. In diesen Staaten ist das Inventar der Ausgangspunkt für den Schutz von Bau-tradition. Auch in Luxemburg wird das in Zukunft so sein. Das ist ein Verdienst von Kulturministerin Sam Tanson (déi gréng). Vor ihr hatten vier Minister und zwei Staatssekretäre versucht, das bisherige Gesetz von 1983 zu überarbeiten. Geliefert hatten sie aber nichts. Nun hat Tanson das langerwartete Gesetz gemeinsam mit den Verantwortlichen vorgestellt: Beryl Bruck (Präsidentin der Kommission zum Denkmalschutz, Cosimo), Patrick Sanavia (für das bauliche Erbe), Foni Le Brun (für die Archäologie) und der zuständige Mitarbeiter für das immaterielle Erbe, Patrick Dondelinger. Die ganze Mannschaft steht hinter dem neuen Gesetz - das ist ein gutes Zeichen der Einheit.

Wir Aktivisten im Denkmalschutz begrüßen diese Einheit ebenso wie die grundsätzliche Richtung des neuen Gesetzes. Oft haben wir in den letzten zehn Jahren die Regierungen kritisiert. Ebenso wie diese Kritik notwendig war, ist nun auch ein Lob für das Erreichte auszusprechen. Wir Denkmalschützer sind keine ewigen Streithammel, wir haben positive Entwicklungen immer auch positiv konnotiert. Zu erinnern ist etwa an die Arbeitsgruppe, die die frühere Kulturministerin Maggy Nagel (DP) zur Reform des Gesetzes eingerichtet hatte. Auch verschiedene Parlamentarier sind sehr engagiert, um den Denkmalschutz und das neue Recht voranzutreiben, etwa André Bauler (DP) und Franz Fayot (LSAP). Doch erst Tanson hat all diese Initiativen zu einem einheitlichen Gesetzentwurf zusammenfassen können. Es ist zudem ihr Verdienst, dass wir nun einen ‚Paradigmenwechsel‘ (Josée Hansen) erleben. Die Aufnahme der Kriterien für den Denkmalschutz in das Gesetz zeigt, dass es Tanson ernst ist mit einer wissenschaftlichen Herangehensweise. Endlich bekommt Luxemburg ein wissenschaftliches Denkmalinventar. Es wurde höchste Zeit.“