NIC. DICKEN

Noch in den vergangenen sechziger Jahren zogen sie in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen durch die großen und kleinen Dörfer des Landes und genossen dabei wegen zumeist nicht ganz unberechtigter Zweifel der Kundschaft einen eher zweifelhaften Ruf. Die traditionellen „Lompekréimer“, die sich mit dem aus dem „Jéinesche“ stammenden Begriff der „Lakerten“ in Luxemburg immerhin ein kulturelles Denkmal setzen konnten, zogen mit mehr oder weniger nützlichem Zeug wie Steingut und sonstigem Haushaltsgeschirr über die Dörfer und boten ihre Ware im Austausch gegen alte Stoffe und Kleider oder auch Altmetalle, die in den Haushalten keine Verwendung mehr fanden. Reich dabei wurden weder sie selbst noch ihre Geschäftspartner, die sich dennoch immer wieder auf die dubiosen Tauschgeschäfte einließen.

Seit Jahren schon treibt nun eine neue Art von „Lompekréimer“ flächendeckend ihr Unwesen. Sie unterscheidet sich von den Vorgängern vor allem dadurch, dass sie ihre gepflegten Wirkungsstätten in den Direktionsetagen der großen Konzerne hat, in alles andere als billige Lumpen gekleidet ist und finanziell ungleich effizienter in die schier unergründlichen Taschen arbeitet. Sie haben es erfasst, mit cleverem Marketing selbst den größten Schrott zu gefühlten Goldpreisen an den Kunden zu bringen. Wo dies nicht ausreicht, schließt man sich diskret zusammen und betrügt im Rudel: Die Kunden, die Zulieferer, den Staat und nicht zuletzt auch die Umwelt, die nur langfristig auf die ihr gegenüber gezeigte Rücksichtslosigkeit reagieren kann.

Die schlimmsten Täuschungen und Betrügereien werden von geldgierigen Ganoven betrieben, denen alle ethischen Skrupel abhanden kommen, wenn sie nur Geschäft und Geld und damit den ureigenen Profit wittern. Neben dem millionenfach begangenen Betrug an mobilitätsbesessenen Europäern, Amerikanern und Asiaten um Abgaswerte und deren sträfliche Vertuschung trifft nun die Spitzen der deutschen Automobil-Creme, die sich nach wie vor gerne als abgeklärte, kompetente und absolut verlässliche Industriekapitäne gefeiert sieht, ein weiterer schwerwiegender Verdacht. Gerade den sich als Premium-Klasse selbst bewundernden Konzernchefs droht nämlich eine Kartellklage wegen jahre-, vielleicht sogar jahrzehntelanger Absprachen, durch die nicht nur Kunden getäuscht, sondern darüber hinaus auch Zulieferunternehmen unter enormen finanziellen Druck gesetzt wurden.

Mit ehrlichem und vor allem ehrenhaftem Geschäftsgebaren hat das alles nichts mehr zu tun, der willkürlich in Kauf genommene totale Vertrauensverlust steht Leuten, die sich ihre unternehmerischen „Leistungen“ jährlich mit siebenstelligen Eurobeträgen honorieren lassen, nicht sonderlich gut zu Gesicht. Auch die Römer wussten schon, dass Geld nicht stinkt, doch immer mehr tun es die bewusst massenhaft unter die Leute gebrachten Drecksschleudern, die weder vom Ruf noch von der Qualität her weiter die Premium-Bezeichnung verdienen.

Dagegen waren die klassischen „Lompekréimer“ ja eigentlich wahre Edelleute.