KLEINBETTINGEN
CORDELIA CHATON

Die Kleinbettinger Mühle bietet Nudeln und Mehl, die aus heimischem Weizen bestehen

Großes Kino für Mehl und Nudeln: Die Kleinbettinger Mühle produziert jetzt zwei Produktlinien, die zu hundert Prozent aus heimischer Weizenproduktion stammen. Unter der Marke „Le Moulin“ kommen neun Mehlsorten sowie die bei den Luxemburgern beliebtesten Pastasorten in die Regale aller Supermärkte im Land. Das kündigte Jean Muller an, der seit zehn Jahren den Familienbetrieb leitet.

Die 1704 gegründete Kleinbettinger Mühle blickt auf über 300 Jahre Geschichte zurück, befindet sich jedoch erst nach einem Brand und dem daher notwendigen Umzug seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Kleinbettingen. Sie mahlt rund 135.000 Tonnen Getreide pro Jahr zu zwei Produkten. Rund die Hälfte ist Hartweizengries, der für die Pastaproduktion benötigt wird. Die andere Hälfte ist Mehl. „Nudeln machen rund die Hälfte unserer Aktivität aus“, erklärt Muller.

Heimische Produktion statt Import

Früher kam der Weizen dafür aus den USA und Deutschland. Doch schon in den 80er Jahren startete Jean Mullers Vater Experimente mit fünf Bauern, um Sorten zu finden, die auch in Luxemburg gedeihen würden. Heute sind es über 200 Bauern, die diese Sorten für die Kleinbettinger Mühle anbauen, insgesamt rund 18 Millionen Tonnen Weizen. Möglich wurde dies unter anderem durch den Klimawandel, der für milde Winter sorgte.

„Wir arbeiten mit einer Landwirtschaft, die auf Biodiversität und kurze Wege setzt. Das Getreide wird nicht behandelt, sondern direkt an uns geliefert“, erklärt Muller. Für die Lagerung setzt er keine Pestizide ein, auch wenn das mehr Kosten bedeutet. Muller ist von Nachhaltigkeit persönlich überzeugt. „Uns war es wichtig eine Luxemburger Marke für nachhaltige Produkte zu schaffen. Wir wollen zur Referenz werden - mit Qualitätsprodukten aus luxemburger Weizen.“

Um die Marke „Le Moulin“ bekannter zu machen, starten demnächst Kino- und TV-Spots, die Muller während der Pressekonferenz im Kinoler, dem Kino in Kahler, schon mal vorführte. Die Klaviermusik, mit der sie unterlegt sind, stammt übrigens von seinem Cousin, dem Pianisten Jean Muller.

Damit die Kunden sich einfacher zurecht finden, steht auf dem Mehl nicht mehr nur eine Nummer, sondern die mögliche Nutzung wie „Pizza“, „Patisserie“ oder „Multiusage“. Unter den neun Sorten in recycelbarer Verpackung befindet sich auch Dinkelmehl sowie Nudelmehl. „Wir haben mit BIOG kooperiert, um ein Vollwertmehl anbieten zu können“, unterstreicht Muller. Erste Reaktionen der Supermärkte seien sehr positiv, sagt er.

Die Nudeln - beliebte Sorten wie Spätzle, Spaghetti, Maccaroni oder Tagliatelle -, werden an zwei Standorten in der Großregion gefertigt. Sie sind zu allererst für den Luxemburger Markt gedacht und tragen genau wie das Mehl das Label „Made in Luxemburg“. Muller hofft nach einer ersten Phase mit einem Vertrieb über den Handel auch auf Kunden in Kantinen, Schulen und Restaurants.

Der Luxemburger hat nach einem Wirtschaftsstudium und Erfahrung in der Schweizer Bankenwelt noch eine Lehre als Müller gemacht, bevor er vor zehn Jahren in den Betrieb mit 77 Mitarbeitern einstieg. Seit drei Jahren hat sein Vater sich zurück gezogen und Muller leitet die Geschäfte der Großmühle, in der zwei Mühlen von 1974 und 2007 arbeiten. Beide Mühlen sind seit Ende 2016 biozertifiziert. Das Engagement für Nachhaltigkeit hat Bestand in der Kleinbettinger Mühle.