PASCAL STEINWACHS

Da

Dass Premier Bettel ausgerechnet am Mittwoch auf Arbeitsvisite in London weilte, als die ganze Welt wegen dem Giftanschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal mit Spannung auf die britische Hauptstadt blickte, war natürlich Zufall, macht aber deutlich, wie schnell eine zuvor minutiös geplante Tagesordnung über den Haufen geworfen werden kann, wenn die Weltpolitik mal wieder verrückt spielt.

So reiste der luxemburgische Regierungschef just in dem Moment in London, als ein neuer Kalter Krieg zwischen Russland und dem Westen, von dem man bis vor kurzem noch glaubte, er existiere nur noch in alten James-Bond-Streifen, auf einen vorläufigen Höhepunkt zusteuerte. Dies nachdem die britische Premierministerin am Vormittag im Unterhaus angekündigt hatte, wegen der Giftattacke, für die Moskau mit hoher Wahrscheinlichkeit die Verantwortung trage, 23 russische Diplomaten des Landes zu verweisen - die größte gleichzeitige Ausweisung von Russen seit dem Kalten Krieg -, was Russland wiederum dazu veranlasste, mit Gegenmaßnahmen zu drohen.

All dies dürfte gestern dazu beigetragen haben, dass das nunmehr bereits zweite „Tête-à-tête“ zwischen Xavier Bettel und Theresa May in Downing Street 10 wahrscheinlich nicht ganz so ausgefallen ist, wie sich das beide Regierungschefs vorher erwartet hatten.

Die bilateralen Beziehungen, die bei derartigen Treffen ja nie fehlen dürfen, wurden zwar anscheinend angesprochen, und auch über die Detailfragen des Brexit, dem eigentlichen Anlass des Bettel’schen Abstechers nach London, sollen May und Bettel geredet haben, doch außer den immer gleichen Floskeln wie derjenigen des „cherry-picking“, also des Rosinenpickens, das die restliche EU den Briten ja beim Austrittsabkommen versagen will, war nicht viel zu erfahren. Hier verwies Bettel auf den nächstwöchigen Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, bei dem Theresa May Details zum Brexit verraten wolle.

Dass der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU am Mittwoch eher Nebensache war, wurde auch daran ersichtlich, dass sich die internationalen Journalisten nicht nur vor dem Regierungssitz die Beine in den Bauch standen, sondern auch vor der russischen Botschaft, an der die luxemburgische Delegation zuvor vorbeigefahren war. Vor der weltberühmten Downing Street Nummer zehn gaben sich an diesem Tag dann auch die Spitzenpolitiker die Klinke in die Hand, empfing Theresa May am Nachmittag doch neben Xavier Bettel unter anderem auch noch, wie die mitgereisten Journalisten aus Luxemburg vor der berühmtesten Tür der Welt selbst mitverfolgen konnten, die schottische Premierministerin sowie den Ersten Minister von Wales, die May ihre Unterstützung in ihrem Vorgehen gegen Russland zusicherten.

Ungeachtet der Tatsache, dass die Gespräche in London anders verliefen als ursprünglich geplant, sind solche Besuche aber natürlich besonders für ein kleines Land wie Luxemburg von immenser Bedeutung, kann einem, zumal wenn man mit einem solch natürlichen Charme wie Xavier Bettel gesegnet ist, ein persönlicher Kontakt auf dieser Ebene doch Türen öffnen, die einem ansonsten für immer verschlossen geblieben wären...