LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Vor fast zehn Jahren wurde das „Cluster for Logistics“ gegründet - was es macht, erklärt Cluster-Direktor Malik Zeniti

Der Süßwaren-Konzern Ferrero hat seinen Sitz in Luxemburg. Vor nicht allzu langer Zeit suchten seine Manager eine Lösung, die Schokoladenriegel auf dem Weg nach Australien kühl halten würde. Denn Schokolade, die warm wird, sieht nicht mehr so appetitlich aus. Rat fanden sie laut Malik Zeniti bei Unternehmen wie Panalpina, Cargolux oder Arthur Welter. Als Direktor des „Cluster for Logistics“ kennt er sich mit Kühlketten bestens aus und weiß, welche Spezialisten in Luxemburg eine lückenlose Kühlung samt Überwachung anbieten. Jetzt sind die Kunden in Australien, wo im Sommer Rekordtemperaturen herrschen, angetan, denn die Ware sieht gleichmäßig gut aus, egal wie warm es ist.

Das Beispiel ist eines von vielen. Die meisten Menschen, die „Logistik“ hören, können sich darunter nicht allzu viel vorstellen. Der Sektor deckt von globalen Unternehmen wie DHL, Kühne & Nagel oder DB Schenker über Start-ups und Nischenexperten für Kühlketten, lebende Ware, verderbliches wie Obst & Gemüse oder Medikamente bis hin zu Luft-, Schienen- und Schifffahrts-Fracht alles ab.

Im Zuge der Wirtschaftskrise 2008/2009 beschloss der damalige Wirtschaftsminister Jeannot Krecké, andere Bereiche als den Finanzbereich zu entwickeln. Neben ICT, Biohealth, Automobil, Materialen und Produktion sowie kreativen Industrien, Holz und EcoInnovation, die bei Luxinnovation angesiedelt sind, entstanden auch zwei Cluster unter dem Dach der Handelskammer: Das Cluster maritime sowie das Cluster for Logistics. Letzteres feiert im Juni seinen zehnten Geburtstag.

„Wir haben viel bewegt, aber uns kennen immer noch zu wenig Leute“, findet Zeniti. Er beschreibt seine Aufgabe während der gestrigen Pressekonferenz im Vorfeld des zehnten Geburtstages als vielfältig. Zum einen geht es darum, Luxemburg als Standort für Logistik zu promoten. Dank der Mehrsprachigkeit und der zentralen Lage in Europa gibt es Argumente. „Hinzu kommt der CFL Multimodal-Hub in Bettemburg, über den schon 200.000 Container pro Jahr Richtung Spanien, China oder auch Polen auf der Schiene statt auf der Straße transportiert werden“, unterstreicht Zeniti. Auch der Hafen in Mertert und der Flughafen Findel mit seiner starken Cargo-Anbindung nach China seien Pluspunkte. „Der Findel ist der fünfgrößte Frachtflughafen und speziell zertifiziert für pharmazeutische Güter, Tiere sowie verderbliche Ware“, sagt der Logistik-Experte. „Von hier aus werden alle fünf Kontinente von Cargolux angeflogen.“

Neue Abschlüsse für Personal

Als am Anfang der Sektor ausgebaut werden sollte, stellten die Verantwortlichen fest, dass geschultes Personal fehlte. So wurde auf der einen Seite ein „Master of Supply Chain“ mit der Universität Luxemburg und dem Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) aufgelegt. Auf der anderen Seite entwickelte das Cluster mit den entsprechenden Verantwortlichen in zwei Lyzeen ein Technik-Diplom. „Die ersten 15 Absolventen kommen jetzt nach drei Jahren Ausbildung auf den Markt. Rund 30 sind seit dem Start vor drei Jahren jedes Jahr hinzu gekommen“, berichtet der Cluster-Direktor. Allerdings sei es nicht ganz einfach. Denn zu Beginn hatten viele gedacht, die Ausbildung liefe auf einem unteren Level. „Aber die Leute müssen Englisch können und mit Computern oder Tablets umgehen können“, insistiert Zeniti und erzählt von japanischen Unternehmen, die herkommen und Mitarbeiter wollen, die mit Robotern umgehen können. Arbeit gäbe es genug.

Zeniti verweis stolz auf Entwicklungen wie der neue Sitz von Arthur Welter Logistics in Düdelingen, wo ein Gebäude von 25.000 m² auf 5,5 ha entsteht, 20 Millionen Euro investiert werden und 50 neue Arbeitsplätze entstehen.

Big Data sei überhaupt ein sehr wichtiges Thema in der Logistik, sagt der Experte. Auch deswegen seien die Datencenter in Luxemburg entscheidend. Zeniti verweist auch auf ein kürzlich organisiertes Start-up-Event, bei dem Gründer aus dem Logistik-Bereich etablierte Unternehmen treffen konnten. Beim Thema Innovationen arbeitet das Cluster auch mit der staatlichen Innovationsagentur Luxinnovation sowie mit dem „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST) zusammen.

Für das Cluster gibt es noch viel zu tun. Nicht nur die anstehende Geburtstagsfeier muss organisiert werden. „Vor allem müssen wir bekannter werden. Jedes Unternehmen, dass sich hier niederlässt, ist interessant für uns“, sagt Zeniti.