LONDON
PATRICK VERSALL

Selina Welter gehört zur jungen Generation luxemburgischer Tänzerinnen und Tänzer

Nach dem Abschluss des Studiums und vor dem ersten Engagement riskieren Tänzer oftmals in einen luftleeren Raum abzudriften, aus dem sie nur schwer rauskommen, sprich sie in eine Erwerbslosigkeit geraten, der sie oft nur schwer entkommen, da Tanzkompanien – wie andere Arbeitgeber auch – lieber auf Kräfte mit Erfahrung zurückgreifen. Die junge Luxemburgerin Selina Welter, Jahrgang 1987, erwarb vor einigen Monaten an der Kingston University of London ihren „Bachelor in Dance with Drama“. Nach ihrer dreijährigen Ausbildung in der britischen Hauptstadt befindet sie sich genau in jener Phase, die Choreographen und Tanzlehrer als besonders kritisch betrachten.

Talent geerbt

Die junge und dynamische Tänzerin lässt sich keineswegs desillusionieren und bereitete sich derzeit auf Vortanztermine vor, um eine der heißbegehrten Rollen bei einer Tanzproduktion zu ergattern. In London, so Selina Welter, wimmele es nur so von Tänzern, die auf der Suche nach einem Engagement seien. „Es findet ein regelrechter Kampf statt. Eine Absage zu erhalten ist einfach nur schrecklich, da man wochenlang auf eine einzige Chance hingearbeitet hat“, so die Luxemburgerin, die von klein auf tanzt und vermutlich das Talent bereits von ihrer Mutter Miranda Welter, ebenfalls Tänzerin, in die Wiege gelegt bekam.

Nach London war Selina Welter gezogen, weil sich ihr in der pulsierenden Metropole die Chance geboten hat, das Studium der Schauspielerei und des Tanzes zu kombinieren. Daneben sei es, so die Tänzerin weiter, durchaus spannend, als Luxemburgerin das Leben in einer Großstadt wie London hautnah zu erleben.

Zu Beginn ihrer Ausbildung fokussierte sich Selina Welter auf ihre Theaterstudien. An ihrer Universität sei der Tanz massiv gepusht worden, erklärt Welter, das Tanzprogramm habe sich durch eine ungemein breite Diversität ausgezeichnet, was beileibe nicht an allen Schulen der Fall sei. Dadurch, dass sich ihr die Möglichkeit geboten habe, sehr viele unterschiedliche Tanzstile kennen zu lernen, fiel schnell der Entschluss, sich intensiver in die Richtung einer professionellen Tänzerkarriere zu bewegen.

Während des ersten Studienjahres gründete Selina Welter gemeinsam mit Kollegen ihre eigene Tanzkompanie, die zur offiziellen Kompanie der Tanzfakultät der Universität ernannt wurde.

Tanzlehrerin für englische Schüler

Selina Welter, die nach ihrem Abschluss ein halbes Jahr am London „Conservatoire for Music and Dance“ trainierte, leitet auch weiterhin ihre Kompanie „StemKu Dance Company“. Im Juli organisiert diese einen Workshop in London.

Bis das erste Engagement an Land gezogen ist, hält sich die Luxemburgerin mit ihrem Job als Ersatz- Tanzlehrerin für Schüler über Wasser. „Im Rahmen des ‚After-School‘-Programms werden Tanzkurse für Kinder angeboten, die nach dem Unterricht nicht sofort nach Hause gehen können.“ Parallel dazu arbeitet sie als Nanny, „ein interessanter Weg, die englische Kultur kennen zu lernen“, erklärt die Tänzerin.

Würde sich ihr die Möglichkeit bieten, in Luxemburg an einer Tanzproduktion teilzunehmen, so wäre sie keineswegs abgeneigt, in ihr Heimatland zurück zu kehren. Sie sei kreativ, möchte ihre Kreativität ausleben, egal an welchem Ort. •